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Die gefallene Göttin - Ein Nachruf auf Whitney Houston

Die gefallene Göttin - Ein Nachruf auf Whitney Houston

New York/Leipzig. Blitzlichter, roter Teppich, tosender Jubel – und mittendrin Rachel Marron, die glitzernde Göttin. Künstlerisch ist der Film „The Bodyguard" ein Kaugummi, aus dem früh der Geschmack flieht.

Eine ironiefreie, Klischee-beladene Spiegelung von Ruhm und Glamour. Aller Fachkritik zum Trotz wuchs das in Drehbuch und Schauspielkunst schwächelnde Rührstück zum Verkaufsknüller.

Nicht erst seit der Nachricht vom Sonntag taugen Szenen dieses Hollywood-Opus‘ – guten Willen und Abschaben der Schmalzschicht vorausgesetzt – sogar als Erklär-Clips für den Niedergang einer Ausnahme-Sängerin, die am Samstag leblos in ihrem Hotelzimmer gefunden wurde.

Blitzlichter, roter Teppich, Jubel – nur ein paar Nummern kleiner. Und mittendrin Whitney Houston, gefallene Göttin. So der Regie-Entwurf für den Samstag-Abend in Beverly Hills. In besagtem Hotel sollte die 48-Jährige einem opulenten Dinner-Empfang durch ihren Auftritt Glanz geben – im Vorfeld der Grammy-Verleihung. Die Party stieg ohne sie, ein paar Stockwerke unter ihrem Zimmer, trotz der Tragödie. Die Musikshow in der Nacht zum Montag dürfte streckenweise zur Gedenkveranstaltung geraten sein; Betroffenheit und Innehalten beim sonst betont unbeschwerten Beweihräuchern des Star-Auftriebs.

Ihr Tod gibt der Künstlerin die Besinnung auf das zurück, was sie geleistet hat – als Impuls-Geberin, als neuer Maßstab für Gesang. Er stellt die Demontage und die zuvor unverhohlene Häme in die Ecke. Er weckt Nachdenken über psychischen Verschleiß im Business, das nach dem Ableben von Amy Winehouse im letzten Sommer schnell wieder unter gewohnter Geschäftigkeit versank.

Ihre eher holzschnittartige Filmfigur Rachel Marron wie auch Houston selbst gehörten der Masse, über ihre Vita und jeden ihrer Schritte verfügte die Öffentlichkeit. Fans sorgten für Vergewisserung der eigenen Bedeutung wie auch für Bedrängung, Medien-Neugier garantierte Präsenz und Penetranz. Ein Bodyguard, der nur beschützt, wenn kein Makel das Bild trübt. Wer diesem Druck nicht standhält, flüchtet in eine Kapsel, in Betäubung und Rausch, bezahlt mit innerer Deformation.

Whitney Elizabeth Houston, geboren am 9. August 1963 in Newark/New Jersey, besaß alles, was den perfekten Star ausmacht: Eine unverwechselbare, fantastische Stimme, betörende Schönheit und Sinnlichkeit, die Grandezza einer Diva. Die musikalische Grundausbildung bekam sie als Elfjährige im Chor ihrer Mutter. Gospel, Soul und der Einfluss ihrer berühmten Cousine Dionne Warwick sowie ihrer Patentante Aretha Franklin prägten das Mädchen.

Nach Jahren als Background-Sängerin und einer kurzen Model-Karriere brachte sie 1985 das Debüt-Album „Whitney Houston" heraus, ihre zweite Platte „Whitney" (’87) schnellte von Null auf Platz eins der amerikanischen Charts. Ausverkaufte Welttourneen und weitere Hits folgten, 1992 ließ sich Houston von Kevin Costner hautnah bewachen, der dazu veröffentlichte Song „I Will Always Love You" trieb Millionen Fans in die Plattenläden.

1992 heiratete Houston Rapper Bobby Brown, der nicht nur als Musiker, sondern auch durch kriminelle und sexuelle Ausrutscher ein Abonnement auf Schlagzeilen hatte. Zu den Krisen in der Ehe voller regelmäßiger Trennungsgerüchte und Dementis kam ab Anfang des vergangenen Jahrzehnts der Kontrollverlust – Gerüchte über Missbrauch von Alkohol und anderer Drogen wurden zur Gewissheit, Berichte von Exzessen und öffentlichen Ausrastern häuften sich, von Entziehungskuren und Rückfällen.

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New York/Leipzig. Weltstar Whitney Houston lebt nicht mehr. Zur globalen Trauer sind schnell Spekulationen über ihren Tod gekommen. Ergebnisse einer Obduktion braucht es nicht wirklich, um die Ursache zu ergründen. Ihr Tod gibt der Künstlerin die Besinnung auf das zurück, was sie geleistet hat – als Impuls-Geberin, als neuer Maßstab für Gesang. Er stellt die Demontage und die zuvor unverhohlene Häme in die Ecke.

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Houston schien sich zu verlieren, kämpfte, trennte sich von Bobby Brown, schaffte Comebacks. Wenn sich auch der Mega-Erfolg der 1990er Jahre nicht wiederholte, kehrte sie mehrfach an die Chart-Spitze zurück, zuletzt mit dem Album „I Look to You" im Sommer 2009. Doch abseits der Arbeit bekam sie ihr Leben nicht in den Griff. „Der größte Teufel für mich bin ich selbst", sagte sie vor gut zehn Jahren.

Auftritte in Deutschland spiegeln ihre Metamorphose, ihren Verfall in Seele, Körper und Stimme. Im Herbst 1999 bezaubert die Queen of Pop in der Leipziger Messehalle 7, verströmt die Aura gewollter Unerreichbarkeit. Herzlich warm wirkt ihr Stewardess-Lächeln nie, aber das Huldvolle hinterlässt Eindruck – vor allem, wenn sie mühelos und unkopierbar durch die Oktaven schreitet.

Im Mai 2010 dann die Show in der Arena Leipzig, die eher Voyeuristen als Liebhaber vokaler Kunst bedient. Längst ist Houston auf anderen Tour-Konzerten zerpflückt worden, ausgebuht oder verlacht, weil sie Töne nicht trifft, orientierungslos wirkt. Die Spötter sind in der Mehrzahl, Medien kalauern: „Houston, Sie haben ein Problem."

Die Nachricht vom Tod relativiert ähnlich wie bei Michael Jackson die Verfehlung und rückt die Bedeutung fürs Metier zurück in den Fokus: Whitney Houston versetzte mit ihrem traumhaften Gesang Stadien in Verzückung, in ehrfürchtige Erstarrung oder ausgelassenen Tanz, wurde zum Ziel von Sehnsüchten, zum Vorbild für Sängerinnen wie Mariah Carey oder Katy Perry. Songs wie „How Will I Know", „One Moment in Time" oder eben die Bodyguard-Ballade sind unsterblich.

Nun folgt das posthume Geschäft mit dem Mythos, wie man es kennt: Wiedereinstieg in die Charts, Biografien, Veröffentlichung bislang unbekannter Aufnahmen. Lieferanten pathetischer Würdigungen haben sich ja schon gemeldet: Sie sehen Whitney Houston neben Amy Winehouse im Pophimmel singen. Und hier, ein paar Stockwerke darunter, geht die Show weiter.

Mark Daniel

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