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"Ein Song ist ein Medium" - Joe Cocker im Interview über sein neues Album

"Ein Song ist ein Medium" - Joe Cocker im Interview über sein neues Album

Seit 45 Jahren steht Joe Cocker auf der Bühne, zu den größten Erfolgen des Briten gehören "With A Little Help From My Friends", "Up Where We Belong" und "You Can Leave Your Hat On.

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Lebt zwischen Studio, Konzerten und der Einsamkeit der Berge: Joe Cocker.

Quelle: Cole Walliser

Leipzig. " Heute, mit 68, führt Cocker mit seinen Alben regelmäßig die Charts an. Jetzt stellt er sein aktuelles Werk "Fire It Up" auf einer Tournee vor, am Dienstag in der Arena Leipzig. Olaf Neumann hat den 68-Jährigen vorab getroffen.

Frage: Sie sind mit Coverversionen berühmt geworden. Was macht einen guten Song aus?

Joe Cocker:

Darüber könnte ich stundenlang diskutieren. Ich brauche eine Komposition eigentlich nur einmal zu singen und schon fühle ich, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Mein Bauch sagt mir jedenfalls, dass die neue Platte nicht die schlechteste ist. "You Don't Know What You're Doing To Me" zum Beispiel ist eine ganz pfiffige Nummer. Ich wurde gefragt, ob ich hier über meine Frau sänge. Nein, das tue ich gerade nicht. Ein Song ist ein Medium, beim Singen vollziehe ich eine mentale Transformation. Aber eigentlich kann man das einem Außenstehenden gar nicht erklären.

"Zigaretten, Alkohol, Drogen - so entstand Joe Cockers einzigartige Stimme", war in einer großen Tageszeitung zu lesen. Sehen Sie das auch so?

Sagen wir es mal so: Viele halten mich bloß für einen Bluessänger. Aber diesmal haben wir Sachen ausgewählt, bei denen sogar meine Gitarristen ins Schwitzen kamen. Ich nehme mir die Freiheit, auf meinem 23. Album auch Songs zu singen, die nicht offensichtlich auf die Charts abzielen. Ich bin ein sehr natürlicher Sänger, alles, was aus mir herauskommt, passiert spontan. Ich kann keine Noten lesen, und auch mit der Tonleiter habe ich mich eigentlich nie beschäftigt. Anfangs sang ich meine Songs ein oder zwei Tonlagen tiefer, ich wusste ja gar nicht, dass ich auch höher kommen konnte.

In Ihrer Jugend betrieben Sie Raubbau an Ihrer Gesundheit. Lässt sich manches wiedergutmachen?

Ich rauche nicht mehr. Die Auftritte in verqualmten Clubs und Bars fordern heute ihren Tribut. Mein Stimmvolumen von einst werde ich wahrscheinlich nie mehr zurückgewinnen. Aber die Wissenschaft macht ja ständig Fortschritte.

Wollen Sie musikalisch mit der Zeit gehen?

Ich bin ein Rhythm'n'Blues-Sänger. Die alte Schule, Sie wissen schon. Natürlich könnte ich jetzt versuchen, auf Teufel kommt raus eine moderne Platte zu machen. Ich würde sagen, der Titelsong "Fire It Up" ist das größte Zugeständnis an die Gegenwart, zu dem ich fähig bin. Natürlich will ich irgendwie auch zeitgemäß klingen und gehört werden. Warum sollte man das Feld der Jugend überlassen?

Worin unterscheiden Sie sich von der jungen Generation der Rocksänger?

Nun, ich bin im England der Nachkriegszeit aufgewachsen. Leute wie Eric Burdon und ich nahmen sich die schwarzen Rhythm'n'Blues-Sänger zum Vorbild. Wir wollten immer tief in die Materie eintauchen und wirklich etwas anstoßen. Mein jetziger Produzent Matt Serletic sagt immer, Musik reflektiere die Zeit, in der man lebt. Die Kids von heute suchen in der Musik nicht mehr nach dem Dringlichen. Mein Stil hat sich nach und nach entwickelt, ich habe mein Handwerk noch von den Pionieren Chuck Berry, Little Richard und Ray Charles gelernt.

Ringo Starr sagte einmal, je älter er werde, umso mehr lerne er dazu. Was haben Sie in letzter Zeit dazugelernt?

Ich weiß heute, dass meine Stimme am besten klingt, wenn ich frisch aus den Bergen in Colorado nach L.A. ins Studio komme. Ich singe dort immer live mit Band. Da können Sie sich ja ausrechnen, wie viel Kraft es kostet, elf Songs jeweils acht oder neun Mal hintereinander weg zu singen, bis eine Fassung wirklich zufriedenstellend klingt. Die Platten, die ich in den 70ern mit Denny Cordell gemacht habe, klingen in meinen Ohren auch heute noch toll, weil die Musik einem direkt ins Gesicht peitscht. Ich habe das Gefühl, dass wir damals viel relaxter Musik gemacht haben.

Singen Sie deshalb am liebsten Ihre alten Songs?

Ich sage es mal so: Man muss versuchen, sich seine alten Songs neu zu erfinden. Den Text von "With A Little Help From My Friends" kann ich im Traum aufsagen, klar. Viel schwieriger ist, solch einen Titel nach all den Jahren noch glaubwürdig zu interpretieren. Aber es hilft, wenn du Musiker im Rücken hast, die richtig gut ausflippen können. Meine Begleiter sind ja um einiges jünger als ich. Wenn mich mein musikalischer Leiter manchmal so von der Seite anguckt, dann denkt er bestimmt insgeheim: "Mein Gott, wie hat der das bloß alles überlebt?!" (lacht).

Benutzen Sie Facebook und Twitter, um die Netzgemeinde mit Ihrer Musik bekannt zu machen?

Nein, da halte ich mich lieber raus (lacht). Meine Emails schreibe ich mit dem Ein-Finger-System. Die Vorstellung, morgens aufzuwachen und sofort kommunizieren zu müssen, ist furchtbar. In den Bergen in Colorado habe ich eh keinen Netz-Empfang. Es ist ein ganz anderes Leben. Sobald ich zu Hause bin, ziehe ich die Stecker raus. Ich bin aber nicht weltfremd, ich besitze schon auch ein iPad, ich lese viel. Wenn ich mit jemandem kommunizieren will, dann weiß ich auch, was ich tun muss.

Gehen Sie eigentlich ganz allein in die Berge?

Manchmal kommt meine Mistress mit. Meist ziehe ich aber allein mit unseren Hunden los. Es sind gute Gefährten. Hinter unserem Grundstück beginnt die Wildnis. Dort gibt es Bären. Aber genau das ist faszinierend: Auf der einen Seite Pferde und Kühe, auf der anderen Berge und Bären. Als wir unser Grundstück vor 20 Jahren kauften, war es spottbillig. Weil es halt so weit draußen liegt. Wenn ich aufwache, fällt mein Blick auf einen Dreieinhalbtausender. Und kein Nachbar weit und breit! Manche Freunde, die mich besuchen kommen, halten die Einsamkeit nicht aus.

Joe Cocker live: 16. April, 20 Uhr, Arena Leipzig; Tickets (53,75 Euro) gibt es noch in der LVZ-Geschäftsstelle am Peterssteinweg und im LVZ-Media-Store in den Höfen am Brühl sowie unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 2181050.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.04.2013

Olaf Neumann

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Von Redakteur Olaf Neumann

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