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Es holpert in der Gartensparte: die neue Schauspiel-Show "Grüne Wiese"

Es holpert in der Gartensparte: die neue Schauspiel-Show "Grüne Wiese"

Enrico Lübbe ist da, und mit ihm kommt die Literatur. Deren erster Auftritt im neuen Schauspielhaus fand am Dienstagabend beim Format "Grüne Wiese" in der Baustelle statt, das mit Literaturinstitutschef Claudius Nießen und Tausendsassa Christoph Graebel zwei alte Bekannte moderieren.

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In wessen Schreberglück fühlt sich Sterne-Sänger und Romanautor Frank Spilker wohler? Im Garten Claudius Nießens (links) oder Christoph Graebels?

Quelle: Wolfgang Zeyen

Zwischen Gartenzwergen, Kunstrasen und Toilettenhäuschen sollen Wortkunst und Show vereint werden, doch dies stellt sich bei der Premiere mit Gast Frank Spilker etwas spröde dar.

Die Idee hinter der "Grünen Wiese" ist einfach und vielversprechend: Die Herren Graebel und Nießen sitzen in ihren Schrebergartenparzellen und werben um Besuch. Der Gast des Abends darf zunächst mittig Platz nehmen, muss sich Fragen von der einen sowie anderen Seite gefallen lassen und soll am Ende entscheiden, in welchem Gärtchen er sich wohler fühlt: Im Liegestuhl bei Nießen hinter dem chaotischen rosa Zaun oder auf Graebels ordentlicher Bank, umgeben von blühenden Geranien?

An diesem Abend wird der Entschluss von Frank Spilker gefordert, der in den 90ern mit seiner Band Die Sterne davon sang, was wen bloß so ruiniert habe und hier ein bisschen unmotiviert wirkt. Jetzt macht der Hamburger in Literatur, sein Erstlingswerk heißt "Es interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen". Ein Roman, in dem der "irgendwas mit Medien" treibende Kreativmensch Thomas Troppelmann kurz vor der Depression in der eigenen Existenz steckenbleibt, während seine Branche sich verändert. Spilker liest einige Absätze, in denen er seiner Hauptfigur allerdings erstaunlich wenig widerfahren lässt. Stattdessen schichtet er Beschreibungen von Begebenheiten im Hotelrestaurant oder am Fahrkartenautomaten aufeinander.

Dabei kommt bloß schwerlich rüber, worauf Spilker mit dem Buch eigentlich hinauswill, und auch die Moderatoren greifen kaum lenkend ein: Zu wenige vorbereitete Fragen ihrerseits erkunden Person und Werk, stattdessen sind in der Premieren-Aufregung beide mit der Koordination von geplanten Jingles, den zu erfüllenden Spielchen und grasgrünen Retro-Getränken beschäftigt. Obwohl Graebel und Nießen wegen ihrer "Turboprop"-Shows, die seinerzeit im Ilses Erika starteten, langjährige gemeinsame Auftrittserfahrung besitzen, werfen sie sich weder Bälle zu, noch scheinen sie in rechte Plauderstimmung zu finden.

Auch wenn beide mit der schönsten Bühne seit Erfindung der Plastikblume aufwarten, erfährt man bei ihrer noch nicht ganz zu Ende gedachten "Zimmer frei!"-Adaption verhältnismäßig wenig über den Gast. Gut, Frank Spilker verbrachte seine Kindheit in Bad Salzuflen, wo manche Straße zugunsten der Mittagsruhe greiser Kurgäste zeitweise gesperrt wird. Was er allerdings momentan abseits der bisher zwei Sterne-Konzerte in diesem Jahr mit seinem Leben treibt, bleibt leider offen. So geht bei der Premiere ein Holpern durch die Gartensparte. Aber schon in der nächsten Ausgabe dürfte darüber wieder "Grüne Wiese" gewachsen sein.

Nächste "Grüne Wiese": 26. November, 21 Uhr, Baustelle (Bosestraße, Ecke Dittrichring), Gast: Jo Lendle, Eintritt 5 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.10.2013
Theresa Wiedemann

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