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Einer gegen alles: Symbolreiches Leipziger Konzert des Schauspielrappers Alligatoah

Haus Auensee Einer gegen alles: Symbolreiches Leipziger Konzert des Schauspielrappers Alligatoah

Ob Wegwerf- und Drogengesellschaft, Kriegstreiberei, Rassismus oder Intoleranz – Alligatoah singt dahin, wo es wehtut – Samstagabend mit einer großen Show im ausverkauften Haus Auensee.

Himmelsflieger Lukas Strobel, 27, alias der antike Heerführer Alligatoah mit BeraterBoi Basti und zwei beflügelten Musikern der Terroristischen Live Kapelle in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Vorhang auf. In einer antiken Rüstung und einem Streitwagen gezogen von Engeln eröffnet der Meister sein „Himmelfahrtskommando“-Konzert in Leipzig. Volle Ladung Symbolik. Darunter macht es Alligatoah nicht.

Am Samstagabend begeisterte der selbst ernannte „Schauspielrapper“ seine Fans im ausverkauften Haus Auensee mit seinen ironischen Breitseiten, zumeist vom aktuellen Album „Musik ist keine Lösung“. Auf die Suche nach Gott begebe er sich da über die Wolken, verkündet „Herr Gatoah“ – immer in Begleitung seines treuen Dieners und Untergebenen „BeraterBoi Basti“ und der vier Mitglieder der Terroristischen Live Kapelle, die mit Engelsflügeln und Sprengstoffgürteln an Alligatoahs Zügeln hängen. Ob er jedoch tatsächlich nach Gott sucht und sich nicht eher selbst als Alternative zur Verfügung stellt, ist eine andere Frage.

Das Publikum jedenfalls feiert den Bühnen-Protz und die provokanten Texte des Deutschrappers, wobei man sich bei den jüngsten Konzertbesuchern – einige sind gerade erst Teenager – fragt, ob sie überhaupt die Mehrdeutigkeiten und dreisten Aphorismen in den gesellschaftskritischen Liedern schon verstehen. Seinem Publikum hält Alligatoah bei „Du bist schön (aber dafür kannst du nichts)“ wortwörtlich den Spiegel vor, was nichts an der ausgelassenen Stimmung der Zuschauer ändert – im Gegenteil. Bei Songs wie „Narben“, „Lass liegen“ und „Fick ihn doch“ ist die Stimmung auf dem Höhepunkt.

Den Zuspruch genießt Alligatoah

Zwischendurch greift der 27-Jährige selbst zur Gitarre oder tanzt ausgiebig. Alligatoah genießt den Zuspruch sichtlich, obwohl er einmal bittet: „Mama, kannst du mich abholen“ – ein bitterböser Song über zwei Gotteskrieger, die die Hosen voll haben und nur noch nach Hause wollen.

Nichts ist sicher vor Wut und Witz des gebürtigen Niedersachsen. Einer gegen alles: Ob Wegwerf- und Drogengesellschaft, Kriegstreiberei, Rassismus oder Intoleranz – Alligatoah singt dahin, wo es wehtut, nimmt sich, wie er singt, „das Recht, mich zu beschweren“.

Mit seiner Begleitung, BattleBoi Basti, der zuvor auch schon als ButlerBoi fungierte, harmoniert er prächtig – Musik ist eben doch eine Lösung, was auch für die Terroristische Live Kapelle gilt. Seit 2011 ist Alligatoah wie sein BeraterBoi beim Label Trailerpark und Teil der gleichnamigen, vierköpfigen, rappenden Boyband, von denen er im Laufe des Konzertes ein Medley präsentiert, darunter der mit allen nur denkbaren Macho-Klischees aufgeladene Hit „Bleib in der Schule“. Auch Timi Hendrix, ein weiteres Trailerpark-Mitglied lässt sich auf der Bühne blicken und performt mit Alligatoah den gemeinsamen Song „Trostpreis“.

Ein Goldenes Kalb auf den Wolken

Schon zu Beginn hatte Alligatoah empfohlen: „Schwingt die Hüfte. Lasst euch gehen.“ Aber auch gewarnt, dass man es nicht übertreiben solle: „Sonst werden die Handyvideos verwackelt. Was? Ihr macht keine Handyvideos? Nicht, dass ihr noch etwas vom Konzert habt!“ Handyvideos, das nur nebenbei, dürften bei dieser Show massenhaft entstanden sein.

Unterdessen wechseln die Bühnenbilder, während hinter Band und Sängern kurzzeitig wieder der Vorhang runtergekommen ist. Statt des Streitwagens parkt dann ein Goldenes Kalb auf den Wolken, das auch als Reittier benutzt wird. Schließlich nimmt ein gigantischer Heißluftballon die ganze Bühne ein.

Bevor der am Ende des Konzerts präsentiert wird, teilt der Rapper dem nach einer Zugabe rufenden Publikum mit: „Ich wiederhole mich nur ungern“, woraufhin die Zuschauer mit „Wie bitte?“ antworten. Dieses Spiel – Teil des Songs „Hab ich Recht“ – wird dann, wer hätte es gedacht, einige Male wiederholt, bis Herr Gatoah dann schließlich nachgibt und sein wahrscheinlich bekanntestes Lied „Willst du“ von seinem vorherigen Album „Triebwerke“ und „Musik ist keine Lösung“ singt. Sein Publikum entlässt er mit den Zeilen „Die Menschen sind nicht böse, die Menschen sind nur dumm“.

Was die Sache nicht unbedingt besser macht – auch wenn alle mitsingen.

Von Amelie Kleindienst

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