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Einer von 40 Neuzugängen im Grassi: Rosi Steinbachs Büste von Neo Rauch

Dauerausstellung Einer von 40 Neuzugängen im Grassi: Rosi Steinbachs Büste von Neo Rauch

Jetzt hat auch das Leipziger Grassimuseum für Angewandte Kunst einen Neo Rauch. Nein, kein Werk von ihm, sondern eines, das ihn darstellt. Gestern wurde neben rund 40 weiteren Neuzugängen die Keramikbüste „Neo“ von Rosi Steinbach in der Dauerausstellung präsentiert.

Museumsdirektor Olaf Thormann mit einem Relief von Gerhard Altenbourg.

Quelle: André Kempner

Leipzig, . Jetzt hat auch das Leipziger Grassimuseum für Angewandte Kunst einen Neo Rauch. Nein, kein Werk von ihm, sondern eines, das ihn darstellt. Am Donnerstag wurde neben vielen anderen Neuerungen die Keramikbüste „Neo“ von Rosi Steinbach in der Dauerausstellung präsentiert. Mit „Spinnerei“-T-Shirt, fast lebensgroß bis zur Schulter, Seite an Seite mit einer ebenfallsvon der Leipziger Künstlerin geschaffenen Büste des Kollegen Sebastian Gögel entlässt „Neo“ jetzt freundlich lächelnd den Besucher am Ende der drei Rundgänge durch über 2500 Jahre Kunstgeschichte.

Der Sammler Thomas Rusche hatte Steinbach, deren zuweilen leicht an der Kitschgrenze balancierenden Porträt-Büsten und Tier-Skulpturen inzwischen über Leipzig hinaus für Aufmerksamkeit sorgen, gefragt, ob sie nicht auch Rauch verewigen wolle. Sie wollte, und er ließ es zu. Steinbach machte zunächst Fotos des Künstlers, entwickelte eine Rohfassung, die sie dann bei einem längeren Besuch in Rauchs Atelier in der Spinnerei mit dem Original abglich. „Es entscheiden ein paar Millimeter darüber, ob jemand lächelt oder skeptisch guckt. Millimeter entscheiden auch darüber, ob eine Büste realistisch wirkt. Je länger man sich mit einem Gesicht beschäftigt, desto rätselhafter wird es. Gerade bei Neo. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht restlos klären kann, wer er ist“, sagte Rosi Steinbach in einem Interview.

Insgesamt entstanden von Herbst 2014 bis Frühjahr 2015 fünf Büsten, die den Maler – erkennbar – mit verschiedenen Gesichtsausdrücken und Kleidung zeigen. Eine ging an Rusche, eine an einen Leipziger Sammler, und eine konnte das Grassimuseum mit Unterstützung ankaufen. Zwei bleiben erstmal in der Galerie Josef Filipp, die Steinbach vertritt. Von morgen bis zum 16. April sind dort Arbeiten von ihr in der Ausstellung „Tutti Frutti“ zu sehen.

40 Neuzugänge in der Dauerausstellung

„Neo“ ist nur einer von rund 40 Neuzugängen in der Dauerausstellung am Johannisplatz, die meisten fanden im Rundgang „Jugendstil bis Gegenwart Platz“. Olaf Thormann, seit 1. September Nachfolger von Eva-Maria Hoyer beginnt behutsam, eigene Akzente zu setzen. „Eine ständige Ausstellung ist ein lebendiger Organismus, ,ständig’ heißt nicht ,Staub ansetzen’“. Einige der hinzugekommenen Stücke würden wohl nur echten Kennern unter den Besuchern auffallen, gelbe Aufkleber „Neu in der Ausstellung“ lenken aber in den nächsten Wochen dezent den Blick. Zum Beispiel auf eine Wiener Jugendstil-Sitzbank von Gustav Siegel, elegant flankiert von einem Thonet-Blumen- und Büstenständer. Oder Bauhaus-Kindermöbel von Erich Dieckmann und eine Silber-Kugelkanne von Harald Nielsen.

Wichtig sei ihm auch, das wechselseitige Durchdringen von Bildender und Angewandte Kunst in der Ausstellung zu zeigen, sagte Thormann. So konnten ein Kupferrelief von Gerhard Altenbourg aus dem Jahr 1970 und eine Videoarbeit von Alba D’Urbano und Tina Bara erworben werden. Witzig in Titel und Ausführung ist die Arbeit „Sieben Löffel (Sieben Todsünden) aus der Serie Laster und Löffel“ von der Grassipreisträgerin Gabi Veit. Hier darf jeder selbst spekulieren, welche Löffel etwa Geiz, Wollust und Völlerei abgeben sollen.

Callenberger Altar bald wieder komplett

Interessante Updates warten auch im Rundgang „Jugendstil bis Gegenwart“ darauf entdeckt zu werden. Nicht zu übersehen ist ein Kleiderschrank, ein in Leipzig entstandenes Meisterstück aus dem frühen 19. Jahrhundert. Etwas suchen muss man schon bei einem Böhmischen Glas mit der Ansicht des Grimmaischen Tors in Leipzig. Noch gar nicht zu sehen ist eine spektakuläre Neuerung, für die hinter den Kulissen lange verhandelt wurde und die noch vom Leipziger Stadtrat abgesegnet werden muss. Eigentlich ist es eine Wiedervereinigung: Seit 1901 besitzt das Grassimuseum den Mittelschrein eines um 1512/13 geschaffenen für die Callenberger Kirche geschaffenen Triptychons. Geschaffen wurde das Werk von Peter Breuer, der als bedeutendster Bildschnitzer der Spätgotik im westsächsischen Raum gilt. Die Flügel, die Relieffiguren der Apostel Petrus und Paulus zeigen, waren bereits um 1860 ins Schloss Hinterglauchau verkauft worden, derzeit befinden sie sich im dortigen Museum, waren jetzt im Zuge eines Restitutionsverfahrens der Familie der Grafen von Schönburg-Glauchau zugesprochen worden, die wiederum zum Verkauf bereit war. Jetzt konnte das Geld für einen Ankauf zusammengebracht werden. „Uns war wichtig, das im Einvernehmen mit den Glauchauern hinzubekommen“, so Thormann.

 

Von Jürgen Kleindienst

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