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Eumeniden präsentieren E.T.A. Hoffmanns „Signor Formica“

Matriarchalische Rivalitäten Eumeniden präsentieren E.T.A. Hoffmanns „Signor Formica“

Seit Donnerstagabend präsentiert das Theater Eumeniden das neue, spritzige Stück „Signor Formica“. Dabei streiten sich die Freundinnen Antonia und Rosa mit der Signora Capuzzi um einen Adonis, der selbst handlungsunfähig ist. Es kommt zu einigen Intrigen.

Raffinierte Frauen: Melanie Berger (l.) und Stefanie Eisenwinder wollen der Signora Capuzzi den Adonis (Jens Wehr) entreißen. Hier schmieden sie Pläne mit Blick auf seine „Statue“.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Eigentlich ist sie Medizinstudentin und bettelarm. Antonia, gespielt von Stefanie Eisenwinder, will, beeinflusst durch die Arbeiten ihrer Freundin Rosa (Melanie Berger), Künstlerin werden. Seitdem hantiert sie mit Meißel und Schlägel. Heraus kommt die Skulptur eines jungen Mannes, den sie in Wirklichkeit anhimmelt.

Seit Ende vergangener Woche präsentiert das Theater Eumeniden diese spritzige Komödie „Signor Formica“, die auf einer Novelle von E.T.A. Hoffmann beruht. In Hoffmanns literarischer Vorlage besteht das Zweier-Gespann aus Männern, die versuchen, dem griesgrämigen und geizigen Onkel die wunderhübsche Nichte durch List und Tücke zu entreißen.

Regisseurin setzt zu Hoffmanns Vorlage eigene Akzente

Regisseurin Janna Kagerer entschied sich hingegen, die Rollen mit Berger und Eisenwinder zu besetzen. So versucht nun eine emanzipierte Frau der bösen Tante Signora Capuzzi (Christopher Glaube) das verschüchterte, hübsche Muttersöhnchen Mario (Jens Wehr) zu entreißen, was in einen matriarchalischen Kampf ausartet: Alt gegen Jung, Schläue gegen Dummheit, Liebe gegen Einschüchterung – alle Mittel sind recht. Die Hauptwidersacher fügen sich immer schlimmere Schäden zu, wobei Mario zum Spielball der Beteiligten wird.

Der junge Schönling besitzt weder freien Willen noch eine Meinung. Er schwimmt lediglich im Strom unauffällig mit und versucht sich wegzuducken. Der Fuchtel seiner Tante ist er vollkommen unterworfen, was darin gipfelt, dass ihn das Teufelsweib wie einen Hund an eine Leine kettet, was in Leipzig sonst nur zu Wave-Gotik-Treffen (WGT) salonfähig ist.

Tante ist ebenfalls in Mario verliebt

Signora Capuzzi liebt den Neffen insgeheim, will es nicht zugeben und ihn nicht teilen müssen. Glaube alias Capuzzi, der in einem groteskem Damenkostüm aus froschgrünem Blazer und knielangem Jeansrock steckt, mimt eine eitle Opernsängerin, deren Stimme aber gehasst und belächelt wird. Sogar mit der Polizei wird ihr gedroht, wenn sie singt, was das Publikum zuweilen amüsiert. So ist Capuzzi anfällig für Komplimente und innerlich sehr verletzbar, was den Streichen Dynamik und Dramatik verleiht.

Auch charakterlich auffällig ist „Frau Doktor“, gespielt von Katharina Pluta. Eine habgierige, hinterlistige Ärztin, die falsche Diagnosen stellt, um sich zu bereichern. Sie erscheint in schwarzem Ledermantel, Korsett und Plateauschuhen. Damit könnte sie glatt als Rockerbraut oder WGT-Gängerin durchgehen, hinge ihr nicht ein Stethoskop um den Hals.

Moderne Inszenierung mit Ohrwurmqualitäten

Kagerer inszeniert Hoffmanns Lektüre modern und ohne viele Requisiten. So tippen Caterina (Yasmina Rouane) und Monica (Katrin Gärtner) desinteressiert auf ihre Handys und nehmen sensationslüstern ein Selfie mit Antonias Statue auf. Zwischendurch ernst, meist heiter ist das Stück. Auch ein Klamauk-Spiel im Spiel ist dabei, als sich Capuzzi, Mario und die Doktorin „Prinzessin Blandina“ vom Theatro Musso anschauen. Ohrwurmqualitäten bietet das Gitarre begleitete Sonett „Francesco Petrarca“.

Signor Formica: 16.1, 17.1., 23.1., 24.1. um 15 Uhr; 15.1., 16.1., 22.1., 23.1. um 20.30 Uhr; 24.1. um 16.30 Uhr (frei), Mühlstraße 14, Karten: 9/7/5 €.

Von Melanie Steitz

Mühlstraße 14, 04317 Leipzig 51.33011 12.40077
Mühlstraße 14, 04317 Leipzig
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