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Die neue First Lady des Gewandhauses

Die Sopranistin Kristine Opolais in Leipzig Die neue First Lady des Gewandhauses

Kristina Opolais ist eine weltweit gefeierte Opernsängerin. Nun debütiert sie im Leipziger Gewandhaus – gemeinsam mit ihrem Mann, dem designierten Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons

Kristine Opolais in Leipzig.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass sie nun zum ersten Mal in Leipzig ist. Schließlich steht seit rund zwei Jahren fest, dass ihr Mann Andris Nelsons 2018 Gewandhauskapellmeister wird. Doch das hat Prinzip: „Wir halten unsere Karrieren ziemlich strikt auseinander und vermeiden es nach Möglichkeit, darüber zu reden, wenn wir zusammen sind.“

Das hat sich bereits früh eingespielt und bewährt in beider mittlerweile 14 Jahre währenden Beziehung. Opolais und Nelsons kennen sich seit den frühen Nuller-Jahren, als er Chefdirigent der Lettischen Nationaloper in Riga war und sie dort im Chor sang. Seine steile Weltkarriere begann etwas früher, und sicher hätte er ihr anfangs Türen öffnen, sie protegieren können. „Aber es war mir wichtig“, sagt Opolais im Gespräch vor dem Hotel Fürstenhof, in dem beide in Leipzig logieren, „dass ich meine Karriere alleine mache. Nur so konnte ich die Sopranistin Kristine Opolais werden. Andernfalls wäre ich immer die Frau von Andris Nelsons geblieben.“

Dass sie nun, in den Großen Concerten heute, morgen und am Sonntag, Lieder und Ausschnitte aus Opern von Dvorák und Smetana singt, hat natürlich dennoch damit zu tun, dass Sie die Frau des designierten Gewandhauskapellmeisters ist. Denn erstens steht der in dieser Woche wieder am Pult seines Orchesters. Und zweitens singt Opolais mittlerweile in einer Liga, die für Leipzig nur ausnahmeweise zu erreichen ist: auf Augenhöhe mit Anna Netrebko, für die sie 2010 bei Martin Kusejs Münchner „Rusalka“-Inszenierung einsprang und von jetzt auf gleich als ultimative Sängerdarstellerin für diese Partie erkannt wurde.

Überhaupt spielen Einsprungs-Verpflichtungen in ihrer Karriere eine gewisse Rolle: 2014 schrieb sie an der Met in New York Operngeschichte, als sie am Tag nach einer „Butterfly“-Premiere kurzerhand für die erkrankte Anita Hartig als Mimí in „La Bohème“ einsprang. Diese beiden Premieren an zwei aufeinanderfolgenden Tagen nennt sie noch heute „die verrücktesten 18 Stunden meines Lebens“.

Kristine Opolais ist für die Opernbühne geboren. Sie singt zum Niederknien schön, aber im jeden Ton bebend vor Leben und dramatischer Identifikationskraft. Sie ist schön. Sie ist eine großartige Darstellerin, die sich ihrer jeweiligen Partie mit Haut und Haaren ausliefert. Dennoch weiß sie auch die Konzertbühne zu schätzen: „Nehmen Sie das Lied an den Mond aus Rusalka“, sagt sie über diesen arg strapazierten Hitparaden-Titel, den sie auch im Gewandhaus singt: „In der Oper ist das beinahe ein bisschen leer, eine schöne Melodie am Anfang einer Oper, ein wenig naiv. Man muss zwar bereits die Wurzeln des Dramas hineinlegen, aber es darf nicht zu viel sein, wenn man den Spannungsbogen danach nicht gefährden will. Im Konzert kann man sehr viel mehr zeigen – dazu ist der Kontakt mit dem Publikum intensiver, unmittelbarer. Doch: Ich genieße das sehr. Und Konzerte haben noch einen weiteren Vorteil: Ich bin nicht für fünf Wochen beschäftigt wie bei einer Opern-Produktion, sondern nur fünf Tage. Da bleibt mehr Zeit für die Familie.“

Die kann sie nun in Leipzig mit ihrer Konzert-Verpflichtung unter einen Hut bringen, sieht nicht nur ihre Tochter Adriana, die ohnehin die Mutter bei den Reisen um den Globus begleitet, sondern auch ihren Mann, der sonst meist am jeweils anderen Ende der Welt unterwegs ist. Und da Andris Nelsons, wenn er dann erst einmal in Leipzig angetreten ist und zusätzlich ja auch seinen Chefposten beim Boston Symphony Orchestra behält, künftig eher weniger Oper dirigieren wird als bisher, werden die gemeinsamen Konzert-Auftritte nicht seltener werden. „Ja, in Leipzig werden wir auch in Zukunft gemeinsame Projekte verwirklichen. Aber mehr darf ich noch nicht verraten.“ Das nächste „gemeinsame Projekt“ der beiden ist dagegen bereits spruchreif: „Im nächsten Jahr machen wir zusammen an Covent Garden in London zusammen ,Lohengrin’ – meine erste Elsa.“

Und ihr erster Eindruck von Leipzig? „Großartig – ich habe sofort, als ich aus dem Wagen gestiegen bin, die positive Energie dieser Stadt gespürt. Ich bin Künstlerin, und Künstler sind sensibel, haben untrügliche Antennen für so etwas. Diese Stadt lebt ihre Tradition, Musik bedeutet hier etwas – darum war ich auch hochzufrieden mit Andris’ Entschluss, das Gewandhausorchester zu übernehmen.“

Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob sie sich auch vorstellen kann, einmal in der Oper Leipzig zu singen, oder ob das dann doch das falsche Niveau ist? „Wissen Sie“, fällt Ihre Antwort ziemlich selbstbewusst aus: „Es ist nicht wichtig, welches Niveau man vorfindet. Es geht darum, auf welches Niveau man ein Haus heben kann durch einen Auftritt.“ Eine Ansage, die die Erwartung vor den Großen Concerten dieser Woche ziemlich in die Höhe schraubt.

18. 19. Mai, jeweils 20 Uhr, 21. Mai, 11 Uhr: Kristine Opolais und Andris Nelsons mit Werken von Dvorák und Smetana im Großen Concert. Restkarten mit sehr viel Glück an den Abend- und Tageskassen.

Von Peter Korfmacher

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