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Ein Universum aus Gesang und Innigkeit

Ein Universum aus Gesang und Innigkeit

Am Mittwochabend darf man Martin Stadtfeld im Gewandhaus beim Klavierüben zuhören - wenn man bedenkt, dass die im Programm angekündigten Etüden im eigentlichen Wortsinn Übungsstücke sind.

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Martin Stadtfeld.

Quelle: dpa

Und Johann Sebastian Bach schrieb die Präludien und Fugen seines "Wohltemperierten Klaviers" (WK) nach eigenem Bekunden ja "Zum Nutzen und Gebrauch der Lehrbegierigen Musicalischen Jugend ...".

Wer aber Frédéric Chopins einschlägige Werke kennt, weiß, dass da schon ein besonderes Maß an pianistischer Fertigkeit vorausgesetzt wird. So hat sich auch Stadtfeld gekonnt des Repetierens befleißigt, bevor er sich im nicht ganz ausverkauften Mendelssohn-Saal des Leipziger Gewandhauses an den Flügel setzt. Und gerade die auf den ersten Blick trocken anmutende Programmkonzeption macht seinen Klavierabend im Rahmen der Mendelssohn-Festtage Leipzig so außergewöhnlich, interessant und nachhaltig beeindruckend.

Den zwölf Etüden aus Chopins Opus 10 stellt Stadtfeld im zweiten Programmteil ausgewählte Präludien aus Bachs Wohltemperiertem Klavier gegenüber. Der Effekt ist verblüffend: Mal fasziniert der Wechsel zwischen Bachs analytischer Strenge und Chopins romantischer Schwärmerei, dann wieder betört der Kontrast von inniger Verklärtheit im Pianissimo zu wieselflinker Virtuosität.

Knisternde Spannung erfüllt den Saal, denn bei aller Verschiedenheit erkennt das Publikum bald, wie verwandt die beiden Gattungen aus verschiedenen Zeiten sind, dass auch Chopin intensiv auf Bach geschaut hat. Wundervoll offenbart sich dies wohl im c-moll-Präludium und Chopins ebenfalls in c-moll notierter "Revolutionsetüde", die bei Stadtfeld nur ein kurzes Luftholen trennt.

Ein ähnliches Erlebnis bot schon die erste Konzerthälfte, als Bachs Präludium A-Dur BWV auf Mendelssohns "Frühlingslied" in A-Dur folgte. Da war die burschikose Forschheit, mit der Stadtfeld Bachs Italienisches Konzert BWV 971 begonnen hatte, längst unprätentiöser Schlichtheit gewichen, schuf der grandiose Pianist in den Bach-Bearbeitungen wie auch in Mendelssohns "Liedern ohne Worte" ein Universum aus vollmundigem Gesang und transparenter Innigkeit, traumzarter Wärme, Sinnlichkeit und immer voll sagenhafter Virtuosität.

Der Schlussakkord ist noch nicht verhallt, da bricht schon der Beifall los, und der Star des Abends setzt mit Prokofjews furioser d-moll-Toccata noch eins drauf - jetzt jubelt der ganze Saal euphorisch. Stadtfelds zweite Zugabe, Mendelssohns "Abendlied", besänftigt die Gemüter und schickt ein beseeltes Publikum auf den Heimweg.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.09.2013

Birgit Hendrich

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