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Eine der bekannteren unbekannten Bands: Leipziger Duo Byebye mit neuem Album

Soundcheck L.E. Eine der bekannteren unbekannten Bands: Leipziger Duo Byebye mit neuem Album

In Leipzig gibt es fraglos unbekanntere Bands als Byebye. Und auch bundesweit haben Oliver Haas und Tim Ludwig auf Slambühnen und in mehr als 200 Wohnzimmerkonzerten in den vergangenen Jahren etliche Anhänger gesammelt. Trotzdem heißt ihr am Freitag erscheinendes zweites Album nicht ohne Grund „Eine dir unbekannte Band“.

Sie machen selbst aus einer großen Bühne ein Wohnzimmer: Byebye live

Quelle: Christina Groß

Leipzig. Gerade in Leipzig dürfte der Plattentitel nicht unbedingt auf alle Hörer zutreffen, in deren CD-Spielern jetzt das neue Byebye-Album rotiert. „Eine dir unbekannte Band“ lautet die Überschrift, doch Oliver Haas und Tim Ludwig genießen in der Musikszene ihrer Heimatstadt seit drei, vier Jahren durchaus eine gewisse Popularität. „Aber dann passt der Titel ja trotzdem“, entgegnen die beiden. „Er lässt sich auch so verstehen, dass wir auf dem Album ein paar unbekannte Seiten von uns zeigen“, sagt Tim Ludwig und grinst.

Eine politische Seite beispielsweise. „Komm schon“ ist so etwas wie der erste Protestsong des Duos – ein Lied, das in erster Linie gegen die eigene Schwerfälligkeit demonstriert, sich mal quer zu stellen. „Wir wollen die Leute nicht mit erhobenem Zeigefinger belehren, vielleicht trifft es aber hier und da einen Nerv“, stellt Oliver Haas klar. Eine Belehrung würde auch nicht zu der guten Laune passen, die Byebye auf dem Album fabrizieren – was wiederum nach ihrer Debüt-EP 2012, der ersten Langspielplatte 2013 und unzähligen Konzerten drumherum eine Seite der Band darstellt, die sehr wohl bekannt ist.

Es ist allerdings kein Selbstläufer, dass die neue Platte trotz tiefsinniger und ab und zu auch trauriger Texte wieder eine beeindruckende Leichtigkeit verströmt: Drei Monate haben sie sich komplett aus allem rausgenommen, um an dem Album zu basteln. Keine Konzerte, keine Promo-Termine, keine anderen Verpflichtungen. „Das wollten wir uns leisten“, sagt Haas. „Leisten“ im wörtlichen Sinn: Der 28-Jährige und sein 33-jähriger Bandkollege leben von der Musik, sprich in erster Linie von ihren Konzerten. Ludwig gibt zudem Gitarrenunterricht, neuerdings auch an der Hochschule für Musik und Theater.

Plattenkritik: Lebensklugheit mit Liebe zum Detail

Byebye sind eine Album-Band im besten Sinne. Wer also bei irgendwelchen Streaming­diensten nach zwei Liedern anderswo klickt, ist selbst schuld. Schon, weil mit „Sicher wie noch nie“ eine enorm entspannt groovende Nummer den zweiten Langspieler des Leipziger Duos am Ende von gut 50 abwechslungsreichen Minuten erst krönt. Wobei Oliver Haas und Tim Ludwig bereits zu Beginn mit einem Ohrwurm mitreißen: Das Eröffnungsstück „Jeder Hype geht vorbei“ zeugt überdies gleich vom Sprachwitz der beiden – und von einer angenehmen Abgeklärtheit den Dingen des Lebens gegenüber. Lebensklugheit durchzieht das gesamt Album; aber nicht nur, um auf die Texte zu achten, lohnt es sich, mal über Kopfhörer zu lauschen. In den ausgeklügelten Arrangements verstecken sich zahlreiche tolle Gitarren-Ideen. Im Kern sind Byebye nunmal selbst in Fünfer-Besetzung zwei singende Gitarristen. Und „Eine dir unbekannte Band“ ist eben nicht nur eine Aneinanderreihung von feinen Pop-Liedern. Sondern ein echt feines Album.

