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Einer, der nichts mehr beweisen muss - Eric Burdon und die Animals im Haus Auensee

Einer, der nichts mehr beweisen muss - Eric Burdon und die Animals im Haus Auensee

Es kommt die Zeit, in der sich für jeden Rockstar die Frage stellt, wie lange er noch auf der Bühne stehen will. Bis zur Unendlichkeit, hoffen wohl viele. In den meisten Fällen lautet die Antwort: bis zur Bedeutungslosigkeit.

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Erfrischend unprätentiös und entspannt: Eric Burdon im Haus Auensee.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Und so passiert es nicht selten, dass Legenden von einst klingen, wie ihre eigene Coverband.

Eine Legende von einst ist Eric Burdon - seit 1995 ist er in der Rock 'n' Roll-Hall-of-Fame. So ziemlich alle Höhen und Tiefen eines Starlebens hat der in Newcastle geborene Altrocker schon aus nächster Nähe gesehen. Vielleicht wirkt er auch deswegen wie einer, der sich diese Frage nicht mehr stellt, sondern einfach Spaß dabei hat, auf der Bühne zu stehen.

Dass der Frontmann der Animals das auch heute noch zu Recht tut, bewies er am Sonntagabend im Leipziger Haus Auensee - und er wirkte dabei erfrischend unprätentiös und entspannt. Im Olymp angekommen war Burdon schon 1965, als "House Of The Rising Sun" die Hitparaden der Welt dominierte. Damals war er 24. Am Ende schien er bereits knapp sechs Jahre später, als er nach einer Show mit einen Asthmaanfall zusammenbrach. Fortan plagten ihn Atembeschwerden - es schien das Aus zu sein für seines unverwechselbare Stimme. Burdon gründete in den 80ern eine Live-Band nach der anderen, tingelte mit den alten Hits über kleinere Bühnen, leistete sich peinliche Auftritte und Verhaftungen wegen Drogenbesitzes.

Vielleicht macht ihn das heute souveräner und entspannter als je zuvor. Nicht ohne Selbstironie eröffnet er den Abend mit "When I Was Young" und röhrt mit heiserer Stimme ins Mikrofon "I Smoked My First Cigarette At Ten". Auffallend arm an großen Hits, dafür reich an Spielfreude präsentieren sich die Animals an diesem Abend. Im offenen Sakko und mit der Sonnenbrille steht Burdon da und wippt mit den Füßen, dreht Pirouetten und tanzt über die Bühne. Noch immer hat er die wohl schwärzeste Stimme eines weißen Rock- und Soulmusikers, auch wenn die höchsten der hohen Töne nicht mehr ganz so gerade stehen wollen.

Das Publikum scheint zum größten Teil aus Fans zu bestehen, die ihren Helden durch seine Höhen und Tiefen begleitet haben, und denen der Frontmann längst nichts mehr beweisen muss. Im Januar hat Burdon mit "Til Your River Runs Dry" ein Spätwerk veröffentlicht, dass ihn auch im hohen Alter noch als guten Songschreiber zeigt. Stücke wie "Water" und das großartige "Bo Diddley Special", mit dem Burdon der 2008 verstorbenen Boogie und Blues-Legende die letzte Ehre erweist, reihen sich nahtlos ein in Klassiker wie "Spill The Wine" aus der War-Ära oder "River Deep, Mountain High" aus der Hippiephase in den späten 60ern.

Der Frontmann stellt sich immer wieder in die zweite Reihe und bietet seiner siebenköpfigen Band großzügig Raum für ausufernde Improvisationen. In einem furiosen Medley wandert der Meister selbst durch die Jahrzehnte seines Schaffens und zitiert dabei virtuos aus den Stücken seiner eigenen Helden. "Black Dog", ein krachender Bluesrocker aus Burdons Feder, nicht zu verwechseln mit dem Led-Zeppelin-Stück, geht fließend über in den Animals-Klassiker "We Gotta Get Out Of This Place". Doch damit nicht genug: Das Medley kippt plötzlich in "Why Can't We Live Together", Timmy Thomas' Funk-Hymne der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung und endet mit "River is Rising" vom aktuellen Album. Zum Finale erklingen die Akkorde, auf die der Saal gewartet hat: "House Of The Rising Sun". Wer hätte gedacht, dass Burdon mit 72 noch über solch ein Stimmvolumen verfügt?

Nach kurzweiligen eineinhalb Stunden verlässt der Altrocker unter tosendem Jubel die Bühne. Doch rund 2000 Fans wollen ihn nicht gehen lassen und applaudieren ihn noch zwei weitere Male zurück vors Mikrofon. Sebastian Münster

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.12.2013

Sebastian Münster

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