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„Diese Leute denken nicht nach“ – Betontod vor Leipziger Konzert über Pegida-Stuss

Interview mit Gitarrist und Texter Frank Vohwinkel „Diese Leute denken nicht nach“ – Betontod vor Leipziger Konzert über Pegida-Stuss

Betontod sind so etwas wie eine Institution im deutschen Punkrock. Nach 25 Jahren im Geschäft haben die Ruhrpottler zuletzt eine Popularität erreicht, die sie selbst nie für möglich hielten. Am Freitag kommen die wohl letzten Top-Ten-Assi-Punker ins Haus Auensee. Wir sprachen vorab mit Betontod-Gitarrist und Haupttexter Frank „Eule“ Vohwinkel (40).

Eindeutige Botschaften: Die Punkrocker Betontod beziehen in diesen Zeiten klar Stellung (ganz rechts: Gitarrist Frank Vohwinkel)

Quelle: Boris Breuer

Leipzig. Betontod-Gitarrist und Haupttexter Frank „Eule“ Vohwinkel (40) im LVZ-Interview.

Ihr habt einen Major-Vertrag, macht Exklusiv-Verträge mit dem Boulevard, verkauft jede Menge Platten – mal ganz ehrlich: Wie fühlt man sich als altgedienter Punkrocker bei soviel Popularität?

Naja, ich würde uns eher als Antirockstars sehen – Punk ist eine Lebenseinstellung, daran ändern auch sensationelle Chartsplatzierung und unser Erfolg nichts. Aber es stimmt schon: Wir sind alle Musiker, und da tut es natürlich gut, wenn deine Arbeit nicht nur von einer Hand voll Leuten honoriert wird. Und im Endeffekt: Es spricht ja nichts dagegen, dass man auch als Punkrocker die eine oder andere Platte verkaufen darf. Ich kann ja nicht damit aufhören, Musik zu machen, nur weil ich ein paar Euro damit verdiene.

Seit kurzem, nach gut zwei Jahrzehnten, könnt ihr also von der Musik leben?

Theoretisch ja – praktisch machen das nur zwei von uns, die anderen drei haben eine reguläre Arbeit, als Dachdecker und im IT-Bereich. Es gibt eben ein Leben außerhalb der Musik. Doch das ist ja noch nicht alles. Zum Erfolg gehört für uns auch, dass wir von dem Geld nicht in Saus und Braus leben, sondern einen dicken Batzen in die Förderung junger Bands stecken. Genauso, wie wir nach den Konzerten mit den Fans das eine oder andere Bier trinken. Ich habe ein reines Gewissen, zumindest was das Geld angeht.

Wie viel Gewissen ist in eurem aktuellen Album „Traum von Freiheit“ enthalten, das wie eine Rückbesinnung auf eure alten Punksongs klingt – sowohl thematisch als auch musikalisch?

Über die Jahre, etwa ab „Schwarzes Blut“ (2006), hatten wir begonnen, uns von unseren Wurzeln zu entfernen. Es ist nicht so, dass wir das bewusst gemacht hätten, wir sind einfach professioneller geworden, was sich letztlich im Stil niedergeschlagen hat. Vor dem neuen Album haben wir gesagt: Es ist Zeit für ein klares Zeichen – und das sowohl thematisch als auch musikalisch. Zum einen sind wir also wieder deutlich politischer, zum Beispiel mit dem „Wasserwerfer“-Song, und zum anderen haben wir einiges an Struktur aus den Songs genommen, klingen eher wie früher, nur angereichert mit den zwischenzeitlichen Erfahrungen.

Das hört sich an, als seid ihr es leid, auf Mitgröl-Songs reduziert zu werden.

So würde ich es nicht sagen, denn auch diese Songs gehören zu uns. Aber es stimmt schon, dass wir politische Menschen sind, die links von der Mitte stehen, und Stellung beziehen wollen. Die Message lautet: Es kommt darauf an, auf der richtigen Seite zu stehen – und dazu zählt eben nicht, Pegida oder Legida hinterher zu marschieren. Wir sind alles selbstbestimmte Menschen, die Verantwortung haben und übernehmen, deshalb sollte sich jeder selbst hinterfragen.

Du sprichst die Demonstrationen an – wenn ihr aus dem Ruhrpott auf Sachsen schaut, wo treibt es dich dann hin?

Es herrscht bei uns, im sogenannten Westen, ein riesengroßes Unverständnis für das, was da gerade bei euch passiert. Klar ist: Man sollte Pegida, Legida und so weiter nicht einfach hinnehmen. Was mich erschreckt, ist, welcher Stuss da erzählt wird. Erschreckend ist auch, dass das in Gegenden der Fall ist, in den kaum Ausländer leben. Wir stammen aus dem Ruhrpott und leben nicht weit von Duisburg entfernt – wer in Sachsen irgendein Problem mit dem Islam oder Moslems hat, kann gern mal bei uns vorbeikommen und sich anschauen, wie das Zusammenleben klappen kann.

Das klingt ziemlich wütend.

Ich kann solche Typen, die den Islamisierungsstuss nachplappern, einfach nicht verstehen. Selbst auf unserer Facebookseite sind Kommentare von angeblichen Fans, wo du nur noch mit dem Kopf schütteln kannst – da werden Meinungen gepostet, die überhaupt nicht zu Betontod passen, von denen wir uns klar distanzieren. Da sieht man aber mal wieder: Diese Leute denken überhaupt nicht nach. Auch deshalb mussten wir jetzt texten „Kein Mensch mit Verstand ist stolz auf irgend ein Land“. Das ist der kleinste Nenner, und wer den nicht akzeptieren kann und will, braucht nicht zu uns zu kommen.

Betontod, Vorprogramm: Swiss, Freitag, 20 Uhr, Haus Auensee (Gustav-Esche-Straße 4), Vorverkauf 25 Euro

Von Andreas Debski

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