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Dreifacher "Liebestraum": Ballett-Premiere mit Choreographien von Mario und Silvana Schröder

Dreifacher "Liebestraum": Ballett-Premiere mit Choreographien von Mario und Silvana Schröder

Mit Jubel bedachte das Publikum in der anständig besuchten Oper Leipzig am Wochenende die Premiere von "Ein Liebestraum", drei Choreographien auf Musik von Wagner, Mahler und Lindbergh von Leipzigs Ballettchef Mario Schröder und seiner Schwester Silvana, in gleicher Position beim Thüringen-Ballett in Altenburg Gera.

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Szene aus dem Liebestraum

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Am Pult des Gewandhausorchesters: Intendant-Generalmusikdirektor Ulf Schirmer.

"Liebesträume": Das sind drei Lieder von Franz Liszt, deren eines als Klavierbearbeitung zu monströser Popularität gelangte. Doch weil die Liebe als Vision, Traum, Chiffre, Chimäre das gesamte Schaffen seines Schwiegersohns Richard Wagner durchzieht, mag dieser Titel auch für den ersten offiziellen Beitrag des Leipziger Balletts zum Wagner-Jahr durchgehen. Allerdings, und das ist schon eher ein Problem: Es ist kein geschlossener Ballettabend.

Wie Liszt drei Liebesträume schrieb, zerfällt dieser in drei Teile: Silvana Schröders 2000er Choreographie von Wagners Wesendonck-Liedern, mit denen er seiner Angebeteten Mathilde zum Geburtstagsständchen ein Stück Unsterblichkeit schenkte, und Mario Schröders ebenfalls nicht wirklich neue "Lieder eines fahrenden Gesellen" nach Mahler, der Wagner immerhin nach Kräften verehrte, schließlich Mario Schröders Tristan-Essenz: Vorspiel und Liebestod, verbunden durch Magnus Lindbergs geschwätzig scheinmoderner "Corrente II", worin der Abend seine stärksten Momente entwickelt.

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Die nächste Aufführung ist am 21.4..

Quelle: Volkmar Heinz

In Zivil schreiten Menschen da über die schmucklose Bühne, finden sich zu Paaren. Erleben Anziehung und Abstoßung. Durchleiden Streit und Entfremdung, Zurückweisung und Verletztheit, genießen, immer auf Zeit, vollkommenes Beieinandersein. Spüren dabei die Vergeblichkeit der Suche nach jener Unendlichkeit, in der Liebe erst sein kann, schreiten dabei immer näher aufs Publikum zu. Das entwickelt in der unprätentiösen Kraft, mit der Mario Schröder auf der Bühne Charaktere und Seelen zeigt, poetischen Zauber und mündet im instrumentalen Liebestod in jene Bedeutsamkeit, die Tanztheater über die Beliebigkeit des Dekorativen erhebt.

Die allerdings, das zeigt sich vor der Pause in den "Liedern eines fahrenden Gesellen" überdeutlich, gleich von zwei Seiten Probleme bekommt: Von der handwerklichen, wenn offenkundig auf Synchronizität setzende Tableaus durcheinander holpern; von der ästhetischen, wenn Menschen zu Mustern werden und mit ihrer Individualität auch die Seele abzugeben haben. Da tritt das Gegenteil dessen ein, was "Liebestraum" zu nennen wäre.

Ganz anders bei Silvana Schröders gereifter Wesendonck-Miniatur, dieser Musik gewordenen Mixtur aus Verrat und Liebe, Ehebruch und Entsagung: Fang Yi Liu und Oliver Preiß durchleben da in einer knappen halben Stunde alle Stadien der Anziehung und Entfremdung, der Hingabe und der Skrupel, der Liebe und der Vernunft. In dieses poetische Vexierbild der Vergeblichkeit tritt in Gestalt von Kathrin Görings Mezzo die Musik als dritte handelnde Gestalt. Barfuß, im weißen Gewand, hat sie sich die ästhetische Unschuld bewahrt. Das ist zwar gerade im Zusammenhang mit Wagners Partituren ganz grundsätzlich zu hinterfragen, aber ein wunderbar lyrisches Bild. Überzeugender jedenfalls als Mario Schröders Massenbilder, die dem Individuum die Individualität verweigern.

Wobei auch die "Lieder eines fahrenden Gesellen" für grandiose Effekte gut sind: Wie sich Fang Yi Liu als "Ein Gedanke" aus dem perspektivisch verzerrten Sofa schält, ihren Abdruck im Polster wie auf der Netzhaut des Betrachters hinterlassend, das entwickelt unentrinnbare Bildgewalt.

Auch, weil es so unmittelbar zusammenwirkt mit dem grandiosen Bariton des Leipziger Ensemble-Mitglieds Jonathan Michie, der den grandiosen Liedern inhaltlich wie musikalisch nichts schuldig bleibt. Der, getragen von den satten Farben des Gewandhausorchesters unter Ulf Schirmer und um Konzertmeister Andreas Seidel, fortwährend die Frage aufwirft, wozu es eigentlich des Tanzes bedarf im Angesicht dieser Musik und dieser Texte.

Analog ließe sich gerade bei den noch ungleich sprechenderen musikalischeren Ausschnitten aus Wagners "Tristan" die Frage nach der Notwendigkeit von Vertanzung stellen - bliebe nicht gerade im Vorspiel allzu viel von der herrlichen Musik auf der Strecke. Gewiss: Klanglich gibt es wenige Orchester, die besser geeignet wären, Wagners "Handlung" in Tönen zum Leben zu erwecken. Die Farben, die Nuancen, die Linien, selten war ihnen sinnlicher nachzuspüren. Aber wenn von den vielen emblematischen Tristan-Akkorden keiner wirklich präzise übereinander klingt, ist das alles nichts. Dann wird das Gewandhausorchester seiner besonderen Verantwortung für Wagner nicht gerecht und seinem Ruf als Weltklasse-Orchester schon gar nicht.

Im Detail ist die Umsetzung von Schirmers präzise forderndem Schlag und seinen klaren musikalischen Ansagen allzu oft kaum anders als unbefriedigend zu umschreiben. So intensiv im Detail auch die Farben blühen mögen: Zu vieles klingt allzu unprofessionell aus den Reihen des Vorzeige-Orchesters der Wagner-Stadt Leipzig. Zumal die Oper ihre Hausaufgaben mittlerweile gemacht hat: Die Ensemble-Mitglieder Kathrin Göring und Jonathan Michie bleiben Wagner und Mahler nichts schuldig, Hausherr Ulf Schirmer auch nicht. Und das sollte doch zu denken geben - allem Jubel zum Trotz.

Vorstellungen: 21.4.; 5., 23., 5.; Karten und Infos unter Tel. 0341 1261261; www.oper-leipzig.de.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.04.2013

Peter Korfmacher

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