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Die neue kleine Saalorgel für das Gewandhaus entsteht bei Dresden

„Eine große Orgel im Kleinen“ Die neue kleine Saalorgel für das Gewandhaus entsteht bei Dresden

Bei Dresden ist gerade ein großartiges Projekt in Arbeit, das Leipzigs Kulturlandschaft und vor allem den Spielplan des Gewandhauses bereichern soll: In der Werkstatt des Orgelbauers Wegscheider wurde im Januar der Grundstein für ein innovatives Instrument gelegt  – die neue Saalorgel für den Großen Saal des Gewandhauses.

In der Werkstatt des renommierten Orgelbauers Kristian Wegscheider entsteht die neue Saalorgel für den Großen Saal des Gewandhauses.

Quelle: Hannelore Schuster

Hellerau, Dresden. Im ehemaligen Vorort der Landeshauptstadt ist gerade ein großartiges Projekt in Arbeit, das Leipzigs Kulturlandschaft und vor allem den Spielplan des Gewandhauses bald bereichern soll: In der Werkstatt des renommierten Orgelbauers Kristian Wegscheider wurde im Januar der Grundstein für ein innovatives Instrument gelegt, eine Einzelanfertigung für Leipzig – die neue Saalorgel für den Großen Saal des Gewandhauses.

Wunsch nach Saalorgel besteht schon länger

Dieses Projekt wurde von der Gesellschaft der Freunde des Gewandhauses zu Leipzig ins Leben gerufen, wird von der Stadt Leipzig unterstützt und in Absprache mit dem Gewandhausorganisten Michael Schönheit, dem Gewandhausdirektor Andreas Schulz und der Technik fiel die Wahl auf den Dresdner Orgelbauer Wegscheider. Dabei bildet die bewusste Entscheidung für einen bestimmten Orgelbauer eine Ausnahme zur Regel, nach der normalerweise ein derartiges Projekt zur Bewerbung ausgeschrieben wird.

Der Wunsch nach einer Saalorgel besteht schon länger. Denn die große Orgel des Gewandhaussaals ist bei aller Großartigkeit nicht für die historisch informierte Aufführung von Werken aller Epochen geeignet. Schon ihr Stimmton stimmt nicht mit dem alter Instrumente überein. Daher war es nicht nur unter Historisten seit den 50er Jahren üblich, auf kleine Truhenorgeln zurückzugreifen, die beispielsweise bei Werken aus der Bach-Zeit als Continuo-Instrumente dienten. So hatte sich das Gewandhausorchester über die Jahre mit einer Leihgabe aus dem Paulinum beholfen, die ebenfalls aus der Werkstatt Kristian Wegscheiders stammt.

Der Entwurf der neuen kleinen Saalorgel für das Gewandhaus

So soll die neue kleine Saalorgel für das Gewandhaus aussehen.

Quelle: Wegscheider

So praktisch die Verwendung der kleinen Truhenorgeln auch ist, bleibt dennoch ein Problem ungelöst: Aufgrund der Größe kann das Instrument nicht die Leistung bringen, die für ein großes Barockkonzert nötig wäre. Da kommt die innovative Bauweise ins Spiel, die Wegscheider nun fürs Gewandhaus entworfen hat: Es wird ein zweiteiliges Instrument werden, das in den Saal gerollt werden kann, bestehend aus einer Truhenorgel und einer Hauptorgel, die nach Bedarf zusammengeschoben werden können oder auch einzeln verwendet werden, je nachdem, ob die Hauptorgel mit dem ersten Manual den Chor und das Orchester begleitet oder die Truhenorgel mit dem zweiten Manual die sanfteren, solistischen Stimmen unterstützt. „Wir bauen eine große Orgel im Kleinen, also eine mobile Orgel, die zur Not auch die Leistung einer großen Orgel bringen kann!“, sagt Wegscheider.

Erste Pfeifen aus Holz schon gefertigt

Alle Elemente, von der Klaviatur über den Korpus bis zu den Pfeifen, stellt Wegscheider in seiner Werkstatt mit seinem Team von Hand her. „Nur den Orgelmotor, den beziehen wir von außerhalb, “ sagt der Orgelbauer nicht ohne berechtigten Stolz.

Die ersten Pfeifen aus Holz liegen schon gefertigt auf den großen Holztischen der Werkstatt. In einem anderen Raum warten große Platten, gegossen aus einer Zinn- und Bleilegierung mit einem winzigen zusätzlichen Anteil von Kupfer, Antimon, Wismut, Silber und Arsen auf den nächsten Arbeitsschritt. Wegscheider bestreicht sie mit Schutzfarbe und schneidet sie nach einer individuellen Maßtafel in Länge und Breite zurecht. Nachdem er sie per Hand zusammengelötet hat, folgt die Intonierung. „Sie müssen sozusagen zum Pfeifen-Zahnarzt, der die Öffnung so bearbeitet, dass der gewünschte Ton erzeugt wird“, schmunzelt er.

Zur finanziellen Unterstützung des 200 000-Euro-Projektes hat sich der Förderverein des Gewandhauses dabei etwas Besonderes einfallen lassen: Unterstützern des Projekts ist es möglich, eine Pfeifenpatenschaft zu übernehmen. Dabei kann sich der Pate seinen Lieblingston aus 654 Pfeifen der 13 Register aussuchen, die in verschiedenen Preiskategorien gestaffelt sind. Die Hauptorgel enthält 8 Register, die in der historischen Aufführungspraxis den Basso Continuo stemmen, während die Truhenorgel noch fünf weitere Register beisteuert. Die Truhenorgel wird Ende dieses Jahres fertiggestellt, die Hauptorgel voraussichtlich Mitte des Jahres 2018.

Leipzig Vorreiter bei neuem, vielseitigen Orgel-Typ?

Das Außendesign steht noch nicht zur Gänze fest. Das dunkle Eichenholz des Gehäuses erhält noch etwas Goldfarbe und einen grünen Farbton, der unter verschiedenen Lichtverhältnissen vor Ort noch geprüft wird. „Die Saalorgel soll im Einsatz mit dem Gewandhausorchester nicht wie ein Fremdkörper wirken, aber sollte auch als Instrument eine eigenständige Wirkung entfalten“, stellt der Orgelbauer fest. Dabei kommt die Frage auf, wie er die Ornamente auf den Saal abstimmt und ob er eventuell den barocken Klangkörper der Bach-Zeit auch optisch erkennbar werden lässt. „In diesem Fall hört das Auge ja auch mit!“, stellt Wegscheider treffend fest.

Aber nicht nur in barocken Konzerten kommt das neue Instrument in Gebrauch. Durch die Möglichkeit, die Stimmhöhe zu verstellen, kann die Saalorgel ihren Part in Werken vom Barock über Romantik bis zur Moderne übernehmen. Und wer weiß, vielleicht wird Leipzig damit Vorreiter für diesen vielfältig einsetzbaren neuen Typ Orgel?

Wer bei der Realisierung des ehrgeizigen Projektes helfen will, kann sich direkt an die Gesellschaft der Freunde des Gewandhauses wenden: www.freunde-gewandhaus.de

Katharina Stork

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