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Doris Dörrie hält Poetikvorlesung

Leipzig Doris Dörrie hält Poetikvorlesung

Zum zehnten Mal findet die „Leipziger Poetikvorlesung“ statt – ab jetzt aber mit neuem Untertitel, um Grenzen aufzuweichen. Am Reformationstag spricht Filmemacherin Doris Dörrie über „Künstlerische Positionen der Gegenwart“.

Doris Dörrie als Schriftstellerin: Bei einer Lesung aus ihrem Buch „Diebe und Vampire“ im Deutschen Theater in Göttingen.

Quelle: dpa

Leipzig. Ja, sie ist auch Autorin. Hat Erzählungen, Romane und Kinderbücher geschrieben. Nach Leipzig aber kommt Dorie Dörrie als Filmemacherin – um die traditionelle Poetikvorlesung zu halten. Klingt komisch, ist aber konsequent. Ab dieser, der zehnten Ausgabe soll einiges anders werden.

Zur Erinnerung: Für die erste Veranstaltung 2007 hatten das Deutsche Literaturinstitut Leipzig (DLL) und das Kulturamt der Stadt den Schriftsteller und Publikumsliebling Ingo Schulze eingeladen, über – so der Untertitel – „Schreibweisen der Gegenwart“ zu sprechen. Es folgten Uwe Tellkamp, der im gleichen Jahr den Deutschen Buchpreis gewann, und Herta Müller, die als frisch gekürte Literaturnobelpreisträgerin kam.

Herta Müller 2009 im Gespräch mit Michael Lentz

Herta Müller 2009 im Gespräch mit Michael Lentz.

Quelle: André Kempner

Dann reiste der Übersetzer und Vortragskünstler Harry Rowohlt mit Anekdoten, Gesang und Abschweifungen an. Brigitte Kronauer sprach von einem „Panzer etablierter, abgedroschener Zusammenhänge, Bilder, Symbole, Vereinbarungen“, den es „zu sprengen gilt, um die Welt auf der Ebene der Sprache zu verändern“. Herbert Grönemeyer verriet, wie die Texte in seine Songs finden, Hartmut Lange wollte eigentlich sofort nach Leipzig ziehen, Dea Loher schwärmte vom argentinischen Kollegen César Aira und fragte: „Warum muss Literatur plausibel sein?“ Und schließlich analysierte der Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer vor einem Jahr auch Gegenwartsliteratur, die von der bloßen „Existenz und nicht der Essenz“ handele, die „Imitation zugunsten der Fantasie“ präferiere und damit schlichtweg „keine bedeutende Literatur“ sei.

Herbert Grönemeyer 2012 im Festsaal des Alten Rathauses

Herbert Grönemeyer 2012 im Festsaal des Alten Rathauses.

Quelle: Wolfgang Zeyen

So originell und streitbar, so überraschend waren die Poetikvorlesungen. Dennoch haben DLL und Kulturamt die Reihe in ihrem zehnten Durchgang „konzeptionell und inhaltlich erneuert“. Statt um „Schreibweisen“ geht es nun um „Künstlerische Positionen der Gegenwart“. Es werden zunehmend Künstler zu Wort kommen, die „auch außerhalb eines dezidiert literarischen Spektrums tätig sind“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. So kommt es, dass Doris Dörrie eben nicht als Autorin ans Pult tritt, sondern als „eine der bedeutendsten deutschen Filmemacherinnen“ Einblick in ihre Arbeitsweise gibt.

Harry Rowohlt (1945–2015) hielt  2010 die Poetikvorlesung

Harry Rowohlt (1945–2015) hielt 2010 die Poetikvorlesung.

Quelle: Andreas Döring

„Doris Dörrie steht für eine einzigartige Verbindung von filmischer, literarischer und engagiert-dokumentarischer Kunst“, begründet DLL-Direktor Michael Lentz die Wahl. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke „mag ihre Art, Geschichten zu erzählen, sehr“ und ist „vor allem neugierig darauf, wie sie ihre spannenden Geschichten findet und erfindet, die sich ja oft mit Sinnkrisen auseinandersetzen – mit den Fragen, wie viel Freiheit der Mensch verträgt oder weswegen wir uns manchmal so leer fühlen, obwohl wir vergleichsweise luxuriös leben“.

Die Leipziger Poetikvorlesung hat sich nicht neu erfunden, was sowieso nicht nötig ist, sondern den Rahmen, der nie besonders eng war, auch im Titel weiter gesteckt.

Auch die 10. Ausgabe findet am 31. Oktober statt, wie immer um 18 Uhr im Festsaal des Alten Rathauses (Markt 1). Zusätzlich wird Doris Dörrie am 1. November um 20 Uhr im DLL (Wächterstraße 34) aus ihren Büchern lesen und Filmausschnitte zeigen. Die Teilnahme ist hier wie da kostenlos.

Zur Person

Doris Dörrie (geboren 1955 in Hannover) ist eine deutsche Regisseurin, Drehbuchautorin und Filmproduzentin. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich u.a. mit der individuellen Glückssuche, der asiatischen Kultur und dem Genre Komödie. Sie drehte zahlreiche Kinofilme, u.a. „Männer“ (1985), „Keiner liebt mich“ (1995), „Kirschblüten – Hanami“ (2008), „Grüße aus Fukushima“ (2016), und wurde für ihr filmisches Schaffen vielfach ausgezeichnet.

Daneben ist sie erfolgreiche Autorin von Romanen, Erzählbänden und Kinderbüchern. 1997 wurde Doris Dörrie als Professorin für Angewandte Dramaturgie und Stoffentwicklung an die Hochschule für Fernsehen und Film München berufen.

Von Janina Fleischer

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