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Event und Ekstase: „Yamato – The Drummers of Japan“ in der Oper Leipzig

Deutschlandpremiere Event und Ekstase: „Yamato – The Drummers of Japan“ in der Oper Leipzig

Sie schreien, sie springen und vor allem hauen sie kräftig auf die Pauke. Wenn Yamato mit ihren mehr als 35 Trommeln die Bühne besiedeln, herrscht Ausnahmezustand im Saal. Am Dienstag feierten die Japaner mit ihrem neuen Programm Deutschlandpremiere in der Oper Leipzig. Bis Sonntag sind sie dort zu erleben.

Ausnahmezustand – mit den Trommlern von Yamato.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Sie schreien, sie springen und vor allem hauen sie kräftig auf die Pauke. Wenn Yamato mit ihren mehr als 35 Trommeln die Bühne besiedeln, herrscht Ausnahmezustand im Saal. „Chousensha“ nennen sie diese gut zweistündige Entfesselung, zu deutsch: „die Herausforderer“, weil jede Show eine Herausforderung bedeutet – an sie selbst, ihre Kraft und Koordination.

Am Ende reißt es das Publikum von den Sitzen: Standing Ovations für eine Performance, die wirklich alles bietet – vom zarten Klopfen des Regens bis zum ausgewachsenen Donnergrollen, vom verlangsamten Herzschlag bis zum vehementen Pochen. Das Programm, mit dem das japanische Percussion-Ensemble bis Sonntag noch in der Oper Leipzig gastiert, vereint in überwältigender Manier all das, was seit 1993 ein Millionenpublikum rund um den Globus zum Beben bringt: die Kraft einer Horde Berserker, die Präzision eines Schweizer Uhrwerks, aber auch Momente kindlichen Spieltriebs und spitzbübischen Humors.

Nichts läge den „Drummers of Japan“ ferner, als Taiko, die altjapanische Kunst des Trommelns, im puristischen Gewand der Traditionalisten darzubieten. Schon deswegen haben sie sich für ihr neues Tour-Programm den Stardesigner Kansai Yamamoto hinzugeholt. Der japanische Modemacher stattete einst David Bowie auf dessen „Ziggy Stardust“-Tour mit extravaganten Bühnenoutfits aus. Knallbunt sind sie, mit ihrem Leo-Print-Design und Wellenmustern irgendwo im Ethno-Pop zu verorten, im zweiten Teil mit Skater-Jeans am Street-Look angelehnt.

Es ist ein Konzept, dass Tradition gekonnt in die Moderne überführt. Natürlich ruft das die Lordsiegelbewahrer althergebrachten Brauchtums auf den Plan, die die Taiko-Tradition in Gefahr sehen und gegen jede Form von Kommerzialisierung wettern: „Manchmal beschweren sich traditionelle Taiko-Gruppen und fragen, warum wir so viel lachen und durch die Gegend springen. Sie mögen unseren Stil nicht“, erklärt Masa Ogawa, Gründer von Yamato und deren künstlerischer Leiter. „Trotzdem respektieren wir die Taiko-Kunst und sind stolz auf unsere Wurzeln. Aber würden wir versuchen, traditionell zu arbeiten, würden wir nicht nur dem Publikum, sondern auch uns selbst etwas vormachen.“

Rasanz und Poesie

Dass bei allem Spektakel, bei aller Rasanz, Akrobatik und atemberaubender Rhythmik die kultischen Ursprünge dieser einzigartigen Kunst nicht beschädigt werden, zeigt sich besonders in den poetischen Stimmungsbildern, die es an diesem Abend auch zu erleben gibt: Wenn die Shinobue-Flöte farbig zu flirren anhebt oder die Shamisen, eine dreisaitige Laute mit langem, schmalen Hals, ihre meditativen Töne durch den Raum schwingen lässt. Zu einem Höhepunkt gerät das Spiel mit den Chappas, kleinen Bronze-Zimbeln, aus dem bei Yamato ein Quidditch-Spaß à la Harry Potter wird.

Im Finale der Show werden schließlich alle Geschütze aufgefahren, da darf die größte der Taiko-Trommeln, die gigantische Odaiko, nicht fehlen. 1,70 Meter durchmisst sie bei einem Gewicht von etwa 500 Kilogramm. Ihr Klangkörper wurde aus einem einzigen Baumstamm herausgeschnitzt und mit zentimeterdicker Kuhhaut überzogen, die ein Spieler mit einem Prügel in Baseballschläger-Größe malträtiert. In gewaltigen Wellen fährt ihr Klang durch Mark und Bein. Das Publikum ist restlos begeistert und klatscht nicht erst im Zugabenblock wacker im Takt. Zwei Stunden vergehen eben viel zu schnell, wenn Event und Ekstase aufeinandertreffen.

Von Werner Kopfmüller

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