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Die ersten Leipziger Stadtansichten in Farbe: Familienglück und Stadtansichten

Die ersten Leipziger Stadtansichten in Farbe: Familienglück und Stadtansichten

Wer heute digitale Fotos wie am Fließband produziert, kann sich kaum vorstellen, wie schwierig das Ablichten in den Anfangsjahren der Farbfotografie war. 1936 kam in Deutschland der erste Farbfilm in den Handel - in Leipzig wurde diese Innovation sofort von begeisterten Fotografen aufgegriffen, die Architektur und Alltagsleben auf Zelluloid bannten.

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Großer Andrang 1941 vor dem Dickhäuterhaus im Leipziger Zoo.

Quelle: LehmstedtVerlag

Doch das war teuer, die Farbfotografie damals ein purer Luxus, zumal der Film eigens zum Entwickeln zu Agfa nach Berlin-Treptow geschickt werden musste. Viele der so entstandenen Fotografien haben den Zweiten Weltkrieg nicht überdauert. Die meisten Bilder, die wir aus Leipzig aus jenen Jahren kennen, sind in Schwarz-Weiß. Oder sie stammen von kolorierten Postkarten. Umso erstaunlicher ist es, dass der Ire Ian Spring fast 400 Leipzig-Bilder aus den Dreißiger- und Vierzigerjahren zusammengetragen hat. 70 davon sind nun in einem Bildband zu sehen, der unter dem Titel "Leipzig in Farbe. Frühe Farbfotografien 1937-1947" im Lehmstedt-Verlag erschienen ist.

Die Bilder mussten natürlich bearbeitet werden, was Ronny Ecke übernommen hat. Die Fotos stammen meist aus den Nachlässen von Laienfotografen, nach 70, 80 Jahren haben sie oft Kratzer und Flecken. Um sie druckfähig zu machen, waren Korrekturen notwendig, die im Vorwort kurz beschrieben sind.

Wer sich die Motive anschaut, erhält einen einmaligen Blick aufs Messetreiben sowie markante Sehenswürdigkeiten wie das Neue Rathaus und die Paulinerkirche in jener Zeit. Dabei gibt es zunächst einen Eindruck vom unzerstörten Leipzig, aber auch von den Kriegsschäden. Hinzu kommen Bilder vom Familienglück, etwa beim Spielen im Palmengärten. Aufmärsche der Nationalsozialisten bleiben ausgespart, dafür war den Hobbyfotografen der Film wohl zu teuer. Dennoch ist der Hauch der Zeit zu spüren, etwa wenn eine Kriegshochzeit im Gohliser Schlösschen gezeigt wird. Singende Hitlerjungen, der strenge Lehrer mit NSDAP-Abzeichen oder Sanitätssoldaten sind zu sehen. Von den spielenden Kindern sind einige als Pimpfe oder Jungmädel zu erkennen. Die Fotos sind zufällig ausgewählt - eben aus dem noch vorhandenen Fundus. Es macht Spaß, in die Gesichter zu sehen und vielleicht die ein oder andere Geschichte dahinter zu spüren. Der Bildband mit den frühen Farbbildern ist eine Fundgrube für alle an der Geschichte ihrer Stadt Interessierten.

Das Buch hat 96 Seiten mit 85 farbigen Abbildungen. Es kostet 19,90 Euro. ISBN 978-3-942473-96-5

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.09.2014

Mathias Orbeck

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