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Digitaler Bombast: Brockdorff Klang Labor trumpfen live und virtuell auf

Digitaler Bombast: Brockdorff Klang Labor trumpfen live und virtuell auf

Reichlich lädiert stehen sie am Freitagabend auf der kleinen Bühne im Keller des Neuen Schauspiels. Behauptet zumindest Nadja von Brockdorff. Ekki Labor hat was mit dem Magen, Sergej Klang juckt die Nase.

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Tourabschluss und vorerst letztes Konzert einer zurzeit bundesweit vielbeachteten Leipziger Band: Sergej Klang und Nadja von Brockdorff im Neuen Schauspiel.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Und sie selbst? "Ich bin nicht krank, ich bin nur schwanger", verkündet die Sängerin und Gitarristin des Leipziger Elektropop-Trios. Was auch gar nicht zu übersehen ist.

Doch durch all dies lässt sich das Brockdorff Klang Labor nicht davon abhalten, einen rauschhaften, umjubelten Auftritt zu zelebrieren. Wahrscheinlich wissen oder ahnen viele Besucher, dass das erst mal das letzte BKL-Konzert für eine gewisse Zeit sein wird. Sie werde demnächst wohl nicht mehr in ihr Bühnenoutfit passen, schreibt Nadja auf der Facebook-Seite der Band.

Im Moment bereitet eher die Leinwand auf der Bühne gewisse Probleme. Die muss vor Beginn des Konzerts erst mal abgebaut und später wieder aufgestellt werden, um das mit Hilfe eines Laufbandes und vielen digitalen Tricks produzierte Video zur neuen Single "Sad-Eyed Punk" vorzustellen. Das ist wahrlich eine "Schönheit aus Strom und aus Bits" geworden, wie es im zum Auftakt gespielten Stück "Debord" heißt. Egal ob mit oder ohne 3-D-Brille betrachtet.

Die drei Bandmitglieder laufen in dem Clip durch eine zusammengestückelte Häuserlandschaft mit Erika-von-Brockdorff-Straßenschildern und Plakaten, die sich zwischendurch immer wieder in eine Tron-artige Computerwelt verwandelt. Virtuell ist besser, soll das wohl heißen. Die Refrain-Parolen "Gib deinen Job auf!" und "Verlass das Land!" werden dazu auf explodierenden Stummfilm-Tafeln eingeblendet, um schließlich mit einem Christa-Wolf-Zitat zu enden.

Dass die mobile Leinwand währenddessen manuell stabilisiert werden muss, ist ein wohltuender Kontrast zu dem zitatreichen Digitalbombast. Zudem beeilen sich die beiden Herren zu versichern, dass sie mit ihrer Performance in dem Video ganz und gar nicht zufrieden sind. Dabei gehören spackige Tanzschritte genauso wie die immer etwas überdrehten Ansagen von Sergej Klang nun mal zu einem richtigen BKL-Auftritt. Als sich Ekki Labor im Zugabeteil entschließt, doch das zuvor aufgrund stimmlicher Probleme verschobene Stück "Corto Maltese" anzugehen, brüstet sich sein Kollege sofort damit, dass die Musik der Band imstande sei, Kranke zu heilen. Für Klang ein weiteres Argument für den Kauf des Albums "Die Fälschung der Welt".

Für die politischen Botschaften ist eher Nadja zuständig. Das Stück "Festung Europa", mit dem die Band vor zwei Jahren den Protestlied-Wettbewerb der Musikzeitschrift Spex gewonnen hat, kommentiert sie damit, dass sich an den darin thematisierten Missständen bis heute nichts geändert hat. Sie weist auch auf die aktuellen Flüchtlingsproteste gegen die Residenzpflicht hin.

Sergej ist es zudem ein Anliegen klarzumachen, dass sich das Klanglabor ungern für übertriebenen Lokalpatriotismus vereinnahmen lassen mag. Schließlich habe man das durchaus schöne Leipzig nicht selbst mit aufgebaut. Und die von ihm getoastete Aufforderung, die Hände für Leipzig, diese "lovely city", zu heben, sei nur eine Anspielung auf den Song "Put Up Your Hands for Detroit". Wieder was gelernt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.04.2013

Frank Schubert

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