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Echt ein Grund zum Feiern: Jugendclub des Leipziger Schauspiels mit neuem Stück

Premiere Echt ein Grund zum Feiern: Jugendclub des Leipziger Schauspiels mit neuem Stück

Es ist die inzwischen dritte Produktion des Theaterjugendclubs „Sorry, eh!“ des Leipziger Schauspiels, die am Mittwoch auf der Hinterbühne in der Bosestraße Premiere feierte. Wobei „feierte“ hier durchaus mal wörtlich zu nehmen ist – denn genau das tat das großteilig jugendliche Publikum dann tatsächlich mit Yves Hinrichs Inszenierung „Never Ever Disconnected“.

Langeweile kommt hier keine auf: Szene aus „Never Ever Disconnected“ auf der Hinterbühne des Schauspiels.

Quelle: Rolf Arnold / Schauspiel

Leipzig. Es ist die inzwischen dritte Produktion des Theaterjugendclubs „Sorry, eh!“ des Leipziger Schauspiels, die am Mittwoch auf der Hinterbühne in der Bosestraße Premiere feierte. Wobei „feierte“ hier durchaus mal wörtlich zu nehmen ist – denn genau das tat das großteilig jugendliche Publikum dann tatsächlich mit Yves Hinrichs’ Inszenierung „Never Ever Disconnected“. Geradezu reizend begeistert und ausdauernd nämlich hallte da nach gut 80 Minuten Spielzeit der Applaus.

Und das fraglos verdient. Denn der Unmittelbarkeit, der spürbaren Lust, Konzentration und mithin dem Witz, mit dem das 18-köpfige Darstellerensemble, zwischen 16 und 24 Jahre jung, aufwartet, kann und will man sich nicht entziehen. Und das auch, weil „Never Ever Disconnected“ einen souverän lässig montierten und dramaturgisch klug kanalisierten Text- und Szenereigen plus Gesangsparts (hinreißend: Radioheads „Motion Picture Soundtrack“) und Tanzeinlagen (Choreografie: Jana Rath) bietet, deretwegen sich die Inszenierung ausgesprochen abwechslungsreich gestaltet. Unterm Strich bannt das schon mal eine ja nur allzu häufige Theatergefahr erfolgreich: Langeweile kommt hier keine auf.

Nun ist es aber zugleich mit Jugendtheaterprojekten oft so eine Sache. Entspricht deren pädagogische Intention doch nicht selten dem, was man gern mit jener öden Phrase umschreibt, nach der es gilt, die „Leute dort abzuholen, wo sie stehen“. Und im Gegenwartstheater, zumal dem mit jugendlicher Zielgruppe, stehen besagte Leute momentan dann thematisch vor allem gern im emotionalen Dauerstress vorm Computerbildschirm. Sind sich selbst Fremde in der allseits digitalisierten Welt, an der sie zugleich rege partizipieren. Voll mit vagen Sehnsüchten nach irgendwas zwischen antikapitalistischer Utopie, gutem Sex und echten Gefühlen.

Sehn-Sucht nach einem Sein jenseits der Entfremdung

Es ist das Sujet der Stunde. Und natürlich ist es legitim, „die Leute“ an dieser Themenhaltestelle „abzuholen“, wenn sie sich dort interessiert drängeln. Und die eigentliche Frage ist ja dann auch ohnehin weniger, von wo man aufbricht, sondern wohin die Reise geht. Schafft man es hinaus, über das Aufbereiten von Gegenwartsbefindlichkeiten und Aktualitäts­illustrationen mit den Mitteln des Gegenwartstheaters, wie gelungen auch immer die sein mögen?

In „Never Ever Disconnected“ gibt es zumindest einen Moment, der das anreißt: „Hast du schon mal jemanden verloren, der dir nahe steht?“, fragt eine Darstellerin. Und sie fragt es ganz ruhig, ohne Pose, fast ganz ohne „Spiel“. Und gräbt tiefer dann, beim Reflektieren über das mögliche Glück einer Losgelöstheit „aus deiner Perspektive heraus“ und über die Suche nach „einer Sprache für das Suchen“. Und ob das schwer sei, jemandem nahe zu kommen, und wie das überhaupt ist, dieses „Berühren und Umschauen“.

Es ist der Moment, in dem diese auf einer Textcollage des Autors Falk Richter basierende Inszenierung innehält und in sich selbst hinein zu lauschen scheint. In der sich unter allem modisch Schrillen und gekonnt Grotesken, unter allem illustren und illustrativen Entertainment und auch mal selbstverliebt Provozierenden der Raum öffnet für etwas, das tiefer geht und älter ist. Diese Sehn-Sucht nach einem Sein jenseits der Entfremdung – nicht zuletzt ein, um nur ein passendes Beispiel zu nennen, Romantiker des 19. Jahrhunderts würde sehr gut wissen, wovon hier die Rede ist. Digitalisierung hin, Facebook her.

Und wenn dann letztlich auch in „Never Ever Disconnected“ die Reise nicht allzu weit von der Themenhaltestelle wegführt, öffnet die Inszenierung somit dennoch eine reizvolle Perspektive mit diesem Augenblick der Tiefenschärfe. Dass das Ganze dazu noch unterhaltsam ist, kann man dann auch echt mal feiern.

„Never Ever Disconnected“, wieder am 3. April, 20.30 Uhr, und 7. April, 19.30 Uhr, Schauspiel-Hinterbühne (Bosestraße 1), Karten für 9/5 Euro: 0341 1268168

Von Steffen Georgi

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