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"Er verträgt es, persifliert zu werden" - Carolin Masur über Richard Wagner

"Er verträgt es, persifliert zu werden" - Carolin Masur über Richard Wagner

Nach Schiller, Mozart, Shakespeare bringt Regisseur Volker Insel nun den Komponisten Richard Wagner auf die Sommertheaterbühne. Morgen feiert "Wagner - Werner - Wahnsinn" in der Moritzbastei Premiere.

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Carolin Masur

Quelle: André Kempner

Mit dabei ist auch Mezzosopranistin Carolin Masur. Im Interview spricht sie über Richard Wagner, Komik und künstlerische Seitensprünge.

Frage: Bei Sommertheater denkt man an leichte Stoffe von Shakespeare oder Goldoni. Kann Wagner leicht sein?

Carolin Masur: Das geht, es wird sehr unterhaltsam, wofür schon die Besetzung spricht mit Armin Zarbock als Werner Rosenboim, Showregisseur einer Wagner-Fernseh-Gala, und Stephan Thiel. Beide bewährte Inselbühnen-Protagonisten, die den Abend bestimmen.

Wir sind ja nun im Wagner-Jahr, können Sie ihn überhaupt noch hören?

Ja! Wagner kann, wenn man sich darauf einlässt, durchaus Suchtpotenzial haben. Ich war bei den Wagner-Festtagen in "Götterdämmerung" dabei - da geht einem die Musik auch nachts nicht aus dem Kopf. Das ist das Schöne bei Wagner - und auch die Gefahr.

Warum Gefahr?

Die Gefahr, sich in eine Welt zu begeben, die ja doch etwas sehr Abgehobenes hat. Es kann passieren, dass man durch dieses Pathos Züge an sich erkennt, von denen man noch gar nichts wusste.

Wie viel Wagner ist denn drin bei Insel?

Relativ viel. Es wird Wagner gesungen und gespielt zu hören sein, Lohengrin, Tannhäuser, Götterdämmerung, Siegfried ... und Szenen aus seinem Leben. Man muss Wagner weder kennen noch mögen, um bei uns Spaß zu haben. Wir sind drei Schauspieler, darunter eine Puppenspielerin, drei Sänger, drei Musiker, eine Artistin. Alle sind in alles involviert. So lang wie eine Wagner-Oper wird's übrigens nicht.

Es geht um das Geschehen hinter den Kulissen einer TV-Gala, was passiert da?

Da kommen ganz unterschiedliche Charaktere zusammen. Animositäten, Vorurteile, Sticheleien, Eifersüchteleien, Machtspiele ... Wie im Leben. Schön, wenn man als Sängerin die Klischees spielen darf, die man noch nicht einmal über sich gesagt hören möchte.

Spielen Sie zum ersten Mal Sommertheater?

Ja, das erste Stück mit der Inselbühne und zum ersten mal ein Schauspielstück mit Gesang. Was sehr viel Spaß macht. Als Volker Insel auf mich zukam, war die Entscheidung sofort klar.

Sie sind Mitglied der Leipziger Wagner Gesellschaft und haben schon einmal einen weniger hehren Wagner gezeigt ...

Das war in der Reihe "Buchmesse schmeckt", da habe ich in der Moritzbastei Szenen aus "Rheingold" gelesen, nur Libretto mit Regieanweisungen des Komponisten. Zum Beispiel: "Garstig glatter glitschiger Glimmer! Wie gleit' ich aus! ..." Wer es noch nicht kannte, fand es hoffentlich komisch.

Das kann er nicht ernst gemeint haben! Wird es Zeit, sich Wagner über Komik zu nähern?

Ich denke, er verträgt es, persifliert zu werden, wurde auch in seiner Zeit karikiert, da hängt zurzeit eine sehr schöne Ausstellung in der Moritzbastei. Er selbst soll viel Schalk gehabt haben.

Sie sind klassisch ausgebildete Sängerin und haben eine Ader fürs Szenische, für Komik. Werden Sie das weiter ausbauen?

Das wäre natürlich phantastisch. Meine komische Seite würde ich gern stärker rauslassen, wie beispielsweise schon als Gräfin in Lortzings "Wildschütz". Was noch ein Traum wäre, nicht für mich selbst, sondern allgemein: dass in Deutschland weniger in künstlerischen Schubladen gedacht wird.

