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Durchgestylte Show von Tokio Hotel in Leipzig

Konzert im Haus Auensee Durchgestylte Show von Tokio Hotel in Leipzig

Da sind sie also wieder: Tokio Hotel, die bekreischten Teenie-Stars des ersten Nuller-Jahrzehnts, melden sich mit dem Album „Dream Machine“ zurück und gehen auf Tour. Am Samstag wurden sie im Leipziger Haus Auensee gefeiert.

Traummaschinell zurecht gemacht: Bill Kaulitz (M.) und Kollegen.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Noch keine 30 und schon anderthalb Comebacks: Tokio Hotel sind so etwas wie das Brennglas der deutschen Musikindustrie. In enger Verzahnung ging ihr Traum vom Popstar-Ruhm quasi direkt in sein Idealbild und später in seine Karikatur über. Inzwischen bewegen sie sich bereits in einer Phase, die man Verarbeitung, wenn nicht Überwindung des Vorherigen nennen könnte. Nach knapp fünf Jahren Turboerfolg inklusive aller Klischees und Schattenseiten tauchten sie 2010 zunächst fast drei Jahre in ihrer Wahlheimat L.A. ab, zwischenzeitlich gewandelt und englischsprachig kurz wieder auf, machten sich erneut rar, um nun am Samstag in der Mitte ihrer neuen europaweiten Dream-Machine-Tour in die Geburtsstadt der Zwillinge Bill und Tom zurückzukehren: Konzert im Haus Auensee, unter den Augen von Mutti und Oma.

Sie sind wieder da: Am 1. April gab die Band Tokio Hotel ein Konzert im Leipziger Haus Auensee und wurde von den Fans groß gefeiert. Bilder einer durgestylten Show. Fotos: André Kempner

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Waren Tokio Hotel schon immer der existierende Spagat eines authentischen, aber durchgestylten Musikproduktes, so nimmt der internationale Sound ihrer letzten beiden Alben ihrem Stil die Individualität – zugunsten des Perfekten. Ihr deutschsprachiger Rock, der Emo war, bevor es den Begriff gab, ist Synthie-Pop gewichen, der zwar vollendet produziert daherkommt, aber rein musikalisch zwischen „den besten Hits der 80er, 90er und von heute“ kaum hervorsticht.

Auf der Bühne schlägt sich das in einer entsprechend durchgestylten, aber wenig persönlichen Show nieder. Selbst die älteren Songs werden inzwischen fast ausschließlich englischsprachig und im Sound angepasst präsentiert.

Ein paar Bill- und Tom-Lookalikes der verschiedenen stets exzentrischen, meist androgynen Outfitphasen finden sich im Publikum, darüber hinaus überwiegt mit der Band gealterte Weiblichkeit, was in diesem Fall jedoch immer noch im hibbeligen U30-Bereich bleibt.

Neon-Mischung aus Kraftwerk und Daft Punk

Gut anderthalb Stunden nach Einlass ist gegen 20 Uhr jeder im Saal auf Beginn gepolt und kreischt diesem tapfer entgegen, aber es soll noch eine Dreiviertelstunde dauern, bis es wirklich soweit ist. Und das ohne Vorband, die die Zeit überbrücken könnte. Endlich fällt der Vorhang, und auf einem aufwendig umleuchteten Podest verharren Tokio Hotel für zwei Songs zunächst maskiert in einer Art Neon-Mischung aus Kraftwerk und Daft Punk. Dazu schmettern sie ihre 80er-lastige Bombast-Melancholie des aktuellen Albums, das Publikum sekundiert durch nicht minder lautes Kreischen zu beinahe jeder Bewegung vor allem von den mittlerweile 27-jährigen Zwillingen Bill und Tom – eher im Hintergrund: Bassist Georg Listing und Drummer Gustav Schäfer. So großflächig plakatiert die Aufforderung, sein Smartphone bitte auszuschalten, nicht zu filmen und fotografieren, so intensiv wird sie ignoriert.

Ein Erdbeben wie 2007 in der Arena (ja, ihnen gebührte damals vor Kraftklub diese Premiere) wird es nicht mehr geben, aber auf der aktuellen Tour in „kleineren Hallen“ zu spielen bedeutet für Tokio Hotel immer noch Besucherzahlen zwischen 2000 und 8000, wobei das über 3500 Menschen fassende Haus Auensee alles andere als ausverkauft ist, der Balkon bleibt am Samstag ganz zu.

"Durch den Monsun" mit Publikum

Aber Publikum und Bühnenshow gaukeln sich gegenseitig Größe vor und bedienen so das ewige Glücks-verheißende Als-Ob des Pop. Dazu gehören literweise Rührungstränen, Transparente, Sanitätereinsätze wegen Ohmachtsanfällen und nach Konzertende das lustige Bild von fünf in ein von der Bühne geworfenes Handtuch verkrallten Damen, die damit gemeinsam dem Ausgang entgegen wanken, um dort weiter über die Lösung des Souvenir-Problems zu diskutieren.

Ein klares Zeichen, dass Tokio Hotel aber die Zeit der Teeniestars hinter sich gelassen hat, gibt es kurz davor doch. Gegen Ende tönt als einziger deutschsprachiger Song des Abends natürlich ihr Initial-Überhit „Durch den Monsun“. Nach Stimmbruch trifft Bill die höchsten Töne im Refrain allerdings nicht mehr und hält das Mikro einfach gekonnt Richtung Publikum.

Von Karsten Kriesel

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