Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Ein Schneemann in Afrika - Neue Sonderschau im Grassi-Museum

Ein Schneemann in Afrika - Neue Sonderschau im Grassi-Museum

Die Figur ist auf den ersten Blick unscheinbar und doch ein Blickfang: "Sie gibt bis heute Rätsel auf", sagt Giselher Blesse, der Kustos Ost- und Südafrika im Grassi-Museum für Völkerkunde.

Voriger Artikel
Kulturausschuss kämpft für neues Theaterhaus in Leipzig
Nächster Artikel
„Orion“ machte ihn berühmt: Schauspieler Dietmar Schönherr gestorben

Ein Blickfang der Sonderschau: die auf den ersten Blick unscheinbare Figur gibt den Forschern Rätsel auf.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Vor 1900 in Tansania entstanden, konnte bislang niemand deuten, was es mit dem "frühen Beispiel einer Auftragsarbeit" so auf sich hat. Bei der zeitgenössischen Kunst aus Ostafrika, die das Museum in seiner gestern Abend eröffneten Sonderschau zeigt, mag das einfacher sein. Filigrane Schnitzereien, Skulpturen und Grafik, aber vor allem die farbenfrohen Werke der sogenannten Quadratmalerei stechen da eher ins Auge und verbreiten auch gute Laune.

 Die Sonderschau ist "Schneemann im Quadrat" überschrieben und das bezieht sich auf die "African Tales" des Leipziger Künstlers Maix Mayer, der den DDR-Kinderfilm "Ein Schneemann für Afrika" aus dem Jahr 1977 zum Anlass für eine experimentelle Präsentation genommen hat. Die Idee: Captain Mukandala, ein Kinoerzähler in Dar es Salaam, übersetzt den Film - wie in Tansania bei annähernd 120 Sprachen üblich. Kinder schauen sich diesen Defa-Klassiker an. "Mich interessiert, wie so ein Streifen in Afrika wirkt, dabei ist der Originalfilm nicht zu sehen", erklärt Mayer, der für ein Projekt der Spinnerei das erste Mal nach Afrika reiste - auf Spuren der Kolonialzeit. Im Grassi-Museum stellt Mayer nun auch zwei fotografische Serien vor. So hat er Schneemänner in Leipziger Parks sowie urbane Szenen in Tansania fotografiert - von lokalen Künstlern im Tingatinga-Malstil überarbeiten lassen.

 Jenes Genre zeitgenössischer Kunst geht auf Eduardo Saidi Tingatinga (1936-1972) zurück, der diese Malerei begründete. Der Name "Quadratmalerei" bezieht sich auf die annähernd quadratische Form der meisten Werke. "Die Künstler verwendeten dabei vor allem 60 mal 60 Zentimeter große Spanplatten, die mit kräftigen Fahrradlacken bemalt worden", erklärt Ethnologin Friederike Brandenburger, die auch die Biografien der Künstler erforschte.

 Die Malschule gehört längst zur kulturellen Realität Tansanias. Mittlerweile werden auch beachtliche Summen für etliche der Bilder auf dem Kunstmarkt erzielt. Neben Tieren, Alltagsszenen sowie magisch-religiösen Handlungen gibt es auch frivole Darstellungen - Letztere sind in der Sonderschau in einem Séparée abgetrennt. Das Völkerkundemuseum besitzt mehr als 140 Werke der Tingatinga-Schule, eine Auswahl von 60 ist ausgestellt.

 Zu sehen sind weiterhin Masken und Skulpturen der Makonde, einem Volk in Mosambik und Tansania. Eine "Maskenparade", die Karl Weule (1864-1926), der erste Professor für Völkerkunde in Deutschland, nach einer Expedition in die damaligen deutschen Kolonialgebiete 1906 nach Leipzig holte, ist auch in der Dauerschau zu sehen. Sie wurden zunächst für den kultischen Bedarf hergestellt, fanden in Maskentänzen aus Anlass von Initiationsriten Verwendung, dienten aber auch der Erziehung und Unterhaltung. "Seit den 1930er-Jahren hat sich eine davon losgelöste moderne Schnitzkunst herausgebildet", so Blesse. Damit werde zunächst der Geschmack der Auftraggeber bedient, später entwickelte sich daraus eine komplexe Breite an Thematiken und Stilen.

 In der Sonderschau gibt es am Sonnabend, 15 bis 18 Uhr, einen Themen- und Familiennachmittag, der Einblicke in die künstlerische Vielfalt und schöpferische Leistung Ostafrikas bieten will. Ethnologin Friederike Brandenburger und der Künstler Maix Mayer stellen die Schau bei Kurzführungen vor. An diesem Tag wird auch der Defa-Film "Ein Schneemann für Afrika" zu sehen sein. Musiker Dolus Mutombo nimmt seine Zuhörer mit auf eine Reise voller Lebensfreude.

 Geöffnet ist von 10 bis 18 Uhr (außer montags). Eintritt, einschließlich Dauerschau acht Euro, ermäßigt sechs Euro. Am Familientag neun, ermäßigt sieben Euro, bis 16 Jahre frei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.07.2014

Mathias Orbeck

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr