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"Ein wenig wie bei Tom und Jerry" - Romeo und Julia in der Leipziger MuKo

"Ein wenig wie bei Tom und Jerry" - Romeo und Julia in der Leipziger MuKo

Sergej Prokofjews "Romeo und Julia" ist das erste klassische Handlungsballett der MuKo-Company. Mirko Mahr hat es speziell für Jugendliche choreographiert. Die Premiere am Freitag ist bereits ausverkauft, während die letzten Vorbereitungen noch laufen.

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Tybalt (Walid Mahmoud, hinten), Romeo (Tom Bergmann, vorn) mit Julia (Sara Barnard).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Bei der Bühnenorchesterprobe ist zu erkennen: Es geht natürlich um Liebe, Hass, Vergebung, Rache und Freundschaft. Inszeniert mit einer charmanten Portion Humor.

Romeo im engem Muskel-Shirt. Julia mit Engelsflügeln wie beim Christopher-Street-Day. Tybalt in schlabbernder Jogginghose. Das Licht ist noch nicht gesetzt, aber das Orchester spielt schon. Es ist die erste gemeinsame Probe von Musikern und Tänzern für die Premiere des berühmtesten Werkes nach Shakespeare. Dessen Geburtstag sich im April zum 450. Mal jährt. Sie findet noch ohne richtige Kostüme statt. Norbert Bellen hat aus Fotos und Skizzen moderne Outfits nach historischen Vorbild entworfen.

Mitten in den Sitzreihen der Musikalischen Komödie stehen zwei Tische mit kleinen Lampen. In diesem Dämmerlicht hat Mirko Mahr Platz genommen, der Leiter des Balletts hat das Stück neu choreographiert. Zum Beginn der Probe wird ein dünnes, weißes Tuch vor der Bühne herabgelassen. Erste Töne schweben durch die Sitzreihen. Schemenhaft sind Darsteller zu erkennen. Ein kurzes Video wird in der Aufführung das erste Kennenlernen von Romeo und Julia zeigen: "I like" - mit Daumenbild.

"Ein bisschen langsamer könnten sie spielen, dann wäre es gut", sagt Mahr. "Und ein wenig später einsetzen", ergänzt Dramaturgin Christina Geißler, die mittlerweile neben ihm Platz genommen hat. Dann hebt sich der weiße Schleier. Links und rechts sind fast in Originalgröße Bilder von Karussells auf der Leipziger Kleinmesse zu sehen. Ein dunkler Schacht hinter einem weit geöffneten Katzenmaul deutet in Richtung verfallenener Rummelplatz, wie den Berliner Plänterwald. Daneben steht ein Turm, der an die Insel der Ritter aus dem Belantis-Park erinnert - und trotzdem ins 16. Jahrhundert entführt.

Dazwischen nähern sich zwei Gruppen in Schlabberhosen mit grazilen Bewegungen. Tybalt und Mercutio treffen erstmals aufeinander. "Es könnte durchaus etwas cooler sein. Nicht so ballettartig", flüstert Mahr und schlägt seine Unterarme der Länge nach aneinander. Währenddessen hüpft Mercutio (Mattia Cambiaghi) wie ein Eichhörnchen nach zu viel Kaffee-Genuss über die Bühne und vor seinem Feind umher. Auch als beim Maskenball Romeo und Julia erste Blick aufeinander werfen können, soll diese Rolle etwas überdreht wirken. Der Neffe Capulets greift den Verliebten an, doch der treue Freund Mercutio lenkt ab und steckt sich einen Pfeil auf den Kopf. "Es ist ein wenig wie bei Tom und Jerry mit dem Hund", erklärt Dramaturgin Geißler.

Die größte Liebesgeschichte der Welt ist auch ein Stück um Generationen-Konflikte. Zur Inszenierung für Jugendliche ab zwölf sollten daher die Rollen klar besetzt werden. Bei anderen Projekten spielt durchaus ein jugendlich wirkender Mann den Großvater. In dieser Produktion springt Mahr in den Proben immer wieder von seinem Sitzplatz auf und rennt auf die Bühne. Der Choreograph hat sich eigentlich vom Tänzer-Dasein verabschiedet. Doch in "Romeo und Julia" tanzt er wieder - als Graf Montague - und verkörpert damit einen Teil der älteren Generation.

Für diese Produktion ist die Truppe vergrößert worden, zu den 15 Tänzerinnen und Tänzern kommen noch zwei Gäste ins Ballett-Ensemble, sowie zwei Gesangssolisten: Sabine Töpfer und Michael Raschle. Denn die kecke Amme und Pater Lorenzo werden in der Inszenierung nach der Übersetzung von Frank Günther auch sprechen.

Julia und Romeo sind mit jungen Tänzern besetzt: Sara Barnard und Tom Bergmann. In der Balkonszene leistet der 22-Jährige Spitzensport. "So sollte jeder Mann mindestens um eine Frau werben", sagt Geißler und lächelt. Während Romeo auf der Bühne hüpft, springt, Rad schlägt, an der Regenrinne rauf und runter klettert, Julia hebt und keucht. "Das wird bei der Premiere nicht mehr zu hören sein", ergänzt Geißler während der Schleier vor der Bühne wieder fällt.

"Wenn ich dieses Zeichen mache, dann heißt das nicht schneller spielen, sondern es soll einfach früher beginnen", sagt Dirigent Stefan Klingele und zieht seine Hand in einem kleinen Schnörkel nach unten "War Mercutio zu langsam", fragt er und dreht sich vom Orchester zu den Sitzreihen um. Doch da sitzt in der Proben-Pause an den dezent beleuchteten Tischen niemand. Mahr trifft letzte Absprachen mit den Tänzern. Also gibt der musikalische Leiter die Antwort gleich selbst: "Nein." Es dürfte ein kurzweilige Aufführung für Jung und Alt werden.

Premiere (ausverkauft): 31. Januar, 19.30 Uhr, Musikalische Komödie, Vorstellungen: 4. Februar, 4. März, 1., 2. April, 20. Mai, 11. 13. Juni, 4. Juli. Karten gibt es im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen, unter der gebührenfreien Nummer 0800 2181050, unter Tel. 0341 1261261

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.01.2014

Matthias Pöls

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