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Eine Gruppe namens The Group hebelt im Schauspiel grandios physikalische Gesetze aus

Eine Gruppe namens The Group hebelt im Schauspiel grandios physikalische Gesetze aus

Sie haben sich den denkbar einfallslosesten Namen gegeben, den man sich als Band unmittelbar nach The Band geben kann: Am Montag hatten auf der Hinterbühne des Schauspielhauses das Musikerkollektiv The Group ihren Auftritt.

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Musikalisches Dauerpulsieren: The Group aus Berlin auf der Schauspiel-Hinterbühne.

Quelle: Rolf ArnoldSchauspiel

Leipzig. Doch davon darf man sich nicht täuschen lassen: Ihr Auftritt ist sensationell.

Zugegeben, alle Suggestionen des vermeintlich allwissenden Kritikers bei Seite lassend: Von The Group aus Berlin hatte man zuvor nie gehört. Womit die Musikveranstalter des Schauspiels etwas bescherten, was man selten genug hat: eine echte Entdeckung. Und was für eine!

The Group ist ein im Kern fünfköpfiges multinationales Musikerensemble, das sich allerdings immer um verschiedenste Gäste erweitert. Und das an einem Klang laboriert, der auf der Basis rhythmischer und polyrhythmischer Strukturen den großen Improvisationsbogen schlägt. Der überspannt die elektronischen Klangerkundungen eines Stockhausen ebenso wie die Rhythmus-Delirieren eines 70er-Jahre-Miles-Davis, malt Sphärisches im Tangerine-Dream-Modus, zirkuliert gern in südostasiatischer Gamelan-Trance und injiziert, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, tatsächlich noch eine gute Dosis intimen Kammerpop in dieses wilde Konglomerat.

Welches The Group in ihrem fast zweistündigen Konzert als einen nur kurz unterbrochenen Block musikalischen Dauerpulsierens auf die Bühne bringen. Retro und Avantgarde verschmelzend zu einem schlicht berauschenden Trip, in dem all die verwobenen Elemente zwischen suggestiven Pattern und Elektronikflächen wie Farbexplosionen im Gesamtbild erstehen. Und gottlob: Die Akustik, in der das geschieht, lässt nichts zu wünschen übrig. Auch in den Parts des exzessiv Gesteigerten bleiben die Feinheiten im Sound hörbar. Gilt selbst für filigrane Dur-Piano-Tupfer inmitten mitunter fast vulkanischer Ausbrüche.

Zum Auditiven fügt sich die visuelle Komponente: Wie ein obskurer Raumgleiter ist auf Bühnenelementen die Spielfläche von The Group verfügt. Dicht an dicht stehen darauf in einem vagen Licht Mikros neben Keyboards, Schlagwerk, Piano, Gitarre. Das Publikum platziert sich im Kreis darum. Sitzt und liegt bald auf dem Boden und ist umstellt von Leinwänden, auf die Arbeiten des Videokünstlers Etkin Cekin projiziert werden. Passend psychedelische Impressionen: eine Iris in farblicher Auflösung, lavagleiches Pulsieren, ein in Zeitlupe durch Schilfgras Schweben. Und legt man sich auf den Rücken, kann man das auch auf einer zwischen den Schnürboden gespannten Leinwand sehen.

Und es braucht nicht lange, bis zu diesen Klängen und Bildern und der Atmosphäre, die sie schaffen, Zeit und Raum zu jenem Abstraktum geschrumpft sind, das sie eigentlich ja darstellen. Und nicht nur weil die tiefen Bässe den Boden unterm Hintern vibrieren lassen, hat man den Eindruck, die ganze Theaterbude ist längst schon abgehoben. Lost in Space und somit irgendwie auch dort, wo sie eigentlich hingehört. Und man selbst ist auch dabei, und jeder, der es nicht war, hat echt was verpasst.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.10.2013

Steffen Georgi

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