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Eröffnung des Reger-Jahrs in Leipzig

Festkonzert in der Musikhochschule Leipzig Eröffnung des Reger-Jahrs in Leipzig

Mit Werken von Bach, Saint-Saëns, Gershwin und natürlich Reger wurde am Freitagabend in der Leipziger Hochschule für Musik und Theater das Reger-Jahr eröffnet. Matthias Foremny dirigierte das Hochschulorchester.

Marhias Foremny

Quelle: LVZ

Leipzig. Jetzt hat es offiziell begonnen, das Max-Reger-Jahr, mit dem Leipzig den 100. Todestag des Komponisten am 11. Mai umgibt. Und einen besseren Rahmen als das Festkonzert zur Eröffnung kann man kaum wünschen: Auf dem Programm stehen die Vier Tondichtungen nach Arnold Böcklin von 1913, und sie erklingen an Regers wichtigstem Wirkungsort der späten Jahre.

Was sind „späte Jahre“ bei einem Komponisten, der nur 43 wurde? Bei Reger stehen sie für handwerkliche Könnerschaft – und im Falle der „Böcklin“-Suite für abgeklärte Schönheit. Dieses Werk ist weit entfernt von der professoralem Selbstgefälligkeit, mit der Reger sich bisweilen selbst im Weg steht. Die feierliche Gelöstheit des „Geigenden Eremiten“, die Lüsternheit im „Spiel der Wellen“, die düstere Farbenpracht der „Toteninsel“, schließlich der mitteilsame Suff des „Bacchanals“ dieser für Regers Verhältnisse bemerkenswert knappen Tonbilder ergehen sich nicht in koloristischer Nacherzählung von Bildern, die zum Teil gefährlich nah am Kitsch navigieren. Sie stehen als Kunstwerke, die ganz unmittelbar zur Seele sprechen, für sich.

Was im konkreten Falle auch und vor allem an den Ausführenden liegt. Denn Foremny erliegt nicht der Versuchung, der Komplexität dieser Musik mit Stochern im instrumentatorischen, harmonischen oder kontrapunktischen Detail zu begegnen, sondern vertraut der sinfonische Logik dieser Musik. Foremny lässt den warmen und farbsatten Klang des Hochschulorchesters sinnlich strömen, nimmt die Schönheit in den Fokus, nicht die Kunstfertigkeit. Und unversehens leuchtet aus Reger eine Zukunft heraus, die er selbst nicht mehr erleben durfte.

Das Programm dieses Festkonzertes ist lang – und es enthält nur diesen einen Reger. Das mag zur Eröffnung des ihm gewidmeten Jahres ein wenig befremdlich wirken. Aber erstens ist bei Reger die Dosierung alles, und zweitens zeigt es geschickt die Möglichkeiten auf, die sich einem Komponisten zwischen den Zeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts boten: Am Anfang steht Bach, ohne dessen Schaffen das Max Regers nicht denkbar wäre. Daniel Tauber, Catherine Myerscough und Sara Glombitza sind die exzellenten Solisten im nach dem Konzert für drei Cembali BWV 1064 rekonstruierten Konzert für drei Violinen, Streicher und basso continuo. Auch hier ist Foremnys Ansatz eher sinnlich als analytisch. Er lässt das kontrapunktische Filigran auf angenehm zeitlose Art stilsicher fließen. Und nach der Pause stehen Camille Saint Saens grandioses fünftes Klavierkonzert und Gershwins „Amerikaner in Paris“ für jeweils andere Verjüngungsimpulse für die tonale Musik: Saint-Saëns fand 1896 in der Kombination aus Klassizität und Exotik neue Töne, Gershwin holte 1928 Jazz und Music-Hall ins Boot.

Solistin in Saint-Saëns’ gerade wegen der kristallinen Helligkeit enorm anspruchsvollem Werk ist am Freitagabend die Südkoreanerin Youbin Kim, deren Examenskonzert dies ist. Bei Gerald Fauth hat sie zu einem hell perlenden Anschlag gefunden, der wie geschaffen scheint für dieses zwischen Spanien und Nordafrika, Asien und der europäischen Tradition seine touristische Neugier befriedigenden Werk. Chopin ist noch drin, Ravel schon. Und so vielgestaltig die musikalischen Wirkungen sind, so komplex und andersartig ist die Technik, nach der es verlangt. Hin und wieder würde man sich von Kim ein wenig mehr Mut zur Freiheit wünschen, aber ihr Klangsinn, die Delikatesse ihrer Passagen, die Kraft ihrer Akkorde, die Farbigkeit ihrer Exotismen sind beeindruckend bis beglückend.

Beides, beeindruckend und beglückend, ist auch er „Amerikaner in Paris“, treibend, zupackend, schillernd, ausgelassen bis zur Ekstase, aber immer mit einem Augenzwinkern ausmusiziert. Von einem Studentenorchester, das Foremny binnen kürzester Zeit zu erstaunlicher Qualität gebracht hat.

Am 30. Januar, ab 19.30, singt der Kammerchor der Hochschule im Rahmen des Reger Jahrs in der Michaeliskirche geistliche Werke Max Regers. Karten (7,50 Euro) und Infos: www.hmit-leipzig.de

Von Peter Korfmacher

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