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Eine nicht nur metaphorische Wanderung Richtung Estland: „Vanavanemad“

Premiere im Lindenfels Westflügel Eine nicht nur metaphorische Wanderung Richtung Estland: „Vanavanemad“

Zwei junge Estinnen, die sich im Lindenfels Westflügel auf die Fährte ihrer Vorfahren machen. Es dauert etwas, bis das von Christiane Zanger inszenierte Stück „Vanavanemad – Unterwegs zu den Altältern“ bei sich ankommt. Doch dann hat das Spiel das Premieren-Publikum am Donnerstagabend im ausverkauften Haus in seinen Bann versetzt.

„Rückwärts in die Zukunft tanzen“: Merike Paberits (links) und Kadri Kalda.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Wir tanzen rückwärts in die Zukunft mit euch.“ Auch ein Versprechen. Gegeben wird es in „Vanavanemad – Unterwegs zu den Altältern“, dem Stück, mit welchem am Donnerstag im ausverkauften Westflügel die Winterspielzeit eröffnete wurde. Und das, so Regisseurin Christiane Zanger, ein „Wunschkonzert, ein Spiel um Imitation und Identität, mit dem Geschmack von Herkunft in bewegter Zeit“ darbiete.

Der Geschmack von Herkunft in bewegter Zeit – in „Vanavanemad“ entspricht er dann wohl am ehesten dem von Pellkartoffeln und Wodka. Zu beidem wird am Ende der Inszenierung das Publikum eingeladen. Von Kadri Kalda und Merike Paberits, den zwei jungen, estnischen Performerinnen, die in den gut 70 Minuten zuvor den geneigten Zuschauer auf eine Wanderung zur Geschichte ihrer Familien wie zu der ihres Landes mitnahmen.

Warum das Ganze nun allerdings auch als Wanderung, oder, wie es der Theaterkenner auf der Höhe des Zeitgeistes formulieren dürfte, als „Walk-Act“ durchs Westflügel-Haus beginnen muss, ist dramaturgisch bestenfalls bedingt plausibel. Vielleicht, damit man in Bewegung ist in „bewegter Zeit“. Wobei man damit aber letztlich auch hier eher auf der Stelle tritt. Etwa auf halber Treppe im Foyer – was zur Geduldsprobe auch ob der Videoprojektion eines Konzertmitschnitts wird.

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Die neue Westflügel-Inszenierung „Vanavanemad“ beginnt im Foyer des Theaters – und kommt übers Treppen haus erst allmählich im Saal – und bei sich – an.

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Zu sehen und zu hören ist Tõnis Mägi, seit nun mehr 40 Schaffensjahren wohl inzwischen schlichtweg der „Estonian Rockstar“, welcher zur gravitätischen Melodei überm Trommelwirbelrhtyhmus viel Poesie à la Morgenröte, Freiheit und Heimatland zum Besten gibt. Und bei allem Verständnis für die Gefühlsregungen eines Volkes wie dem der Esten, das derlei aus guten, sprich historischen Gründen, beschwört: Patriotisches Pathos ist nie poetisch und klingt eben auch in diesem Fall eher nach Kitsch denn Kunst.

Dass man sich wenig später an den Händen fassen soll, auf dass man hinauf in den Bühnensaal tanze, macht es nicht besser. Wohl aber, dass Kalda und Paberits die ganze Angelegenheit unterm Strich immerhin mit Charme und auch ein wenig Ironie abfedern. Um dann bald, im Bühnenlicht vor sitzenden Zuschauern, endlich auch angekommen zu sein scheinen: bei sich, bei dieser Inszenierung.

Bei den Wanderungen durch die Zeit. Den Alltags-Artefakten, den Bildern der Großmütter, den auch sehr persönlichen, sehr anrührenden Erinnerungen und dem, was lange vor diesen Erinnerungen liegt. Und je weiter zurück man geht oder je tiefer man gräbt in den Schichtungen der Zeit, desto intimer, fokussierter wird interessanterweise diese Inszenierung.

In der die Musik ein diesbezüglich ganz wesentlicher Transmitter ist. Mit Sackpfeife, Flöte oder einfach mit Gesang beschwört sich in alten, wehmütigen Volksliedern eine Atmosphäre, die ahnen lässt, wie das gehen könnte: „rückwärts in die Zukunft zu tanzen“. Wohlgemerkt: das Publikum sitzt dabei. Versunken und gebannt.

„Vanavanemad“, erneut Freitag und Samstag, je 20 Uhr, Lindenfels Westflügel (Hähnelstraße 27), Karten für 12/8 Euro: 0341 2609006; www.westfluegel.de

Von Steffen Georgi

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