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"Ein großer theatraler Spaß": Enrico Lübbe über das Silvester-Spektakel mit "Dreigroschenoper"

"Ein großer theatraler Spaß": Enrico Lübbe über das Silvester-Spektakel mit "Dreigroschenoper"

Silvester 2013 im Schauspiel Leipzig - eine ungewöhnliche Premiere und ein attraktives Komplettpaket haben der neue Intendant und sein Team zum Jahreswechsel geschnürt.

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Enrico Lübbe, Intendant des Leipziger Schauspiels.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Im Interview spricht Enrico Lübbe über die "Dreigroschenoper" und die begleitende Party.

Frage: Die "Dreigroschenoper" inmitten eines Wandel-Dinners mit Erlesenem am Silvesterabend - das klingt ein wenig paradox ...

Enrico Lübbe: Sie meinen, des Inhalts des Stückes wegen? Die Frage bei Brechts "Dreigroschenoper" ist ja sowieso, in welchem Maße Brecht mit den Kategorien "Gut" und "Böse" spielt. Das ist ja kein hochpsychologisches Kammerspiel, es sind keine hochkomplexen Charaktere, es sind fast immer nur Typen. Und in der Hinsicht ist auch zu hinterfragen, wie ernst oder wie politisch das wirklich gemeint ist. Schon Brecht war ja bewusst, dass "Die Dreigroschenoper" neben allem auch ein großer theatraler Spaß ist.

Sie verfolgen mit diesem Projekt einen eher ungewöhnlichen Ansatz ...

Unsere Idee für die erste Spielzeit war, das Haus deutlich zu öffnen für die Stadt. Ich habe ja schon 15 Jahre in Leipzig gelebt vor einiger Zeit und war mir der Bedeutung etwa des Gewandhauses für die Leipziger ebenso bewusst wie jener des Zoos. Insofern haben die Kooperationen, die ich angestrebt habe, wirklich mit der Stadt zu tun.

Sie haben also für die "Dreigroschenoper" das Gewandhaus als Partner gewinnen können. Wie sind Sie vorgegangen?

Als ich auf Andreas Schulz mit dem Projekt zukam, erklärte er mich sozusagen für verrückt - angesichts der Fristen, in denen so ein großartiges Orchester wie das Gewandhaus plant. Die sind ja jetzt schon mit ihren Plänen gefühlt im Jahre 2100. Und als ich dann mit der Idee der Gemeinschaftsproduktion kam, mit einem Premierentermin ausgerechnet Silvester, da schien dort zunächst kein Weg hin zu führen. Aber irgendwie hat er sich dann doch so für die Idee begeistern können, dass das Projekt möglich wurde und zu Silvester und neun weiteren Terminen im Schauspielhaus das Gewandhausorchester spielt - und zwar in einer tollen Besetzung.

Und für die musikalische Leitung haben Sie in der Stadt noch einen anderen Partner gewinnen können ...

Anthony Bramall, stellvertretender Generalmusikdirektor der Oper, war sofort für die Idee zu begeistern. Und so haben wir, denke ich, doch ein einmaliges Kooperationsprojekt an Silvester geschaffen mit einem Stück, das viele kennen und hoffentlich auch sehen wollen.

Mit der "Dreigroschenoper" ins Jahr 2014 - ist das programmatisch?

Ich weiß es nicht. Aber ich sitze ja gerade auf den Proben. Und so bekannt die Wahrheiten sind, die da manchmal ausgesprochen werden - sie stimmen ja dann doch bis heute. Das ist das Faszinierende am Stück. Und das hat der Regisseur des Abends, Philip Tiedemann, auch sehr treffend beschrieben: Es ist eine Groteske, die absolut stimmig ist. Und das Thema Geld ist sehr prägnant, und das kennen wir alle in der jetzigen Situation.

Aus der aktuellen Probensituation heraus - erfüllen sich Ihre Erwartungen an die Kooperation?

Wir hatten die ersten Bühnenproben mit dem Gewandhaus. Und ich will die Musiker nicht jetzt schon über den grünen Klee loben, aber so toll wie Herr Bramall und die Gewandhausmusiker das spielen, habe ich das noch nie gehört.

Zwei kulturelle Leuchttürme mit ihren Abläufen und Strukturen - wie ist das zu koordinieren?

Das habe ich mich auch gefragt, aber es funktioniert. Das ging ja schon mit der Planungsfrage los. In der Umsetzung merkt man plötzlich, was mit diesen drei großen Eigenbetrieben der Stadt möglich ist. Und vielleicht kann man daraus ja auch perspektivisch Weiteres stricken. Die Stadt hat ein riesiges kulturelles Potenzial, und warum sollte man das gerade auch jetzt im Vorfeld von "1000 Jahre Leipzig" verheimlichen?

Gibt es da schon konkrete Ideen am Schauspiel Leipzig?

Auf jeden Fall. Aber die verrate ich jetzt noch nicht.

Und zu weiteren Kooperationsprojekten?

Ja, es gibt da ein paar Sachen, die in einer Stadt wie Leipzig einfach auf der Hand liegen. Aber das kann ich nicht allein entscheiden, da sind noch andere Institutionen im Boot, und die haben mitunter eben einfach ganz andere Planungsfristen als wir.

Wird die "Dreigroschenoper" dann über die Premiere hinaus in dieser Konstellation im Spielplan bleiben?

Ja, die zehn Vorstellungen in dieser Saison sind durchgeplant mit dem Gewandhaus und Anthony Bramall. Und für die Folgespielzeit laufen die Gespräche. Denn die Nachfrage beim Publikum ist groß.

Haben zu Silvester Kurzentschlossene noch eine Chance?

Ja, der Verkauf läuft zwar sehr gut; aber es sind noch einige wenige Restkarten zu haben.

Was erwartet die Silvester-Gäste neben der "Dreigroschenoper"?

Es spielen Bands im Haus. Es darf getanzt werden. Im ganzen Haus wird es kulinarische Angebote geben.

Sie leiten die Wiederaufnahme der Chemnitzer Inszenierung von Philip Tiedemann. Wie viel Lübbe wird am Ende in dieser Leipziger Produktion stecken?

Die Dramaturgen, die die Produktion in Chemnitz betreut haben, sind präsent, so dass eine ständige Auseinandersetzung mit der ursprünglichen Konzeption gewährleistet ist, und es gibt auch Schauspieler, die schon dabei waren und die Inszenierungsgedanken weitertragen. Aber es sind auch sehr viele neue Darsteller dabei, und im Zuge der Umbesetzung muss man natürlich auf die neuen Gegebenheiten auch der Bühne und der neuen musikalischen Leitung eingehen.

Die Dreigroschenoper in Leiziger Shauspielhaus: Premiere: 31.12., 19.30 Uhr, Vorstellungen: 11., 16. Januar, 2., 9., 21. Februar, 29. März, 21. April, 1., 13. Mai; Karten und Infos unter Tel. 0341 1268168

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.12.2013

Tatjana Böhme-Mehner

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