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Ein lauter Aufschrei: Nick Cave und seine Band Grinderman sind zurück und bald in Leipzig

Ein lauter Aufschrei: Nick Cave und seine Band Grinderman sind zurück und bald in Leipzig

Vor knapp drei Jahren wurde Nick Cave 50. Seine wilden Zeiten sind vorbei, sollte man denken. Alkohol und Drogen hat er längst im Griff. Auftritte, bei denen sich der Wahl-Engländer wie im Wahn auf dem Boden wälzt oder sich mit den ersten Reihen von Konzertbesuchern prügelt, sind jahrzehntelang passé.

Leipzig. Zeit also, sich hinters Piano zu setzen und am Alterswerk zu arbeiten?

Doch halt, schon kurz vor der großen 50 setzte Cave zum lauten Aufschrei an, reduzierte seine Band The Bad Seeds auf das Quartett Grinderman, dessen erstes Album er 2007 veröffentlichte. Kurz vor deren Aufnahmen entdeckte Cave die Gitarre für sich. Ein Instrument, zu dem er bei den Bad Seeds nur selten griff.

Aufschreiende Saiteninstrumente sind es, wofür Grinderman seitdem steht. Hinzu kommen bissige Texte, etwa über das Pech, einfach nicht mehr an die junge Dinger heranzukommen, auch wenn man den Bauch einzieht und sich extra die Haare kämmt. Vorgetragen voller Ironie und einer gehörigen Portion Wahnsinn markierte nicht nur die Single "No Pussy Blues" eine Art Verjüngungskur von Cave und Co. Die Gefahr des musikalischen Abstellgeleises konnten sie damit geschickt abwenden. Das neue Feuer und die Energie mussten heraus und zwar möglichst laut. Das gefiel nicht allen Fans seiner traumhaften Balladen und sanfteren Stücke.

Laut, lauter, Grinderman

Cave selbst nannte das Debüt "eine gigantische Midlife-Crisis". Das ein Jahr später folgende Werk von Nick Cave and The Bad Seeds schlug von der Lautstärke her in eine ähnlich Kerbe. Und nach einem erneuten Ausflug in die Welt der Literaten ("The Death of Bunny Munro") und Arbeiten an Soundtracks ("The Road") scharte Cave seine Kumpels Warren Ellis (Gitarre, Geige, Flöte, Percussion, Mandoline), Martin Casey (Bass) und Jim Sclavunos (Schlagzeug) erneut um sich, um am verstört klingenden Nachfolger "Grinderman 2" zu arbeiten, der am 10. September erscheint.

Sachen, die Cave nie auf einen Zettel geschrieben hätte

Cave scheint es Spaß zu bereiten, Texte zu schreiben, die niedere Instinkte heraufbeschwören, auf Sex fixiert sind und in denen er hin und wieder wie ein Wolf zu heulen beginnt. Der Australier lebt so seine dunkle Seite aus, eine oberflächliche, dreckige. Dem englischen Guardian erzählte er vom Songwriting dieser Band: Die Methode sei es, alles zu improvisieren, inklusive der Lyrics. Das bringe Gedanken zum Vorschein, die er beim regulären Songwriting niemals auf einen Zettel geschrieben hätte.

In Geräuschexessen wie bei "When my Baby comes", ist der Bandname Programm. Cave und Co "schinden" (engl. "to grind") ihre Instrumente, entlocken ihn brachiale Störgeräusche: Was als eintöniger blueslastiger Song beginnt, bäumt sich schlagartig auf. Geigen klingen plötzlich wie verzerrte E-Gitarren, Hintergrundgeräusche schaffen einen Soundteppich, der absolut neugierig auf das Live-Erlebnis dieser Band macht. Ausufernde Interpretationen der verspielten Stücke wie des gitarrenüberlagerten Liedes "Evil" und all der musikalische Wahnsinn, das Schmutzige, Augenzwinkernde sowie das knochentrockene Schlagzeugspiel müssen live einfach noch besser klingen.

In der Albumversion hingegen fällt "Grinderman 2" etwas hinter seinem Vorgänger "Grinderman" zurück. Letzterer bot homogenere Klänge und war trotz seiner noch stärkeren Lautstärke durchaus zugänglicher. "Grinderman 2" hingegen ist auf seine Art sperriger, viele der Stücke brauchen mehr Zeit, um zu zünden. Deutlicher scheint man die Improvisationen herauszuhören, die letzten Endes dann doch voll aufgehen, lässt man sich darauf ein. Spätestens, wenn sich bei „Palaces of Montezuma“ alle Störgeräusche verzogen haben und das Klavier einsetzt, ist auch der Cave-Fan glücklich, der nichts mit der neuen Experimentierfreude des 52-Jährigen anfangen kann.

Am 13. Oktober kommen Grinderman mit ihrem Psychoblues mit Anflügen von Garage-Rock ins Leipziger Haus Auensee. Der Vorverkauf läuft bereits. Karten gibt es im LVZ-Online-Ticket-Shop, unter Telefon 01805/ 2181-50, im LVZ-Stadtbüro in der Nikolaistraße 42 und in der Geschäftsstelle der Leipziger Volkszeitung im Peterssteinweg 14.

Holger Günther

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