Hochkultur vs. Unterhaltung?

Einfach weniger Abgrenzung. In den USA beispielsweise läuft viel mehr ineinander, singen Musical-Sänger auch Klassik. Und umgekehrt. Das wird hier gern separat gesehen, vermutlich, weil es einfacher ist, das zu vermitteln. Ich höre zum Beispiel unheimlich gern Schauspieler singen. Etwa hier in Leipzig: Anke Geißler hat eine musikalische Qualität, da kann man nicht sagen, dass sie "nur" eine Kabarettistin ist. Alles, was so ineinander übergeht, finde ich spannend. Nicht zu sagen: Der ist nur Sänger, der ist nur Schauspieler, der ist nur Kabarettist. Bei uns jetzt im Sommertheater singen eben auch die Schauspieler mit, und es ist wunderbar, wie sich das gegenseitig befruchtet, was man dabei entdecken kann. Für mich ist es eine andere, auch sehr schöne Arbeitsweise bei der Inselbühne, es sind alle einbezogen in die Stückfindung, können selbst kreativ sein.

Woran liegt es, dass viele an Genre-Grenzen Halt machen?

Vielleicht liegt das am Perfektions­anspruch in der deutschen Mentalität. Neulich habe ich im Centraltheater einen Liederabend mit Schauspieler Samuel Finzi gesehen, von dem ich überhaupt nicht wusste, dass er so ein toller Musiker ist. Da gibt es ja einige: Liefers, Tukur ...

Für die sind künstlerische Seitensprünge sicher leichter, weil sie prominent sind. Nicht jeder Intendant kann seinen Leuten diese Möglichkeiten einräumen.

Das meine ich, es ist ja nicht der Künstler selber, der es sich nicht zutraut, Für mich als Freiberuflerin ist das einfacher.

Sind Sie freiwillig in keinem festen Ensemble?

Ein Festengagement ist phantastisch, wenn man an einem Haus ist, wo man sich entwickeln kann und aufgebaut wird. In jüngeren Jahren war ich in Coburg und Hannover. Nach mehreren längeren Krankheitspausen bekam ich kein neues Festengagement. Es ist zwar finanziell unsicherer, aber es spricht auch viel dafür, Vielseitigkeit zu erproben. Ich habe eine große Hochachtung vor Kollegen, die im Ensemble arbeiten mit diesem enormen täglichen Pensum der verschiedenen Stücke.

Sie sind seit zwei Jahren wieder in Leipzig, wo Sie bis 1984 schon einmal gelebt haben. Was hat Sie zurückgezogen?

Ich hatte eine Produktion hier an der Musikalischen Komödie im Frühjahr 2011 und habe mich spontan wieder in die Stadt verliebt, zurückverliebt, auch in die Mentalität, die mir wieder sehr sympathisch war.

Zur Person

Carolin Masur ist 1966 als Tochter von Irmgard Kaul und Kurt Masur in Berlin geboren und in Leipzig aufgewachsen. Nach dem Studium an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" war sie am Landestheater Coburg und an der Staatsoper Hannover engagiert. Seit 2011 lebt die freischaffende Sängerin wieder in Leipzig, wo sie zuletzt an der Musikalischen Komödie im Wildschütz und "Ring für Kinder" sowie in der Oper im Rigoletto zu sehen war, bei den Wagner-Festtagen und Konzerten mit David Timm. Bei MDR-Figaro ist sie regelmäßig mit ihrer Kolumne "Expeditionen in den Alltag" zu hören.

"Wagner - Werner - Wahnsinn", mit Armin Zarbock, Carolin Masur, Brent Damkier, Ingala Fortagne, Steffi Lampe, Stephan Thiel; Musik: Maria König, Michael Hinze, Henning Plankl; Regie: Volker Insel; heute, 20 Uhr, öffentliche Generalprobe, morgen, 20 Uhr, Premiere (nur auf Einladung); danach bis 28. Juli täglich, jeweils 20 Uhr, Moritzbastei (Universitätsstraße 9), Karten für 18/12 Euro: 0341 702590; Gastspiel in Meiningen: 9. bis 11. August im Innenhof Schloss Elisabethenburg

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.07.2013

Interview: Janina Fleischer

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