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Dieter Manns „Schöne Vorstellung“ zum 75.

Autobiographie Dieter Manns „Schöne Vorstellung“ zum 75.

Markant und vertraut sind Gesicht und Stimme des Schauspielers Dieter Mann. Viele Jahre hat er am Deutschen Theater in Berlin gespielt und das Haus als Intendant geführt . Auch in Kino und Fernsehen verleiht er seinen Figuren unverwechselbaren Ausdruck. Zum 75. Geburtstag ist eine unterhaltsame Autobiographie erschienen.

Der Schauspieler Dieter Mann als Vorleser im Leipziger Haus des Buches.

Quelle: Foto: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen: Dieter Mann als Edgar Wibeau in „Die neuen Leiden des jungen W.“, mit Jutta Wachowiak auf der Bühne des Deutschen Theaters (DT), 1972 war das, in Berlin. Eine andere Fotografie zeigt Dieter Mann zwischen den Laken mit Ute Lubosch im Defa-Film „Glück im Hinterhaus“ (1980). Dann: 1993 mit Wachowiak, Kurt Böwe und Klaus Piontek im „Biberpelz“, wieder am DT. Dies sind nicht einfach alte Fotos, es ist das Familienalbum einer Generation. Die noch leben, erinnern sich mal so, mal so. Wenn es aber um Dieter Mann geht, besteht wohl Einigkeit im Urteil über den Schauspieler, Sprechkünstler, Intendanten des DT, der er von 1984 bis 1991 war. Er verkörpert Können und Würde. Am 20. Juni feiert Dieter Mann seinen 75. Geburtstag.

Die Fotografien sind Teil der Autobiographie „Schöne Vorstellung“, entstanden im Gespräch mit dem Journalisten Hans-Dieter Schütt. „Allem Theater liegt eine schöne Vorstellung zugrunde“, schreibt Mann in seiner Einleitung. Und mit schön meint er: „Alles, was uns freudig und friedlich macht, aber auch frech und fragend. Dafür frei zu werden in Gedanken und Gemüt, das ist überhaupt der Grund, Theater zu spielen und ins Theater zu gehen. Frei zu werden für ein paar Momente oder gar Stunden. Nein: für länger!“

Dabei war die Wirkung des Theaters in den DDR-Jahren verhinderter Öffentlichkeit gewiss eine andere als heute, da verstärkt „nur jene eine Theaterkarten kaufen, die auch sonst ganz gute Karten im Leben haben“. Vielleicht werde das dann anders, wenn der Druck auch scheinbar sichere Schichten erfasst.

Nicht Entertainer, nicht Richter

Es geht in diesem Buch natürlich viel, jedoch nicht nur um die Bühne. Das Autobiographische beherbergt den Blick auf die Welt. „Ich bin in einem Alter, in dem die Grenzen zwischen Toleranz und Gleichgültigkeit fließend werden“, räumt Dieter Mann ein und betont, dies weder harsch zu sagen noch zynisch. Er könne sich in Interviews kaum herausnehmen aus der politischen, sozialen Realität – „und da fallen mir positive Reflexe zunehmend schwer“. In Reaktion auf die Realität zu wirken – das sieht er nicht als Aufgabe des Theaters. „Wir Theatermenschen sind nicht die Entertainer der Konsumgesellschaft, aber auch nicht die moralischen Richter des Gemeinwesens. Wir sind nicht die Zweifelzerstreuer vom Dienst, und noch weniger sind wir die Retter der Verzweifelten (da wir selbst nicht zu retten sind). Nein, wir bleiben blinde Wanderer auf den steinigen Feldern der Sehnsüchte – aber manchmal ertasten wir etwas, was sich nach Glanz anfühlt.“

Geboren wird Dieter Mann am 20. Juni 1941 in Berlin-Tiergarten. Nach einer Lehre als Dreher arbeitet er bis 1957 im VEB Kühlaggregat Berlin und besucht die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät. Von 1962 bis ’64 studiert er an der staatlichen Schauspielschule in Berlin-Schöneweide, es folgt das erste Engagement am Deutschen Theater, dessen Ensemblemitglied er bis 2006 bleibt. Vor wenigen Wochen hat Dieter Mann seine Parkinsonerkrankung öffentlich gemacht.

Er war zunächst in vielen Inszenierungen Friedo Solters zu sehen, der ihm auf den Weg gab: „Nie eine neue Arbeit beginnen, als habe man bereits Erfolg gehabt.“ Er hat mit Regisseuren wie Adolf Dresen, Thomas Langhoff, Alexander Lang, Johanna Schall und Frank Castorf gearbeitet. Castorf gelang unter Manns Intendanz der überregionale Durchbruch, Heiner Müller inszenierte bei ihm „Lohndrücker“ und „Hamlet/Hamletmaschine“. Zuletzt stand Mann am Staatsschauspiel Dresden als König Lear und als Graf von Moor in den „Räubern“ auf der Bühne sowie 2015 am Theater Basel in Ibsens „Die Wildente“.

Dieter Mann

Dieter Mann: Schöne Vorstellung. Eine Autobiographie in Gesprächen mit Hans-Dieter Schütt. Aufbau-Verlag; 332 Seiten, 19,95 Euro

Quelle: Aufbau Verlag

Vielgestaltig ist die Liste seiner Filmrollen: Er war in „Ich war neunzehn“ zu sehen (1967, Regie: Konrad Wolf), in „Leben mit Uwe“ (1973, Lothar Warneke), „Das Versteck“ (1978, Frank Beyer), „Levins Mühle“ (1979/80, Horst Seemann), „Pause für Wanzka“ (1989/90, Vera Loebner) oder „Der Untergang“ (2003/2005, Oliver Hirschbiegel); in Dokumentarfilmen von Winfried Junge und mit Episodenrollen beim „Polizeiruf 110“, „Tatort“ oder in „Der letzte Zeuge“. Hinzu kommen etliche Hörspiele und Hörbücher. So markant seine Stimme und sein Auftreten, so zurückgenommen wirken bei ihm Sprechkunst und Spiel.

In „Schöne Vorstellung“ spricht Dieter Mann nachdenklich über seine Kindheit, über Gefühle oder die Umstände, auch den Zauber seiner Arbeit als Intendant und als Schauspieler, und unterhaltsam erzählt er von Kollegen, von den Anständigen und den anderen, von seinem Verhältnis zu den Verhältnissen und zum Erfolg, seinem „Misstrauen gegenüber unglaublich idyllischen Situationen“, von Erwartungen und Enttäuschungen.

Es ist ein Buch über Zeiten, Beruf und Kunst, vor allem aber über Menschen, Menschen, Menschen. Wer ihm gern zuschaut auf Bühne oder Leinwand, der wird ihm gern zuhören in diesem, seinem Lebensbuch. Und kann sich plötzlich vieles sehr gut vorstellen.

Dieter Mann: Schöne Vorstellung. Eine Autobiographie in Gesprächen mit Hans-Dieter Schütt. Aufbau-Verlag; 332 Seiten, 19,95 Euro

Von Janina Fleischer

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