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Eine Chance - für die Kreativen und die Magistrale Georg-Schumann-Straße

Eine Chance - für die Kreativen und die Magistrale Georg-Schumann-Straße

Die Kunst hält Einzug in die Georg-Schumann-Straße: In den Schaufenstern hängen Gemälde und Fotografien. Unter dem Viadukt in Wahren werden Bilder, Skulpturen und Töpferware feilgeboten.

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Die Georg-Schumann-Straße im Leipziger Norden wurde am Samstag zu einer Kunstmeile. (Archivbild)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ein frisch gesprühtes Graffito verrät, was an diesem 6. September 2014 abgeht: "Nach(t) der Kunst" ist an einem Bauzaun zu lesen.

Zum mittlerweile fünften Mal verwandelt sich die Schumannstraße einen Abend lang in eine Kunstmeile. Auf rund 4,5 Kilometern Länge präsentieren rund 50 Maler, Fotografen und andere Kreative aus ganz Leipzig ihre Arbeiten. "Die Veranstaltung ist einfach sehr gut um vorzufühlen, wie die eigenen Werke so ankommen, ehe man vielleicht selbst eine Vernissage organisiert", sagt Mirko Silberbach. Er war im vergangenen Jahr noch Besucher. Nun hat er gemeinsam mit befreundeten Künstlern eine Ausstellung in der Nähe des Viadukts organisiert, in der sich abstrakte Malereien, Porträts mit Farbe und Bleistift und ­Assemblagen abwechseln. Am Eingang läuft ein Video mit spektakulären Zeitraffer-Aufnahmen aus der Messestadt.

Auch die sonst leerstehenden Geschäfte werden in dieser Nacht mit Kunst belebt. In der Axis-Passage beispielsweise hat eine Gruppe von Hobby-Fotografen die alte Fleischerei in Beschlag genommen. Statt Wurst und Schinken liegen nun Schwarz-Weiß-Bilder und historische Kameras in den Vitrinen aus. An den Wänden hängen - auf ironische Weise passend zum Ausstellungsort - Porträtfotos von Menschen mit einer Schweine-Maske auf dem Kopf. "Die Bilder haben wir allesamt analog geschossen und im Fotolabor auch selber entwickelt", erläutert Christian Pracht. Die Ausstellung sei im Rahmen eines Volkshochschulkurses entstanden. Nun stelle die Gruppe ihre Ergebnisse vor. "Mich reizt an der analogen Fotografie, dass man den gesamten Prozess in der eigenen Hand hat", sagt Pracht. "Die Bilder wirken lebendiger - und jedes Foto ist ein Unikat."

Nicht nur für die Ausstellenden ist die Veranstaltung eine Chance, auch für die Organisatoren. Sie erhoffen sich, mit Hilfe von "Nach(t) der Kunst" die Georg-Schumann-Straße wiederzubeleben. Das betont Leipzigs Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) bei der Eröffnung der Aktion. Jene Viertel, "die nicht zum Zentrum gehören oder daran angrenzen", hätten es in den zurückliegenden Jahren schwer gehabt. Die Stadt konzentriere sich auf drei Ansatzpunkte, die schon im Berliner Wedding funktioniert hätten und die auch der Georg-Schumann-Straße neues Leben einhauchen sollen: Erstens die Sanierung der Straße und des Straßenbahnnetzes. "Nur sind die Finanzmittel der Kommune leider beschränkt", gesteht Dubrau. Von einer kompletten Sanierung habe sie sich deshalb "schweren Herzens" verabschiedet. Stattdessen plane die Stadtverwaltung eine schrittweise Sanierung der Magistrale. Das zweite Element der Wiederbelebung sei die Begrünung. Doch neue Bäume zu pflanzen, sei aufgrund der vielen Leitungen im Boden alles andere als einfach. "Aber es werden ganz sicher ein paar kommen", verspricht die Bürgermeisterin. Der dritte Punkt sei schließlich, neue Mieter für die leerstehenden Läden zu finden. "Und hier kommt die Kunst-Nacht ins Spiel, die Interesse für den Standort wecken soll", sagt Dubrau.

Dass dies kein frommer Wunsch bleiben muss, beweist die Resonanz. Ein Rundgang durch die verwaisten Ladenlokale findet immerhin ein Dutzend Interessenten. Und auch andere Neugierige erkennen die Chance der Veranstaltung: "Es hängen ja überall Informationen von Vermietern aus", ist Bertrand Zunker nicht entgangen. Der Hobbymaler besucht die Aktionsnacht zum ersten Mal. "Ich habe schon geguckt, ob sich vielleicht ein Platz für ein Atelier findet."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.09.2014

Stefan Lehmann

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