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Dieter Thomas Kuhn singt im Namen der Liebe

Parkbühne Leipzig Dieter Thomas Kuhn singt im Namen der Liebe

Dieter Thomas Kuhn gehört zum sommerlichen Konzert auf der ausverkauften Parkbühne Leipzig wie Schmalz zum Schlager. Und genau den feiert er jedes Jahr aufs Neue, mit wechselndem Motto und denselben Liedern. Auch diesmal, am Samstag, bot er großes Kino.

Heizen den Fans an der ausverkauften Parkbühne mit Schlagern ein: Dieter Thomas Kuhn und seine Band, diesmal im Auftrag der Liebe unterwegs

Quelle: Kempner

Leipzig. E

2016 geht mit spontan nichts mehr. Seit Wochen ist das Leipziger Konzert des Barden ausverkauft, mit nur einer Sonnenblume in der Hand ist man underdressed. Fans kommen in Kostümen, Perücken, 70-er Jahre Accessoires und aus Prinzip bestens gelaunt. Wer derlei nicht aufweisen kann, outet sich als blutiger Anfänger.

Ja, dieser Kuhn – Markenname „Singende Föhnwelle“ – ist Kult. Dabei macht er seit über 20 Jahren nichts anderes, als alte Schlager zu singen. In der Regel flotter, peppiger und schriller als die Originale, für manche deshalb auch besser. Um das Jahr 2000 herum hatte er die Schnauze voll, versuchte, sich musikalisch zu verwirklichen und war in Richtung Jazz unterwegs. Das floppte, wie all seine Projekte abseits des Schlagerparketts. Also bekommt das Publikum seit Kuhns reumütiger Rückkehr auf die Schlagerbühne 2004, was es will.

„Im Auftrag der Liebe“ heißt die aktuelle Tournee. Der Name ist freilich gleichgültig, weil jedes Jahr bis auf zwei, drei Änderungen die selben Songs zum Vortrage kommen. Das muss so sein. Also jagt auch am Samstag nach dem gewohnten Opening „Musik ist Trumpf“ mit „Sag mir Quando“, „Dschinghis Khan“, Griechischer Wein“ und „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ ein Klassiker den anderen. Die Band gibt alles, die Jungs beherrschen ihr Handwerk, sie turnen, hüpfen, schauspielern und sind sich für keinen Gag zu schade. Die Hits zünden zuverlässig. Die Fans singen inbrünstig mit (zumindest beim Refrain textsicher) und schunkeln glücksselig, etwa beim Peter-Alexander-Evergreen „Die kleine Kneipe“. Es ist das Happening der heute 40- bis 60-Jährigen (ja, ja, es waren auch jüngere dabei), die sich zwei Stunden lang in die eigene Jugend zurückbeamen. Und es genießen, sich bei der Singenden Föhnwelle kulturell mal hemmungslos besaufen zu können. Jeder weiß ja, was auf der Bühne kommt, jeder freut sich auf den nächsten Song, Der kommt zielsicher: „Über den Wolken“, „Tanza Samba mit mir“, „Lieb mich ein letztes Mal“ und so weiter. Auch wenn es schon Konzerte mit mehr Publikumseuphorie gegeben haben mag – die Stimmung ist bestens und ausgelassen.

Weil das Programm verlässlich ist, weiß jeder, dass nach „Fremde oder Freunde“ die zwei Zugabenblöcke kommen. Im ersten erhöht Kuhn mit „Anita“ und „Ti Amo“ die Betriebstemperatur, um dann am in Nebel gehüllten Flügel mit „Für Dich“ eine Ballade zu singen. Da ahnt man, dass der Kerl im Schlager-Business vielleicht doch unterfordert ist. Im Finale schließlich (der nackte Oberkörper in einen Mantel aus weißen Federn gehüllt) „Tränen lügen nicht“ mit tausenden Backroundsängern.

Aber was ist nun mit der Liebe, in dessen Auftrag Dieter Thomas Kuhn in Leipzig unterwegs ist? Zu Beginn der Show hat er seiner Gemeinde „die erotischste Nacht des Jahres“ versprochen. In den – auch wie gewohnt – witzigen Übergängen ist das Thema der rote Faden. Kuhn erzählt von seinen Fantasien („Wäre es nicht schön, wenn wir alle zusammen nackt baden“) und schwadroniert darüber, dass ihn nach dem Konzert ein kaltes Hotelbett erwartet. Der vom Konfettiregen begleitete Schlusssatz „Ich liebe euch alle“ wird zwar inngist bejubelt. Ob tatsächlich allen die erotischste Nacht des Jahres vergönnt ist, lässt sich nicht recherchieren.

Von Uwe Köster

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