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Eine Fan-Familie: Prinzen feiern ihren 20. Band-Geburtstag in der Arena Leipzig

Eine Fan-Familie: Prinzen feiern ihren 20. Band-Geburtstag in der Arena Leipzig

Leipzig. Es ist wohl nicht nur so dahergesagt, als Sebastian Krumbiegel und Wolfgang Lenk vor dem Konzert betonen, wie nervös sie dieses Mal seien.

„Die ganze Familie ist da“, erklärt Lenk, und Krumbiegel fügt an: „die Eltern, die Kinder“. Nicht ganz zufällig charakterisieren die beiden damit nebenbei passgenau die Schar, die vor der Bühne auf sie wartet.

Gut zwei Stunden später, als die Scheinwerfer im Konzert-Finale auf das Publikum strahlen, das dann als Zugabe mal kurz alleine singt, ist gut zu sehen, wer denn so gerne Millionär wär’: nicht nur die 30- bis 50-Jährigen nämlich, denen die Prinzen 1991 mit diesem Hit und lakonischem Achselzucken über die verwirrenden neuen Möglichkeiten aus den Herzen sprachen. Auch deren Kinder trällern mit. Und die jetzigen Großeltern, die schon damals beeindruckt und belustigt waren, wie frech und unbekümmert diese Leipziger A-cappella-Truppe sogar in Westdeutschland abräumte - und wie sächsisch bodenständig sie dabei blieb.

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Leipzig. Es ist wohl nicht nur so dahergesagt, als Sebastian Krumbiegel und Wolfgang Lenk vor dem Konzert betonen, wie nervös sie dieses Mal seien. „Die ganze Familie ist da“, erklärt Lenk, und Krumbiegel fügt an: „die Eltern, die Kinder“. Nicht ganz zufällig charakterisieren die beiden damit nebenbei passgenau die Schar, die vor der Bühne auf sie wartet.

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Bereits zu Beginn des Konzerts, als sich das Licht noch auf dessen Hauptdarsteller fokussierte, hat Tobias Künzel in die Menge gerufen, dass er „viele Gesichter“ sehe, „die mir sehr bekannt vorkommen“. Aber nur ein Fan habe seit den Anfängen kein Prinzen-Konzert verpasst: „Mein Vater - und er hat Geburtstag, er wird heute 79“, jubelt der Junior. „Wenn sich an ihm alle ein Beispiel nähmen, wäre die Bude voll!“ Die, die da sind, singen immerhin spontan „Happy Birthday“. Ja, es ist ein Familienfest, in erster Linie jedoch zu einem anderen Geburtstag, zu einem runden: „Es war nicht alles schlecht“ heißen CD und Tour, mit denen die Prinzen ihre 20 Band-Jahre feiern.

Das meiste war übrigens sogar gut. „Alles nur geklaut“ zum Beispiel. Zu dem Hit von 1993, als Annette Humpe die Gruppe unter ihre Fittiche nahm, marschieren die sieben Sänger und Musiker im Stile von Genesis’ „I Can’t Dance“ auf die Bühne. Sofort reißen die Prinzen ihr Publikum mit, schon die Agilität, mit der vor allem Krumbiegel umherfegt, ist ansteckend. Jede Zeile purzelt aus irgendwelchen Hirnwindungen auf die Zungen der Zuschauer. Wenn im Takt geklatscht werden soll, ist sowieso jeder hier dabei.

Für den „warmen Empfang“ bedankt sich Krumbiegel und erzählt von den “öffentlichen Generalproben“, die sie in Vorbereitung auf das Geburtstagskonzert zu Hause zuvor in Köln, Berlin und anderswo, zuletzt in einem „kleinen Vorort von Leipzig“ namens Dresden abgehalten hätten. Außerhalb der Heimatstadt füllen die Prinzen nicht mehr die ganz großen Hallen, zwischen 1000 und 3000 Zuschauer waren es jeweils bei den vorigen zehn Tour-Stationen. Und in die Arena Leipzig hätten bei anderem Bühnenaufbau drei Mal so viele Menschen gepasst. Superstar-Prinzen - das war einmal.

Es lässt sich aber auch anders betrachten: „Deutschland“, das seinen Platz im Konzert am Ende des regulären Sets haben wird, ist der jüngste nennenswerte Chartserfolg - und auch schon zehn Jahre her. Selbst dieses ambivalente „Liebeslied“ (Krumbiegel) reichte bei weitem nicht an die Wahnsinnserfolge der 90er Jahre heran. Trotzdem zieht die Band Tausende an. „Brust raus, Bauch rein“, singt sie dazu in einem von vier neuen, nachdenklichen Liedern, „am Ende könnte alles doch noch sehr viel schlimmer sein“. Aber hallo. Ohne jeglichen aktuellen Hit ist das Familienfest bestens besucht. In den 20 Jahren hat sich herumgesprochen, dass es die Prinzen live verdammt gut können.

Es ist immer noch verblüffend, wie voluminös die vielen karg instrumentierten Pop-Ohrwürmer von „Mein Fahrrad“ und “Überall“, „Bombe“ und „Suleimann“ bis hin zu „Alles mit’m Mund“ (aus der kurzen Stefan-Raab-Phase der Gruppe) live erklingen; selbst wenn, wie in „Wer ist der Typ?“, E-Bassist Mathias Dietrich Pause hat und nur Schlagzeuger Ali Zieme ein anderes Instrument als die Stimmbänder anschlägt. Für die Kantate „Mein Hund ist schwul“ verschwindet auch Zieme, und die Gesangsfertigkeit der Prinzen offenbart sich in Reinform. Mag Krumbiegel auch in „Küssen verboten“, das später als Zugabe erklingt, vorsichtshalber hohe Töne meiden und mit der Stimme im Refrain runtergehen.

Mit seinem noch viel tieferen Gesang holt Jens Sembdner, Keyboarder und heimlicher Star, nicht nur bei „Mann im Mond“ „die Laterne raus“. Als er darüber hinaus vom „Kleinen Herzen“ singt, erhellen kaum Handys, dafür vor allem Feuerzeuge und sogar Wunderkerzen die Halle, was mittlerweile vollkommen unüblich ist. Arrangeur und Gitarrist Wolfgang Lenk bekommt mit „Backstage-Pass ins Himmelreich“ seinen Auftritt, und Sympathieträger Henri Schmidt singt ein „Sinnloses Lied“.

„Gabi und Klaus“ finden sich in einer neuen Version nun doch, vielleicht, weil „der Sachse an sich, der Leipziger, zur Romantik neigt“, wie Künzel an anderer Stelle erklärt. Er trägt da eine Kapitänsmütze, sagt, dass er sich manchmal „heulend auf der Weißen Elster“ einschiffe, und singt „Nie wieder Liebeslieder“. Entzückend gelingt den Kollegen dazu ihr „Bau-bau-bau“.

Nein, für die Prinzen und ihre Leipziger Fan-Familie besteht kein Grund für Trübsal, jedenfalls nicht in Anbetracht eigener Belange. „Das nervt“ sollen sie gleich noch singen, davor rechnet Tobias Künzel ein wenig: „Das Lied ist im selben Jahr entstanden, in dem die Bauarbeiten zum City-Tunnel begannen. Was soll ich sagen? Das Lied ist fertig.“ Das Konzert nach zwei Stunden ebenfalls. Doch die Prinzen haben keineswegs nur das gemeint, als sie in dessen Mitte „Wir halten durch“ gesungen haben.

Mathias Wöbking

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