Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Elegant, kostbar, sinnlich: Leipziger Grassimuseum zeigt Werke des Art déco

Neue Ausstellung ab Samstag Elegant, kostbar, sinnlich: Leipziger Grassimuseum zeigt Werke des Art déco

Der Stil war zu seiner Zeit so erfolgreich wie geschmäht: Im Grassimuseum für Angewandte Kunst ist ab Samstag eine Auswahl von Objekten des deutschen und internationalen Art déco zu sehen. Gezeigt werden Vasen, Gefäße, Uhren, Leuchten und Bestecke aus den Jahren 1910 bis 1935. Und zwar am perfekten Ort: in der Art déco-Pfeilerhalle des Museums.

Tee- und Kaffeeservice aus der Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Selten passen Räumlichkeit und Ausstellungsthema so perfekt zusammen. Die Pfeilerhalle des Grassimuseums wurde noch vor anderen Teilen des Gebäudekomplexes 1927 mit der großen Schau „Europäisches Kunstgewerbe“ eröffnet, die quasi einen Ersatz für die Abwesenheit Deutschlands bei der Pariser „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industiels Modernes“ von 1925 darstellte, jenem Großereignis, von dem Jahrzehnte später der Begriff Art déco abgeleitet wurde. Die Halle mit ihren dreikantigen Vitrinenpfeilern, den zackigen Leuchten und Brüstungen und der Farbigkeit in Rot und Gold ist selbst das größte Exponat der neuen Wechselausstellung, so wie das gesamte Grassi mit der Ananas-Krone als Musterbeispiel des Stils gelten kann.

Der Überblick über die verschiedenen Ausrichtungen dieser Modewelle wird durchweg aus eigenen Beständen des Museums bespielt, die erst vor Kurzem durch die Schenkung des Chemnitzer Sammlers Thilo Götz ergänzt werden konnten. Manche Stücke wurden aber schon in den 1920er Jahren frisch aus der Werkstatt bei Grassimessen und anderen Gelegenheiten erworben.

Im Grassimuseum für Angewandte Kunst ist ab 07.11.2015 eine Auswahl von Objekten des deutschen und internationalen Art déco zu sehen. Gezeigt werden Vasen, Gefäße, Uhren, Leuchten und Bestecke aus den Jahren 1910 bis 1935. Und zwar am perfekten Ort: in der Art déco-Pfeilerhalle des Museums. Fotos: André Kempner

Zur Bildergalerie

Aussparungen aber sind unvermeidlich. So besitzt das Museum zwar einige Kleidungsstücke aus der Zeit, kann sie aber aus konservatorischen Gründen nicht zeigen. Pappkameradinnen und eine Beamer-Projektion müssen als Ersatz dienen.

Doch an Keramik, Glas- und Metallobjekten, Schmuck und auch Grafik mangelt es nicht, rund 450 Exponate wurden ausgewählt. Auch wenn einige billige Produkte für den Massenbedarf dabei sind, sorgt schon die Dekorliebe und Verspieltheit des Stils für viel Glamour. Manche Dinge sind sowieso der pure Luxus, komponiert aus Mahagoni, Silber, Bernstein und Elfenbein.

Auf der einen Seite der Halle sind hauptsächlich deutsche Arbeiten zu sehen, auf der anderen solche aus anderen europäischen Ländern von Frankreich bis Russland. Regionale Varianten lassen sich durchaus feststellen, doch ein übergreifender Geist des Art déco ist ebenso auszumachen. Der Stil war zu seiner Zeit ebenso erfolgreich wie geschmäht, als Zackenmoderne oder bezüglich der Architektur als „Klöppelspitzen in Beton“ kritisiert. Tatsächlich stand er in Konkurrenz zu den rationalen Bestrebungen, die in Deutschland unter dem Schlagwort Bauhaus subsumiert werden wie auch den nach wie vor sehr starken konservativen Strömungen des Neoklassizismus.

So verwundert es nicht, dass fließende Übergänge zu anderen Tendenzen sichtbar werden. Die Arbeiten aus Skandinavien haben, kaum überraschend, kühle Zurückhaltung. Das silberne Teeservice des Dänen Johan Rhode ist durchaus vergleichbar mit ähnlichen Entwürfen der Bauhaus-Meisterin Marianne Brandt. Die Nähe zum Jugendstil hingegen, den Art déco ja in gewissem Sinne beerbt hat, findet man bei manchen französischen Designern. Eine Tischlampe von Gabriel Argy-Rousseau und auch einige Glasgefäße lassen Vorbilder wie die Kreationen Gallés von der Jahrhundertwende anklingen. Aus der gleichen Zeit hergeleitet, doch deutlich geometrischer sind die Arbeiten der Wiener Werkstätte um Josef Hoffmann. Aus Murano und der Tschechoslowakei sind Glasarbeiten im Geist der Zeit vertreten. Ein Kuriosum ist aber das „Suprematistische Service“ nach Entwürfen von Kasimir Malewitschs.

Die deutschen Beiträge sind den internationalen in der Qualität ebenbürtig, auch wenn sich keine spezifische regionale Schule herausgebildet hat. Dass sich der Stil vor allem für Mode, Schmuck und Haushaltsgegenstände eignete, ist bekannt. Seltenheitswert aber haben die Gestaltungen für technische Produkte wie Kameras oder Taschenlampen.

Nicht nur durch das Gebäude und dessen Historie werden in der Ausstellung lokale Bezüge hergestellt. Aus der Vorläufereinrichtung des heutigen Passage-Kinos stammt beispielsweise eine keramische Verkleidung für Lautsprecher mit amouröser Szene, von der Leipziger Taxi-Genossenschaft ein Fenster.

Dass Art déco sich in die „roaring twenties“ mit der Vorliebe für Kino, Sport, Vergnügung und Geschwindigkeit einordnete, kann in der Ausstellung nur angedeutet werden. Filmvorführungen und andere Teile des Begleitprogramms erweitern den Eindruck.

Art déco. Elegant / Kostbar / Sinnlich im Grassimuseum für Angewandte Kunst, Johannisplatz 5-11; von Samstag bis 3. April 2016, Di-So 10-18 Uhr

Von Jens Kassner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Dreamhack Leipzig

    Auf der Dremhack 2017 treten die besten Computerspieler gegeneinander an. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie. Wie früher und heute im Geist geforscht wurde ist vom 14. September bis zum 16. Dezember 2016 in der Ausstellung "Psychologie in Leipzig - Geburt einer Wissenschaft" zu sehen. Besucher können sowohl Beobachter als auch Versuchsperson sein. Unsere Schau des Monats November! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr