Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -7 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Erika Stucky feiert Hendrix in Leipzig

Konzert im vollen UT Connewitz Erika Stucky feiert Hendrix in Leipzig

Diese Frau ist immer für musikalische Überraschungen gut: Erika Stucky hat schon mehrfach bei ihren Konzerten in Leipzig begeistert. Jetzt tat sie das mit Stücken von Jimi Hendrix, denen sie am Freitag im ausverkauften UT Connewitz völlig neue Klangfarben zuordnete.

Sensationelles Konzert: Erika Stucky am Freitag im UT Connewitz.

Quelle: Kempner

Leipzig. Proppenvoll war das UT Connewitz in der Freitagnacht, weil der Jazzclub Leipzig zum Finale seines kleinen Festivals „UmStimmen“ eine Idealbesetzung gefunden hatte. Und auch einen idealen Ort, denn der morbide Charme des Saals passte ideal zum gar nicht orthodoxen Anverwandeln klassischer Stoffe durch diese Sängerin, die inmitten der weltweiten Renaissance des femininen Jazzgesangs ihre Alleinstellungsmerkmale bewahrt hat, die Unikat und Unikum geblieben ist. Erika Stucky, die 1962 in San Francisco in die Hippiezeit hineingeborene und später dann in die Schweiz umgepflanzte Chanteuse und Performerin, tanzt auf der Achse Woodstock–Wallis. Acht war sie, als Jimi Hendrix starb, ein Fixstern an ihrem Firmament ist er geblieben. Ihre aktuelle CD „Call Me Helium“ ist das prall gefüllte Bekennerschreiben dazu.

Die Stucky tritt nicht auf, sie erscheint. Blaue Brille, grüne Stiefel, hinter ihr ein roter Sessel und neben ihr eine exzellente Band: Gitarrist Christy Doran und Schlagzeuger Fredy Studer, die weiland in den Siebzigern unter dem Signum OM auf eidgenössische Weise Jazz und Rock zusammenführten, dazu Bassist Jamaaladeen Tacuma, Ornette Colemans Prime Time-Komgagnon. Jeder der drei wird im Verlauf des kurzweiligen Abends Gelegenheit haben, nach vorn zu treten und zu zeigen, warum er in die erste Reihe gehört.

Aber es geht um Erika Stucky und wie sie Jimi Hendrix sieht. Sie sieht ihn nicht als Kopistin wie etwa Randy Hansen, der seit Jahrzehnten als sein Doppelgänger tourt, sie sieht ihn als Maß ihrer Dinge, als Geist über den Wassern. Doch nimmt sie seine Stücke als gar nicht sakrosankte Steilvorlagen, die sie mal verrucht-verrutscht, mal pseudonaiv und immer großartig erläuft, um sie mit grandioser Bühnenpräsenz, Charisma und großen, verzückten Augen zu umdribbeln und etwas mit ihnen anzufangen.

Die Geschichte von „Hey Joe“ schreibt sie moritatenhaft fort, indem sie den Mörder seiner fremd gehenden Frau in Mexiko gar nicht zur Ruhe kommen lässt, um das alles dann in „Hey Jude“ münden zu lassen. Sie gurrt „I’m a sweet little heartbreaker“, verabreicht „Drifting“ im Sitzen, um es in „Teach Your Children“ von Crosby Stills Nash zu transformieren, oder mutiert „Purple Rain“ zu „Purple Haze“.

Mit Hüftschwüngen und Fingerzeigen zelebriert sie ihre Vokalparforceritte, richtet die Blicke himmelwärts – „’scuse me while I kiss the sky“ –, hat ihr rotes Plastemikro wie einen Colt im Stiefel und fühlt sich sichtlich wohl vor Ort. „Leibsch lobsch mir“, sagt sie kokett, fädelt Zitatketten auch aus nachhendrixschen Rockversatzstücken und macht ihres draus.

Sie produziert Ideen und kann sie durchhalten, überführt „In from the Storm“ in „Sgt. Pepper“ und verabreicht eine Mixtur von Rock und Jazz, die von A bis Z funktioniert und Funken schlägt. Erika Stucky gibt mal die abgeklärte Diva und mal die gut gelaunte Hexe. Sie bleibt das Zentrum, selbst wenn sie vorgibt, in ihrem Sessel zu ruhen. Statt eines Besens schleift sie dann eine Schaufel über den Bühnenboden, weil man damit mehr wegkriegt. Und auch mehr Geräusche fabrizieren kann, mit denen die Band dann schon etwas anfangen können wird. Die ist dafür wahrlich groß genug, und das ergibt in der Summe einen wunderbaren Abend über der Norm.

Von Ulrich Steinmetzger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Dreamhack Leipzig

    Auf der Dremhack 2017 treten die besten Computerspieler gegeneinander an. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie. Wie früher und heute im Geist geforscht wurde ist vom 14. September bis zum 16. Dezember 2016 in der Ausstellung "Psychologie in Leipzig - Geburt einer Wissenschaft" zu sehen. Besucher können sowohl Beobachter als auch Versuchsperson sein. Unsere Schau des Monats November! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr