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Eurodance-Stars mischen in der Arena Leipzig Retro-Spaß und Playback-Frust

„Mega 90er Live“ Eurodance-Stars mischen in der Arena Leipzig Retro-Spaß und Playback-Frust

In den 90ern hätte das Aufgebot wohl das Stadion mit Publikum gefüllt. Zur Hochzeit des Eurodance teilten East 17, Snap!, Culture Beat, Haddaway und 2 Unlimited jedenfalls die vorderen Chartsplätze unter sich auf. Am Donnerstag haben die Veteranen und ihr Playback immerhin 5000 Menschen in die Arena Leipzig gelockt.

„It’s Alright“: East 17.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es gab in den 90ern Musik, da hatte man das Gefühl, Kurt Cobain wäre umsonst gestorben. Für ein paar Jahre bescherte uns „Eurodance“ von kompositorisch und textlichem Anspruch weitgehend befreiten Techno-Beat mit Rap und Gesang. Gleichzeitig steuerte eine Schwemme von Boy Bands den einen oder anderen weiblichen Ohnmachtsanfall bei. Gerahmt von Diddl-Mäusen, Game Boys und Schnullerketten befand man sich in einer quietschbunten Partyblase, von der wohl bei den meisten nur noch eine Bravo-Hits-CD in der Schrottwichtel-Kiste geblieben ist.

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In den 90ern stürmten sich abwechselnd die Hitparaden. Auf gemeinsamer Tour haben am Donnerstag East 17, Snap!, Culture Beat, Haddaway und 2 Unlimited die Arena Leipzig bespielt.

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Am Donnerstag machte die von Sat.1 und Diginights präsentierte „Mega 90er Live“-Tour in der Arena Halt, um diese Zeit wieder aufleben zu lassen. Als lokaler Partner steuerte Radio Leipzig Moderator Roman Knoblauch bei. Es wirkt, als hätte man in eine überdimensionale Großraumdisko zehn Ü30-Partys, 15 Dorfdiskos und 20 Büro-Weihnachtsfeiern gesteckt. Wer jetzt behauptet, dass sich genau so wohl die Hölle anfühlen muss, hat unnötigen Niveau-Anspruch an den Abend. Dass man solch ein Event besser mit großem Partywillen angeht, scheint das Publikum von Anfang an verstanden zu haben, als es im Video-Intro dem Sat.1- Logo zujubelt. Beim anschließenden Testbild gibt es kein Halten mehr.

Mit Radio-typischer Überdrehtheit animiert Moderator Knoblauch zu Konzertspielchen: Mit Smartphone-Lampen statt Feuerzeugen wird East 17 als erster Act begrüßt. Die mit ihren einstigen Idolen gealterte Weiblichkeit im Saal kreischt fortwährend, aber insgesamt enttäuscht der Auftritt und zeichnet den Charakter der folgenden vor: Instrumente auf der Bühne sind überbewertet, ewig dröhnt das Halbplayback zum dumpf und zu leise eingestellten Gesang. Selbst ein energiegeladener Hit wie „It’s Alright“ geht in Soundwatte unter.

Aufblasbarer Super Mario

Insgesamt entsteht der Eindruck, dass man hier mit möglichst wenig Aufwand große Stimmung und für die Veranstalter volle Kassen generieren will. Die angekündigte 90er-Dekoration beschränkt sich auf einen im Eingangsbereich abgestellten aufblasbaren Super Mario. Eine „Wisst-ihr-noch?“-Video-Animation zwischen den Acts wirkt, als durfte sich der Praktikant einmal wahllos durch die Google-Bildersuche kopieren: Videokassette, Adidas-Sporthose, Game Boy, Al Bundy.

Aber in der Hauptsache ist man ja wegen der Musik da. Leider entpuppen sich Snap! als Tiefpunkt des Abends: Sängerin Penny Ford trifft keinen Ton zum durchlaufenden Halbplayback, die Videoanimationen wirken lieblos, die Lichtshow willkürlich unakzentuiert. Man bekommt das Gefühl, Zeuge einer völlig unnötigen Exhumierung von etwas zu sein, was man lieber hätte friedlich im Grab schlummern lassen. Mit Culture Beat („Mr Vain“) kommt im Anschluss wieder deutlich mehr tanzbare Energie über die Bühne. Allerdings verdient sich Sängerin Jacky Sangster auch den Preis für den asynchronsten „Gesang“ zum Vollplayback.

Tapfere Arbeit am Spaß

Es wird tapfer weiter am Spaß gearbeitet: Knoblauch attestiert dem halbvollen Saal („5000 Leute, wow!“) zweckoptimistisch „Megastimmung“ und versucht mittels rhythmischem Klatschen das Erdbeben vom Kraftklub-Konzert im März zu wiederholen: ein kleiner Fremd-Schäm-Moment. Später treibt seine Moderation lustige Blüten wie: „Die Karriere der folgenden Band dauerte fast ein halbes Jahrzehnt.“

Haddaway scheint dann am ehesten als Bier- und Brezel-Pause geeignet, bevor er die Leute mit „What Is Love“ anzieht und für ein anschließendes Tom-Jones-Cover hält. 2 Unlimited erzeugen zu später Stunde endlich ordentliche Disko-Stimmung mit rhythmischer Lichtshow und einem über mehrere Songs durchwummernden Beat.

Am Ende kann man es wohl nur beim aktuellen Slogan eines großen Elektronikmarktes belassen: „Hauptsache, ihr habt Spaß!“

Von Karsten Kriesel

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