In ihrem „Stubio“ – dem Studio in der Stube – feilten sie so ausgiebig an den Liedern, dass am Ende freilich doch wieder Zeitdruck entstanden sei, erzählen sie. „Immerhin handelt es sich um so etwas wie unsere Tagebucheinträge in Song-Form“, so Haas. „Da entwickelt man einen gewissen Perfektionismus.“ Ihn hat das Gitarren- und Gesangsduo gemeinsam mit Bassist Daniel Bätge, Keyboarder Alexander Krause und Schlagzeuger Johannes Ziemann in Lieder übersetzt, die bei jedem Hördurchlauf neue Details offenbaren.

Ab Freitag bringt ein bundesweiter Vertrieb das Album überall in die Plattenläden – erstmals bei Byebye. Während Oliver Haas die meiste Musik komponiert und fast alle Texte geschrieben hat, tritt Tim Ludwig in erster Linie als Arrangeur in Erscheinung – eine Arbeitsteilung, die aber rasch dazu geführt habe, dass sich auch die Songs des jeweils anderen wie die eigenen anfühlten, wie sie sagen. Dass sie musikalisch im selben Takt ticken, haben die beiden gebürtigen Leipziger vor fünf Jahren in Frankreich gemerkt. Beide hatten sie gerade ihre Lehramtsstudiengänge abgeschlossen, aber nicht wirklich große Lust darauf, nun Lehrer zu werden. Tim Ludwig, seinerzeit vor allem als Sänger und Gitarrist des Leipziger Soul-Schwergewichts Schwarzkaffee unterwegs, war mit seiner damals anderen Band Quite A Handful auf Tour, und die Gruppe engagierte Oliver Haas als Babysitter. Abseits der Bühne entstanden zwei erste Byebye-Lieder, bevor es Byebye überhaupt gab. Eines davon – „Irgendwo im Nirgendwo“ – sollten sie ein gutes Jahr später mit 70 Fans und Freunden im Clara-Zetkin-Park flashmobmäßig in einem vielbeachteten Videoclip in Szene setzen.

Konzerte in Stuben, Küchen, Fluren, Garagen und Gärten

Byebye haben seither mit mehreren aufwendigen Musikvideos von sich reden gemacht. Für „Cabrio im Regen“ inszenierten sie einen Verkehrsstau, und auch zum neuen Stück „Leinen los“ sammelt ein Clip, in dem die beiden unter anderem auf der Nordsee segeln, bereits seine Klicks auf Youtube. „Die Menschen entdecken Musik heute visuell“, erklärt Haas, und Ludwig fügt an, dass „wir selbst wirklich Spaß an den Drehs haben“. Gut für Byebye, dass die Leipziger Filmfirma Lumalenscape einen Narren an ihnen gefressen hat und die Video-Produktionen als eine Art von Bandförderung begreift.

Wobei Oliver Haas und Tim Ludwig ihre Musik auch alleine längst mit einer außergewöhnlichen Idee im Land verbreiten. Nach dem Motto „Wir bringen die Musik mit – und du das Publikum“ haben Byebye mehr als 200 Wohnzimmerkonzerte gegeben, in 40 Städten in Stuben, Küchen, Fluren, Garagen und Gärten immerhin vor 7000 Menschen gespielt. Wenn man bedenkt, dass sich so etwas herumspricht und noch ihre Clubkonzerte und etliche (meist erfolgreiche) Auftritte auf Slambühnen dazuzählt, dürfte es sich um eine der bekannteren unbekannten Bands in Deutschland handeln.

„Nebenbei sieht man auf so einer Wohnzimmertour unglaublich viel vom Leben“, erzählt Ludwig. „Wir machen ja für unsere Gastgeber nicht nur Musik, sondern nisten uns bei ihnen ein.“ Das Lied „Für den Moment“ handelt von ihren Erlebnissen. „Ich bin so weit weg, aber irgendwie zu Hause“, lautet eine Zeile der mitreißenden Vorwärtsnummer. Der Refrain verbreitet eine Botschaft, die gern für jede Byebye-Nummer Gültigkeit beanspruchen darf: „Eine mir unbekannte Band / spielt den perfekten Song für den Moment“. Funktioniert übrigens selbst dann noch, wenn man ein paar ihrer Seiten bereits kennengelernt hat.

Byebye: „Eine dir unbekannte Band“ erscheint am Freitag bei „Kopf an, Tür auf“ im Vertrieb von Broken Silence. Ab Oktober geht die Band in Fünfer-Besetzung auf Tour. Unter anderem tritt sie am 14. Oktober im Objekt 5 (Halle) und am 12. November im Leipziger Werk 2 auf, Vorverkauf 13,10 Euro; www.byebyemusik.de

Von Mathias Wöbking

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