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Enthüllt: Markus Lüpertz’ Beethoven vor dem Leipziger Bildermuseum

Bronzefigur als Dauerleihgabe Enthüllt: Markus Lüpertz’ Beethoven vor dem Leipziger Bildermuseum

Da steht er nun vor dem Haupteingang des Museums der bildenden Künste in Leipzig: der „Beethoven“ von Markus Lüpertz. Am Freitag wurde die fast drei Meter hohe Bronze enthüllt. Die Skulptur will der 74-Jährige nicht als klassisches Denkmal verstanden wissen, sondern eher als abstraktes Kunstwerk. Sicher scheint schon jetzt: Das Werk wird polarisieren.

Hans-Werner Schmidt (l.) und Markus Lüpertz mit „Beethoven“.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Vor dem Museum parkt sein Bentley. Der Meister trägt schwarzen Anzug. Dazu Einstecktuch, weißer Spitzpart, Stock. Ein Mann wie aus dem Bilderbuch, ein Bild von einem Künstler. Markus Lüpertz (74) hält Hof vor dem  Museum der bildenden Künste in Leipzig, wo es am Freitag Vormittag in Strömen gießt. „Ach, das perlt doch von seiner Aura ab“, meint einer im Publikum und grinst. Wie auch immer. Minutenlang posiert der „Malerfürst“ mit Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt für die Fotografen vor seinem „Beethoven“ aus Bronze, während es von oben prasselt.

Da steht sie nun also vor dem Haupteingang des Museums der bildenden Künste, die Skulptur, die Lüpertz nicht als klassisches Denkmal oder Illustration verstanden wissen will, sondern eher als abstraktes Kunstwerk. „Es geht um die Atmosphäre.“ Und die ist in diesem Werk eher beklemmend, quälerisch. Vorne sieht man eine Beethovenbüste, schlecht gelaunt, wie es sich für den Komponisten gehört, mit blauem Gesicht und wallender Mähne auf kleinem Sockel. Dahinter sitzt eine zweite größere und gequälte Figur. Unter vertrocknetem Lorbeer blickt sie ins Irgendwo. Ein Genius, der dem alten Beethoven in seiner Taubheit und Todesnähe zum Werk verhelfen soll? Nur wie, fragt man sich, wenn ihr doch die Arme fehlen, das zweite Bein unvollständig ist.

Es ist offenbar nicht leicht mit der Inspiration, schon gar nicht im fortgeschrittenen Alter. Lüpertz: „Anders als Mozart, dem alles zufiel, musste olle Beethoven über die volle Distanz gehen. Das ist in meinen Augen eine andere Leistung.“ Eine verrückte Collage in Bronze hat uns der Künstler da hingestellt – 2,74 Meter hoch, über eine Tonne schwer. Im Hintergrund grüßt müde der geschlagene Napoleon von der Plakatwand am Museum. Das passt.

Die Dauerleihgabe eines Sammlers ist der zweite, farblich anders gestaltete Guss einer Plastik, die seit dem vergangenen Jahr im Bonner Stadtgarten steht. Ergebnis einer bereits vor Jahrzehnten begonnenen Auseinandersetzung Lüpertz’ mit dem Leipziger Max Klinger, dessen fulminante Beethoven-Darstellung er immer wieder im Museum besuchte. Sicher ist schon jetzt: Das Werk wird polarisieren. Leipzigs Ex-OBM Hinrich Lehmann Grube findet es schlicht „schlecht“. Er habe im Streichquartett und -quintett viel Beethoven gespielt, „aber ich sehe nicht den geringsten Zusammenhang mit dem Beethoven, den ich kenne, und der darüber stehenden Figur“, sagt Lehmann-Grube, der Bratsche spielt. Auch das Urteil des Leipziger Bildhauers Günther Huniat fällt alles andere als positiv aus: „Er ist ja ein guter Maler, aber wenn er sich in Plastik und Bildhauerei versucht, geht’s daneben. Die Unsicherheit drückt sich für mich auch darin aus, dass er alles bemalen muss. Er will eigentlich ein Bild machen.“

Kulturbürgermeister Michael Faber nimmt in seiner kleinen Rede den absehbaren Diskurs vorweg: Auch im Polarisieren liege der Sinn der Kunst. „Ich wünsche uns und den Besuchern, dass wir uns reiben – an Beethoven, seiner Musik und an der Auffassung eines Künstlers im 21. Jahrhundert.“ Faber sieht in Lüpertz’ Werk eine „Bereicherung“, Museumsdirektor Hans Werner Schmidt einen Anfang – und zwar für einen Skulpturenboulevard, der mit der sich nun ums Museum schließenden Bebauung in den so neuen Passagen entstehen soll.

Lüpertz wiederum ist der Wirbel, den seine Werke auslösen, vertraut. Auch der Bonner Beethoven hat nicht nur Fans. „Aber die Skulptur ist nicht provokant gemeint, obwohl sie provoziert hat. Ich will immer nur das Beste. Ich will, dass man mich liebt, dass man von mir begeistert ist, und deswegen bin ich immer überrascht, dass Leute das ablehnen“, sagt er, aber demonstriert zumindest nach außen hin, dass das dann doch durchaus von ihm abperlt. Dafür ist der langjährige Rektor der Kunstakademie in Düsseldorf, der 2013 mit dem Leipziger Mendelssohn-Preis ausgezeichnet wurde, bei allem Leiden an der Kunst einfach zu cool, zu lässig: „Ich hoffe doch, dass Leipzig da etwas großzügiger und toleranter ist und versucht, das Künstlerische zu sehen, die Absicht.“

Und diese nun auch in Leipzig begonnene „Korrespondenz“ mit Klinger soll fortgesetzt werden. In der Leipziger Spinnerei will er schon bald Räume anmieten. Und der Museums-Neubau fasziniert ihn: „Es ist ein sehr schöner Bau, mit vielen Möglichkeiten. Ich finde ihn hochinteressant. Es gibt viele verzweifelte Versuche von modernem Museumsbau, und das hier ist ein gelungener.“ Also will er hier 2017 einen Dialog seiner Gipse mit denen von Klinger inszenieren, auch um Malerei, die arkadische Landschaft im Sinne des großen Leipzigers soll es geben.

Und in dieser regnet es dann vielleicht mal nicht.

Von Jürgen Kleindienst

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