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Einmal Dirigent - Maximilians Traum wird wahr

Einmal Dirigent - Maximilians Traum wird wahr

Im Gleichschritt, links, zwei, drei, vier. Das ukrainische Militärorchester marschiert in akkurater Vierecks-Formation durch die Schloss-Kulisse und bläst voller Kraft in die Instrumente.

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Alles hört auf sein Kommando: Maximilian Karl Schmidt beim großen Finale.

Quelle: André Kempner

Auf der Bühne warten bereits zwei Offiziere an E-Gitarre und Schlagzeug. Das Viereck hält an, Männer in glitzernden Pumphosen geben einen folkloristischen Tanz zum Besten. Umschwung zum "Gangnam Style": Begeistert klatschen die überwiegend älteren Zuschauer in der ausverkauften Arena Leipzig im Takt.

Das also ist sein Publikum. Maximilian Karl Schmidt kommt gerade vom Sanitätsdienst in der Thomaskirche und wirft einen kurzen Blick auf die Bühne. Langsam stellt sich Aufregung ein. Der 16-Jährige hat bei einer Aktion der LVZ gewonnen und darf am Sonnabend im Finale der internationalen Musikparade den Radetzky-Marsch dirigieren. "Ich habe den ganzen Morgen vor dem Computer geübt", erzählt der Thomasschüler. Immer und immer wieder habe er sich den Marsch auf Youtube angeschaut. Ungewöhnlich findet er sein Interesse an Militärparaden nicht; er interessiere sich nun mal sehr für klassische Musik, spielt seit sieben Jahren Klavier. Nun steht er im Backstage-Bereich und wartet auf jemanden, der ihm die Garderobe aufschließt. "Ich werde meine Uniform vom Internat in England tragen. Da gehörte Militärunterricht zum Pflichtprogramm." An der englischen Schule hat er auch schon einen Chor geleitet, als 14-Jähriger. Während der junge Leipziger in seine Uniform schlüpft, ist Show-Pause.

Aus dem Saal strömen Menschenmengen. Ein Japaner steht etwas verloren im Gedränge. "Ich bin mit einem Arbeitskollegen hier, er wollte mir einmal diese Musik zeigen", berichtet der 31-Jährige Takahiro Matsumoto. "In Japan gibt es so etwas nicht." Er lächelt und fügt leise hinzu: "Es ist schon ein bisschen verrückt, aber irgendwie mag ich es."

Vor dem Backstage-Bereich steht Maximilian in Tarnhose, Armeestiefeln, einem Hemd mit einem Abzeichen aus Sedbergh. Er gibt seinem Vater letzte Instruktionen für die Filmaufnahmen mit dem Handy. Vater und Sohn teilen die Leidenschaft für die Militärmusik. Der Rhythmus gefalle, der Gleichschritt. Zum Dirigenten-Gastspiel des Sohnes meint Karl-Heinz Schmidt: "Das ist enorm für sein Alter." Und was denken die Freunde? "Die finden es, glaub ich, ganz cool", sagt Maximilian. Zumindest nach dem ersten Feedback auf Facebook zu urteilen. "Und ein bisschen schräg sein, ist doch gar nicht so schlecht." Jetzt muss er sich noch letzte Tipps vom Profi-Kollegen holen. "Den Takt zu halten, während das Publikum klatscht, das wird am schwierigsten. Und ich weiß immer noch nicht, wie ich den Schluss hinkriegen soll. Das ist ja kein Dreiviertel-Takt."

Im Saal heizt derweil das holländische Militärorchester ein, es dröhnt bis in die letzten Ecken des Saals. Tosender Applaus, die Begeisterung treibt eine Frau mittleren Alters aus ihrem Sitz. Dann endlich: das Finale! Alle Orchester - aus Russland, der Ukraine, aus Tschechien, Kanada, Schottland, Holland und Deutschland - reihen sich auf. Maximi-lian atmet noch einmal tief durch, nimmt auf der Bühne den Dirigenten-Stab entgegen und klettert auf das Pult. Auf sein Kommando hin setzen die Musiker die Instrumente an. Sein Auftritt wirkt souverän. Das Publikum klatscht mit, der junge Dirigent lässt elegant die Hände durch die Luft kreisen. "Den Takt hat er gehalten", findet Mutter Antje. "Ob das Orchester ohne ihn anders gespielt hätte, weiß ich jetzt nicht, aber es sah sehr gut aus." Nach drei Minuten heißt es Abmarsch für Maximilian, 400 Musiker im Gefolge. Und im Klatsch-Takt des Publikums geht es links, zwei, drei, vier, Richtung Ausgang.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.03.2013

Lisa Berins

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