Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Eugen Ruge erhält für seinen DDR-Roman den Deutschen Buchpreis 2011

Eugen Ruge erhält für seinen DDR-Roman den Deutschen Buchpreis 2011

Publikumsliebling der Börsenblatt-Leser war er am Montagmittag schon – am Abend entschied sich auch die Jury für Eugen Ruge. Der Deutsche Buchpreis für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres gilt seinem Gesellschaftsroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, der im September im Rowohlt Verlag erschienen ist und für den er bereits den „aspekte“-Literaturpreis erhält.

Voriger Artikel
Rezension des Romans „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ von Eugen Ruge
Nächster Artikel
Corinna Harfouch und Wolfgang Krause Zwieback präsentieren im Bildermuseum "Beckmann privat"

Der Schriftsteller Eugen Ruge freut sich am Montag in Frankfurt am Main über den Gewinn des Deutschen Buchpreises 2011.

Quelle: dpa

Leipzig. Das Debüt des Mathematikers, Regisseurs, Autors und Übersetzers, der 1956 in Soswa im Ural geboren wurde, spiegelt ostdeutsche Geschichte in einem Familienroman. Dabei gelinge es ihm, lobt die Jury, die Erfahrungen von vier Generationen über 50 Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen. „Sein Buch erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen“, heißt es in der Begründung. Zugleich freut sich die Jury über „große Unterhaltsamkeit“ und „einen starken Sinn für Komik“.

Ruge pflegt eine lebendige Sprache, die sich in den Dienst der Geschichte stellt. Ob er nun von Alexander erzählt, seinem Alter Ego, der der Enge der DDR entflieht und sich gut zehn Jahre später, unheilbar krank, auf Erinnerungs-Reise begibt. Oder von dessen Mutter Irina, der melancholischen Russin. Oder von Stiefgroßvater Wilhelm, einem verknöcherten Alt-Kommunisten, der an seinem 90. Geburtstag im Oktober 1989 ein letztes Mal die Huldigungen der Genossen entgegennimmt, von der Realität allerdings kaum noch etwas mitbekommt.

Insgesamt 198 Titel aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hat die Jury gesichtet und daraus im August eine sogenannte Longlist mit den nach ihrem Ermessen besten 20 Romanen erstellt, aus der sie einen Monat später die Shortlist mit sechs Finalisten destillierte: Jan Brandt mit „Gegen die Welt“, Michael Buselmeier mit „Wunsiedel“, Angelika Klüssendorf mit „Das Mädchen“, Sibylle Lewitscharoff mit „Blumenberg“, Marlene Streeruwitz mit „Die Schmerzmacherin“ und eben Eugen Ruge. In den Romanen geht um einschneidende Kindheits- und Jugenderlebnisse, um Familiengeschichten, Gesellschaftspanoramen und „bundes-

republikanische Anti-Idyllen“, wie Maike Albath es sagt, Sprecherin der Kritiker-Jury. Überall wird geliebt und gelitten und die Welt reflektiert.

Der Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Vorabend der Frankfurter Buchmesse (12. bis 16. Oktober) vergeben und ist mit insgesamt 37 500 Euro dotiert – 25 000 Euro für den Gewinner, die anderen Finalisten erhalten jeweils 2500 Euro.

Immer wieder gibt es auch Zweifel an Auswahl und Vergabepraxis. Ein Kritikpunkt ist, dass vor allem die Autoren großer Verlage berücksichtigt werden. Eine Ausnahme macht in diesem Jahr Buselmeiers Roman „Wunsiedel“, der im Verlag Das Wunderhorn erschienen ist. Darum haben die unabhängigen Verlage 2009 alternativ eine Hotlist ins Leben gerufen, um auf „Reichtum, die Qualität und den Erfolg der Buchkultur im deutschsprachigen Raum“ zu verweisen. Ihr Preis wird am 14. Oktober im Rahmen der Party der Jungen Verlage in Frankfurt am Main verliehen.

Michael Lentz und Monika Maron hatten 2008 gar eine Abschaffung des Buchpreises gefordert, von einem „entwürdigenden Spektakel“ sprach Schriftsteller Daniel Kehlmann in Anspielung auf die an Oscar-Verleihungen erinnernde Bekanntgabe des Siegers in Anwesenheit aller Nominierten. Es gehe vor allem darum, die Umsätze des Buchhandels erhöhen. Von einem „Marketingpreis“ sprach auch Maron.

Eugen Ruhe rangierte schon vor der Bekanntgabe auf Rang 36 der Bestseller-Liste des Internethändlers Amazon. Mit ihm gewinnt ein Autor, der mit seinem beeindruckenden Roman nicht nur eine Jury zu überzeugen weiß. Aufmerksamkeit für Neuerscheinungen kann kaum falsch sein – ob sie nun den Verkauf fördert oder die Wahrnehmung schärft.

Zu den Gewinnern der vergangenen Jahre gehören Melinda Nadj Abonji („Tauben fliegen auf“, 2010), Kathrin Schmidt („Du stirbst nicht“, 2009), Uwe Tellkamp („Der Turm“, 2008) und Julia Franck („Die Mittagsfrau“, 2007).

Janina Fleischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr