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Elton John legt sich in Leipzig mit Security an

6500 Fans ertragen Sound auf der Messe Elton John legt sich in Leipzig mit Security an

Sir Elton John bereitet 6500 Anhänger einen mitreißednen Nachmittag – und attackiert die Ordner. Geschmälert wurde das Vergnügen zudem durch die teilweise übergroße Lautstärke und schlechten Sound in der Messehalle 1.

Elton John bei seinem einzigen Deutschlandkonzert 2015 auf der Leipziger Messe.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Es ist 17 Uhr und das Konzert eine Stunde alt, als Elton John am Ende der Glamrock-Nummer „Philadelphia Freedom" nach allem anderem als einem Fünf-Uhr-Tee zumute ist. Lieber wird er gleich den Ritter in sich offenbaren, zu dem ihn die Queen Ende der 90er schlug. Bis dahin hat man im sonntäglichen Konzert in Halle 1 der Neuen Leipziger Messe den Eindruck gewinnen können, dass die Notwendigkeit, als Pianist bei der Arbeit zu sitzen, für ihn mittlerweile zu einer willkommenen Form der Gemütlichkeit geworden ist – was angesichts der 68 Lebensjahre des Melodie-Meisters absolut verständlich ist. Etliche Zuschauer werden das nachvollziehen können, auch wenn das Publikum vom Enkel bis zur Uroma alle Generationen umfasst.

Elton John spielte sein einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr in der Messehalle 1 der Leipziger Messe. Bilder: Wolfgang Zeyen

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Mit dem instrumentalen „Funeral For A Friend" vom 1973er Schlüsselwerk „Goodbye Yellow Brick Road", aus dem er gut ein Drittel der zweieinhalb Konzertstunden bestücken wird, hat er zuvor mit seiner hochkarätigen Band pünktlich um 16 Uhr pompös losgelegt, „zu einer unüblich frühen Zeit", wie er gesagt hat. Aber ebenso ungewöhnlich sei ja, dass es sich gerade um den einzigen Auftritt in Deutschland der „All The Hits"-Tour handle. 6500 Zuschauer hat das Ereignis angezogen.

Schon im anschließenden „Love Lies Bleeding" bekommt Gitarrist Davey Johnstone die Gelegenheit zum mitreißenden Solo. Wie Schlagzeuger Nigel Olsson hat Johnstone fast die gesamte Karriere Elton Johns miterlebt. Eine packende Band – schade nur, dass die Halle, in der mit dem Konzert die Festwoche „850 Jahre Leipziger Messen" ihren Abschluss findet, ihrer Bezeichnung alle Ehre macht – wieder einmal: Vor allem für die Zuschauer auf den Tribünen verschwimmt die Musik lauthals im Hall. Eine Komposition wie „Bennie and the Jets", die von ihren abrupten Pausen lebt, wird durch das Echo ebenso komplett zerstört wie die Jahrhundertballade „Candle In The Wind". Und als sich die Musiker in „Levon" ein Solo-Duell nach dem anderen liefern, kommt hinten und oben nur ein einziger Brei an.

Elton John schimpft mit der Security

Vielleicht hat Elton John auch aus diesem Grund nach einer Dreiviertelstunde bei „Believe" – einer von nur zwei Stücken im Programm aus den vergangenen 20 Jahren und erklärtermaßen sein Lieblingstext aus der Feder des kongenialen Bernie Taupin – ein Einsehen. Er signalisiert Richtung Publikum, dass es schon okay sei, jetzt die Sitzordnung aufzugeben und zum Tanzen an den Bühnenrand zu pilgern. Dort, wo nicht nur die Sicht, sondern auch der Klang hervorragend ist. So schwelgen einige Hundert bald im Graben vor der ersten Stuhlreihe zu „Daniel" und rocken zu „Philadelphia Freedom". Sie können dabei sogar einen Blick auf Elton Johns Teleprompter am Flügel erhaschen.

Immer wieder sucht er den einen Zuschauer und dann den nächsten, dem er zuzwinkern kann, er genießt die Nähe sichtlich – poltert jedoch mit einem Mal wutentbrannt vom Klavier und herrscht das Sicherheitspersonal an. Sein sechsfaches „Get Out" schallt durch den Raum, obwohl er ohne Mikro gegen die vollverstärkte Band anbrüllt – als hätte es noch eines Beweises der Stimmgewalt dieses Ritters des Britischen Empires bedurft. „Niemals werden in meinen Konzerten Zuschauer attackiert", ruft er dann ins Mikrofon. Nur sein persönlicher Bodyguard, der auf die Bühne eilt, schützt die Hallen-Security vor dem zornigen Pianisten im Glitzerjackett.

Schon Anfang des Monats hat er im englischen Gloucester die Ordner angeranzt, belehrt, dass man sich nicht in China befinde und sogar mit Hitler verglichen. In Leipzig gesteht er den Männer und Frauen in Schwarz immerhin zu, „dass sie einen Job zu erfüllen" hätten – „aber nicht auf solch abscheuliche Weise". Geradezu paralysiert ziehen die Ordner von dannen – im Jubel der tanzenden Fans. Dass er wie eine Rakete hochgehen kann, hat der Sir nun also bewiesen. Passend dazu stimmt er eine allerdings eher ruhige Version des „Rocket Man" an. Den Applaus dafür holt er sich persönlich, läuft an der ersten Reihe vorbei und klatscht dutzende Hände ab.

Alte Hits statt neuer Songs

Von der aktuellen Platte „The Diving Board" schafft es kein Lied auf die Bühne. Auf das jüngste Stück des Abends, „Hey Ahab" vom 2010er Duett-Album mit Leon Russell folgen vielmehr weitere Hits aus den 70er und 80er Jahren. „I Guess, That’s Why Call It The Blues", „Your Song", „Sad Songs", „Sorry Seems To Be The Hardest Word", „Don’t Let The Sun Go Down" – es ist schon unglaublich, wie viele hinreißende Melodien Elton John in seiner Laufbahn komponiert hat. Zu „Burn Down The Mission" nicken sich die Instrumentalisten freudestrahlend zu, was bei Routiniers dieses Kalibers auch nicht alle Tage passiert.

„Danke, Deutschland, ihr seid seit 47 Jahren die Konstante, nicht die Security", bedankt sich Elton John nach fast zweieinhalb Stunden beim Publikum und stichelt ein letztes Mal gegen das Sicherheitspersonal. Allzu viele Konzerte werde es nicht mehr geben, fügt er noch an, „ich will meine Kinder aufwachsen sehen". Zwar setzt er sich zu „I’m Still Standing" wieder hin, sitzt aber auf einmal nicht am, sondern auf dem Flügel, während auf der Leinwand im Hintergrund ältere Fotos flimmern, die einen schlankeren sowie kahlköpfigeren Elton John zeigen.

Obwohl weder Samstag noch Nacht ist, trifft „Saturday Night’s Alright For Fighting" als letztes reguläres Stück den kämpferischen Geist der Veranstaltung voll und ganz. Perkussionist John Mahon schnappt sich derweil die Kamera eines Fans und schießt eifrig Schnappschüsse. Vor der einzigen Zugabe, „Crocodile Rock", klatscht die Hauptperson weitere Hände ab, verteilt Handküsschen und Autogramme. Die Anhänger danken es ihm und trällern euphorisch den charakteristischen Lalala-Refrain des Krokodil-Rocks.

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