Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Erika Stucky feiert Hendrix in Leipzig

Konzert im vollen UT Connewitz Erika Stucky feiert Hendrix in Leipzig

Diese Frau ist immer für musikalische Überraschungen gut: Erika Stucky hat schon mehrfach bei ihren Konzerten in Leipzig begeistert. Jetzt tat sie das mit Stücken von Jimi Hendrix, denen sie am Freitag im ausverkauften UT Connewitz völlig neue Klangfarben zuordnete.

Sensationelles Konzert: Erika Stucky am Freitag im UT Connewitz.

Quelle: Kempner

Leipzig. Proppenvoll war das UT Connewitz in der Freitagnacht, weil der Jazzclub Leipzig zum Finale seines kleinen Festivals „UmStimmen“ eine Idealbesetzung gefunden hatte. Und auch einen idealen Ort, denn der morbide Charme des Saals passte ideal zum gar nicht orthodoxen Anverwandeln klassischer Stoffe durch diese Sängerin, die inmitten der weltweiten Renaissance des femininen Jazzgesangs ihre Alleinstellungsmerkmale bewahrt hat, die Unikat und Unikum geblieben ist. Erika Stucky, die 1962 in San Francisco in die Hippiezeit hineingeborene und später dann in die Schweiz umgepflanzte Chanteuse und Performerin, tanzt auf der Achse Woodstock–Wallis. Acht war sie, als Jimi Hendrix starb, ein Fixstern an ihrem Firmament ist er geblieben. Ihre aktuelle CD „Call Me Helium“ ist das prall gefüllte Bekennerschreiben dazu.

Die Stucky tritt nicht auf, sie erscheint. Blaue Brille, grüne Stiefel, hinter ihr ein roter Sessel und neben ihr eine exzellente Band: Gitarrist Christy Doran und Schlagzeuger Fredy Studer, die weiland in den Siebzigern unter dem Signum OM auf eidgenössische Weise Jazz und Rock zusammenführten, dazu Bassist Jamaaladeen Tacuma, Ornette Colemans Prime Time-Komgagnon. Jeder der drei wird im Verlauf des kurzweiligen Abends Gelegenheit haben, nach vorn zu treten und zu zeigen, warum er in die erste Reihe gehört.

Aber es geht um Erika Stucky und wie sie Jimi Hendrix sieht. Sie sieht ihn nicht als Kopistin wie etwa Randy Hansen, der seit Jahrzehnten als sein Doppelgänger tourt, sie sieht ihn als Maß ihrer Dinge, als Geist über den Wassern. Doch nimmt sie seine Stücke als gar nicht sakrosankte Steilvorlagen, die sie mal verrucht-verrutscht, mal pseudonaiv und immer großartig erläuft, um sie mit grandioser Bühnenpräsenz, Charisma und großen, verzückten Augen zu umdribbeln und etwas mit ihnen anzufangen.

Die Geschichte von „Hey Joe“ schreibt sie moritatenhaft fort, indem sie den Mörder seiner fremd gehenden Frau in Mexiko gar nicht zur Ruhe kommen lässt, um das alles dann in „Hey Jude“ münden zu lassen. Sie gurrt „I’m a sweet little heartbreaker“, verabreicht „Drifting“ im Sitzen, um es in „Teach Your Children“ von Crosby Stills Nash zu transformieren, oder mutiert „Purple Rain“ zu „Purple Haze“.

Mit Hüftschwüngen und Fingerzeigen zelebriert sie ihre Vokalparforceritte, richtet die Blicke himmelwärts – „’scuse me while I kiss the sky“ –, hat ihr rotes Plastemikro wie einen Colt im Stiefel und fühlt sich sichtlich wohl vor Ort. „Leibsch lobsch mir“, sagt sie kokett, fädelt Zitatketten auch aus nachhendrixschen Rockversatzstücken und macht ihres draus.

Sie produziert Ideen und kann sie durchhalten, überführt „In from the Storm“ in „Sgt. Pepper“ und verabreicht eine Mixtur von Rock und Jazz, die von A bis Z funktioniert und Funken schlägt. Erika Stucky gibt mal die abgeklärte Diva und mal die gut gelaunte Hexe. Sie bleibt das Zentrum, selbst wenn sie vorgibt, in ihrem Sessel zu ruhen. Statt eines Besens schleift sie dann eine Schaufel über den Bühnenboden, weil man damit mehr wegkriegt. Und auch mehr Geräusche fabrizieren kann, mit denen die Band dann schon etwas anfangen können wird. Die ist dafür wahrlich groß genug, und das ergibt in der Summe einen wunderbaren Abend über der Norm.

Von Ulrich Steinmetzger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr