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Endstation Plattenbau - Hübner gibt den Hausmeister

„Anderst schön“ Endstation Plattenbau - Hübner gibt den Hausmeister

Ausgerechnet ein Hausmeister steht im Mittelpunkt dieses ungewöhnlichen ARD-Märchens, das am Freitag im Ersten ausgestrahlt wird. „Anderst schön“, das vom schwierigen Erwachsenwerden erzählt, funktioniert auf wundersame Weise.

Charly Hübner als schüchterner Hausmeister Roger Müller.

Quelle: dpa

Ausgerechnet ein Hausmeister steht im Mittelpunkt dieses ungewöhnlichen ARD-Märchens. Das klingt vielleicht ein wenig absurd, auch der Schauplatz, eine heruntergekommene Schweriner Plattenbausiedlung, ist nicht gerade märchenhaft, dennoch funktioniert „Anderst schön“ auf wundersame Weise. Das Kunststück verdanken wir dem 1979 in Polen geborenen Regisseur Bartosz Werner, dessen viel beachteter Coming-of-Age-Film „Unkraut im Paradies“ 2010 in unseren Kinos lief.

Auch in dieser Tragikomödie wird jetzt wieder – nach einem Drehbuch von Wolfgang Stauch – vom schwierigen Erwachsenwerden erzählt, bloß ist der Protagonist, eben der Hausmeister Roger (Charly Hübner), schon fast 40 Jahre alt, der aber dennoch zusammen mit seiner ständig alkoholisierten Mutter (Renate Krößner) in einer kleinen Wohnung lebt. Schließlich braucht sie ihren Sohn, allein schon wegen des Auffüllens des für sie lebensnotwendigen Schnapsvorrats und um abends sturzbetrunken ins Bett getragen zu werden.

Brauchen tun ihn auch die Leute in seinem Plattenbau, eine sympathische Sammlung von aus der Zeit gefallenen Losern, die alle angenehm skurril gezeichnet sind. Da ist beispielsweise eine verblühte Schlagerdiva, die immer noch von besseren Tagen träumt. Ein ehemaliger Stasi-Schnüffler, der sich nun im lächerlichen Indianerkostüm gegen Abrisspläne in der Siedlung wehrt. Ein alter Witzbold und früherer Geigenbauer, der unter Parkinson leidet. Oder der türkische Koch, ein Vegetarier, der gern mal gerissen Roger übers Ohr haut und dessen Sohn heimlich Hakenkreuze an die Wand schmiert, weil er doch so gerne zur Jugendclique des Viertels gehören möchte. Um all diese Leute kümmert sich Roger aufopferungsvoll, weil er sie alle irgendwie von Herzen mag. Und weil er in seinem tapsig massigen Körper ein liebes Kind geblieben ist.

Doch auch Roger hat einen großen Traum. Schon lange sehnt er sich nach Liebe, bloß weiß er überhaupt nicht, wie man sich Frauen nähert, sie kennenlernt und mit ihnen dann umgeht. Doch schließlich hilft ihm der Zufall auf die Sprünge. Eines Tages zieht nämlich in seinen Plattenbau eine auch nicht mehr ganz junge Frau (Christina Große) samt ihrer 15-jährigen Tochter Jill (Emilie Neumeister) ein. Beide stammen aus Berlin, versuchen ausgerechnet im ziemlich tristen Schwerin nach schmerzhafter Scheidung einen Neubeginn. Als Roger die Frau sieht, ist es sofort um ihn geschehen: Liebe auf den ersten Blick.

Danach erzählt der Film die uralte Geschichte von zwei Menschen, die füreinander geschaffen sind, dies aber beide erst noch erkennen müssen. Auf den Weg zum großen Glück müssen die beiden große Hindernisse überwinden. Dabei hat Roger zum Glück eine Wegbegleiterin: den Teenager Jill, der früh erahnt, was für ein liebenswerter Mensch dieser Hausmeister ist. Und der ihm sogar hilft, in einer sündhaft teuren Kontaktbörse eine Anzeige aufzugeben. Was übrigens für ihn in einer finanziellen Katastrophe endet. Aber auch diese düstere Randepisode, bei der Roger fast den Glauben an das Gute im Menschen verliert, nimmt schließlich eine wundersame Wendung.

All das wird ungewöhnlich leicht erzählt mit wirklich tollen Darstellern. Der Film wirkt trotz der märchenhaften und bisweilen sogar poetischen Grundstimmung stets ungewöhnlich realistisch. Selbst die ostalgisch sentimentalen Töne, die der Film auch anschlägt, stören überhaupt nicht, weil man die Leute aus dieser Plattenbausiedlung einfach mögen muss. Allen voran natürlich Roger, den Charly Hübner preisverdächtig verkörpert. Hübner ist eben nicht nur ein sehr guter Fernsehkommissar („Polizeiruf 110“), sondern auch ein hervorragender Komödiant. Dessen Figur man dann das schöne, aber keineswegs kitschige Happy End natürlich vom Herzen gönnt.

Ernst Corinth

"Anderst schön", Komödie mit Charly Hübner, ARD, Freitag, 20.15 Uhr

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