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Die jungen Virtuosen: Überzeugendes Debütalbum der Leipziger Band Fabian

Soundcheck L.E. Die jungen Virtuosen: Überzeugendes Debütalbum der Leipziger Band Fabian

Aus allen Himmelsrichtungen sind sie hierhergezogen, vor anderthalb Jahren haben sich die vier Musiker in Leipzig gefunden. Mit ihrem Debütalbum gelingt es der Band Fabian, zugleich roh und filigran zu klingen. Am Dienstag spielen Fabian in der Similde.

Eigentlich wie auf der Platte: Fabian kürzlich im Ilses Erika.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Musik auf dem selbstbetitelten Debütalbum der Leipziger Band Fabian klingt wie die Indie-Antwort auf einen Formatradio-Slogan: Das Beste aus den 60ern, 70ern und 80ern. Da sind die verhallten, psychedelischen Gitarren, die virtuosen Läufe und Wechsel, die Kühle des Düsterpop. Wer die drei Jungs und das Mädchen sieht, ahnt: Keiner von denen hat in einem dieser Jahrzehnte gelebt. Das Backstage-Becks vor ihrem Konzert in Ilses Erika bekommen sie immerhin, ohne die Ausweise vorzeigen zu müssen.

Aber von vorn: Vor anderthalb Jahren ziehen die vier aus verschiedenen Teilen Deutschlands nach Leipzig, finden sich ganz klassisch über eine Annonce in einer Plagwitzer Szenekneipe. Und dann verbringen die Jungs an den Instrumenten und die Sängerin unendlich viel Zeit im Proberaum. „In manchen Wochen vier bis fünf Mal, vier bis fünf Stunden“, schätzen die Fabian-Musiker.

In den endlosen Jams entwickelt sich der Sound. Vom Funk- zum Indiepop (obschon die Band das Wort nicht sonderlich mag). Von Improvisationen zu Songs. Referenzen? Klar, im Gespräch fallen Namen wie Warpaint und Siouxsie and the Banshees.

Hochkarätiger Produzent: Max Rieger von der Band „Die Nerven“

Nun das Debüt-Album. Den wichtigsten Einfluss für den Sound der Platte importiert Sängerin Vitiko Schell aus Stuttgart: Sie holt Max Rieger aus ihrer alten Heimat. Rieger ist eigentlich Gitarrist bei der Band Die Nerven (die gehören übrigens zu den wenigen deutschsprachigen Hype-Acts, die nicht nerven) – für Fabian setzt Rieger sich ans Mischpult. Die Band spielt ihre neun Songs live ein, außer dem Gesang und hier und da einer dezenten Trompete gibt es kaum Overdubs. Rieger gelingt das Kunststück, der Platte ganz unauffällig einen originellen Sound zu verpassen.

Der ist vor allem spartanisch. Der Gitarrist verwendet nur wenige, ausgewählte Effekte, auch Bass, Drums und Gesang klingen meist natürlich. Alles läuft über das Spiel zusammen. Damit schafft die Band eine ganze Menge. Mal klingt’s nach schrulligem Pop („Brain Goes By“), mal nach Art-Rock („Homeboy“), in einzelnen Strophen auch nach Rockoper-Rezitativ („In Winter“), gelegentlich dröhnt Velvet Underground durch monotone Passagen. Auch Jazz (Zitat: „mögen wir auch manchmal“) frickelt durch verschiedene Parts. Die Takt-Wechsel in „Circles Fuse“ erinnern gar an Vorwende-Undergroundbands wie Wartburgs für Walter.

Fleißige Musiker

Rieger zaubert Charakter in den Sound der Tracks, in dem er sich selbst in den Hintergrund regelt. Eigentlich klingen die Stücke wie dahingespielt und einfach aufgenommen. Wie sehr Rieger doch an den Details geschraubt haben muss, wird beim Konzert deutlich. Auch live stimmt die Mischung aus roh und filigran, auch jetzt weiß Vitiko Schell genau, wann sie singen, reden oder brüllen muss. Die vielen Stunden im Proberaum zeigen sich in der Präzision der Musiker. Eigentlich alles wie auf der Platte – nur das Unterkühlte fehlt weitgehend ...

Die Musiker bleiben fleißig, fünf Konzerte stehen allein für dieses Jahr noch auf dem Tourplan – morgen geht’s in der Similde auf die Bühne. Und im Proberaum feilt die Band an der zweiten Platte („ist im Kopf schon fertig“). Loops soll’s geben, und Fabian will „weg von den 80ern“. Wie das dann klingt, lässt sich freilich schwer prognostizieren.

Fabian (Album), erschienen bei Treibender Teppich Rec.; Konzert: Dienstag, 20 Uhr, Similde (Simildenstraße 9)

Von Uwe Schimunek

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