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Drei Geschichten des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers J. M. Coetzee

Literatur Drei Geschichten des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers J. M. Coetzee

Sie sind nicht leicht zu fassen: die drei unter dem Titel „Ein Haus in Spanien“ erschienenen Geschichten des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers J.M. Coetzee. Doch sie übertragen einen Zauber und auch eine Botschaft, die man gut und gern glauben will. Übersetzt hat das Buch wieder die Leipziger Anglistin Reinhild Böhnke.

Der Südafrikanische Schriftsteller J. M. Coetzee (77) erhielt 2003 den Literaturnobelpreis. Seine Vorlesung damals ist eine der Geschichten in „Ein Haus in Spanien“.

Quelle: dpa

Leipzig. Er ist ein seltsamer Mensch, und er denkt über Sprache nach. Wie man sich in ein Haus verlieben könne, denkt er. Und denkt sich hinein in das Haus seiner Wahl in einem Dorf Kataloniens, denn „Fragen von Liebe und Eigentum beschäftigen ihn stark“. Er ist ein Mann in den 50ern, 8000 Kilometer entfernt von dem, was man Zuhause nennt, ob es nun mit einem Haus zu tun hat oder nicht. Meistens hat es. Und dieser Mann in John Maxwell Coetzees Geschichte „Ein Haus in Spanien“ möchte sich an Menschen erinnern, die er nie gekannt hat, weil auch er nicht vergessen werden will – von dem Haus, das sie alle kennt: die Menschen und die Geschichten.

Als der südafrikanische Schriftsteller J.M. Coetzee (der seit 2002 in Australien lebt) im Jahr 2003 den Literaturnobelpreis zugesprochen bekam, begründete die Jury dies unter anderem damit, dass er „in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums darstellt“. Dies galt vor allem seinen Romanen, deren bekanntester wohl „Schande“ ist, aus dem Jahr 1999 stammt und 2008 von Steve Jacobs mit John Malkovich und Jessica Haines in den Hauptrollen verfilmt wurde. Zuletzt ist „Die Kindheit Jesu“ auf Deutsch erschienen, übersetzt von der Leipziger Anglistin und Germanistin Reinhild Böhnke, seit vielen Jahren Coetzees vertraute Übersetzerin.

Unter den nun vorliegenden drei Erzählungen, zusammengefasst unter dem Titel „Ein Haus in Spanien“, findet sich auch der 2003 als Nobelpreisrede geschriebene Text „Er und sein Mann“. Eine rätselhaft bleibende Geschichte, in der es um Schiffbruch geht, das Schreiben, Spurensuche, Sprache, das eigene Ich im anderen beziehungsweise andersherum, und eigentlich sind es drei Personen: Daniel Defoe, Robinson Crusoe, J.M. Coetzee.

„Als was sollen sie auftreten, dieser Mann und er?“, fragt er. „Als Herr und Sklave? Als Brüder, Zwillingsbrüder? Als Waffenbrüder? Oder als Feinde, Widersacher? Wenn er sich für ein Bild entscheiden muss, dann würde er schreiben, sie seien wie zwei Schiffe, die in entgegengesetzten Richtungen segeln, das eine nach Westen, das andere nach Osten. Oder besser, dass sie Hilfsmatrosen sind, die in der Takelage arbeiten. Ihre Schiffe fahren dicht aneinander vorbei, in Rufweite.“ Es scheint dem Mann, als „gebe es nur eine Handvoll Geschichten auf der Welt; und wenn es den Jungen verboten sein soll, die Alten auszubeuten, dann müssten sie für immer schweigen.“

Die mittlere der hier versammelten Erzählungen aus den Jahren 2000 bis 2003 umkreist eine Begegnung mit dem Verlust. „Nietverloren“ heißt sie – wie eine südafrikanische Karoo-Farm alten Stils, 15 Kilometer von Richmond entfernt, die in der Wüste um Besucher einer Tour wirbt, auf der vieles „ganz wie früher“ ist, als es noch Feenkreise gab im Weizenfeld: Schafscheren, Bad mit Badeofen, Farmküche. „Das einzige, was sich hier zu ernten lohnt, sind Menschen. Die Touristenernte.“ Im Erlebnispark des alten Lebens verspielt das neue Leben die Zukunft. „Ein leichtes Bedauern hängt über dem ganzen Land, wie eine Wolke, wie Nebel.“ Den formt Coetzee zu Wörtern und Wörter zu Geschichten, die kaum zu fassen sind, doch gut und gern zu glauben.

J. M. Coetzee: Ein Haus in Spanien. Drei Geschichten. Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke. Verlag S. Fischer; 64 Seiten, 12 Euro

 

Von Janina Fleischer

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