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Doppelte Johann-Strauß-Konzertgala

K&K Philharmoniker unter Kendlinger im Gewandhaus Doppelte Johann-Strauß-Konzertgala

Mehrfach im Jahr sind Matthias Georg Kendlinger und seine K&K Philharmoniker im Gewandhaus zu Gast. Am Donnerstag gleich zweimal mit ihrer Johann-Strauß-Konzertgala.

Matthias Georg Kendlinger dirigiert im Gewandhaus seine K&K Philharmoniker.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. 2002 gründete Matthias Georg Kendlinger die K&K Philharmoniker, ein rein privat finanziertes und organisiertes Orchester. Jahr für Jahr gibt es seither weit über 100 Konzerte und ist mehrfach im Gewandhaus zu Gast, gestern am Nachmittag und am Abend standen mit der doppelten Johann-Strauß-Konzert-Gala bereits die Konzerte 56 und 57 im hohen Haus an, das erste sehr gut besucht, das zweite ausverkauft. Bei Preisen, die die der Großen Concerte des Gewandhausorchesters deutlich übersteigen. Und das, obwohl Orchestergründer Kendlinger ganz offen damit hausieren geht, als Dirigent erstens ein Spätberufener zu sein (er debütierte erst 2014, als 40-jähriger) und zweitens Autodidakt. Da stellt sich bohrend die Frage nach dem Geheimnis hinter diesem erstaunlichen Erfolgsmodell.

Die Antwort ist so verblüffend wie einfach: Was Kendlinger und sein Orchester da anbieten, ist von bemerkenswerter Qualität. Und es ist in dieser Qualität über die Jahre so verlässlich, dass der (übrigens ziemlich professionell schlagende) Autodidakt sich mittlerweile sogar trauen kann, die ausgetretenen Strauß-Pfade bei der Gestaltung seiner Programme zu verlassen.

In der aktuellen Johann-Strauß-Konzert-Gala beispielsweise überwiegen die Exoten. Vom Sohn stehen etwa der laszive Walzer „Märchen aus dem Orient“, das frische Pendant „An der Elbe“, das sinnlich funkelnde „Wo die Zitronen blüh’n“ oder seine Ouvertüre zur völlig in der Versenkung verschwundenen Operette „Blindekuh“ sowie die zum „Prinz Methusalem“ auf dem Spielplan. Ja, Kendlinger hat sogar über Monate die Archive in Österreich und Deutschland durchforsten lassen, um an die Noten des wunderbaren Konzertwalzers „Unter den Linden“ aus der Feder des 1939 in Berlin gestorbenen Johann Strauß III. zu kommen. Selbst die Hits des Abends, die Polkas „mit Extrapost“ von Eduard Strauß oder „Tik-Tak“ von Vater Johann oder die „Sphärenklänge“ von Josef sind geeignet zu beweisen, dass es im überreichen Schaffen dieser Familie auch abseits der Schönen blauen Donau und des Radetzky-Marsches noch viel Herrliches zu entdecken gibt.

Dazu muss man diese Musik freilich ernstnehmen. Darf sich nicht allein verlassen auf den natürlich unwiderstehlichen Sog des Dreivierteltaktes, auf die unerschöpfliche melodische Erfindungsgabe all der Sträuße, ihre staunenswerte Sicherheit in der Kalkulation von Wirkung. Diese Musik lebt auch aus der Souveränität ihrer Instrumentation, der gekonnten Architektur, dem Zauber der Mittel- und Nebenstimmen. Und alldem bleiben Kendlinger und sein K&K Orchester nichts schuldig.

Der Dirigent setzt nicht auf Überrumpelung, sondern arbeitet die Partituren mit viel Liebe zum Detail durch. Seine rund fünf Dutzend Musikerinnen und Musiker wiederum lassen nichts anbrennen, spielen makellos präzise, tadellos filigran und dezent sinnlich. Der Orchesterklang hat kein Gramm Fett auf den Hüften und klingt dennoch nicht ausgehungert. Die Streicher schmelzen seidig um die Wette. Sanft charmiert das Holz. Markant grundiert das Blech, und von allen Ecken und Enden tönen schöne Solos. Kurzum: Dieses Orchester ist so gut, dass es der Pausenclown-Mätzchen des Paukers nicht bedürfte und auch nicht der doch sehr staubigen Choreographien, die Viktor Litvinov mit dem hauseigenen K&K Ballett beisteuert.

Aber beides stört auch nicht weiter, sondern fügt sich ein in zwei schöne nostalgische Stunde, mit Musik aus einer Zeit, von der man sich vielleicht einmal einbilden konnte, sie sei eine bessere, die gute alte gar gewesen. Das Publikum jedenfalls ist zufrieden bis beseelt, spendet ausführlich Beifall, und nicht wenige werden wohl auch beim nächsten Mal wieder dabei sein, wenn Kendlinger und die seinen wieder ins Gewandhaus bitten: Am 12. April stehen „Die schönsten Opernchöre“ auf dem Programm.

Von PETER KORFMACHER

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