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Ewiger Klassenkasper - Michael Mittermeier in der Leipziger Arena

Ewiger Klassenkasper - Michael Mittermeier in der Leipziger Arena

Selbst das zunehmend grau durchsetzte Haar samt der sich markant vertiefenden Charakterfalten können den Eindruck nicht schmälern: Michael Mittermeier wirkt immer noch wie ein Junge, ein vorlauter Bengel mit unkontrollierbaren Hang zum Grimassenschneiden.

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Bereits im Okrober 2010 trat Mittermeier mit dem Programm "Achtung Baby!" in der Leipziger Arena.

Quelle: André Kempner

Ein ewiger Klassenkasper, der es vorzieht, seine Intelligenz lieber in mal bessere, mal schlechtere Pointen zu investieren, als in gute Zensuren.

Kurz: Michael Mittermeier ist wider den Zahn der Zeit immer noch der Michl aus dem Dorf Dorfen, der Saubua aus Oberbayern, der es zu einem der bekanntesten deutschen Comedians brachte und als solcher sogar in die weite Welt zog, um zu beweisen, dass auch Deutsche Humor haben. Am Mittwochabend gastierte er mit seinem aktuellen Programm "Blackout" in der Arena.

Die ist zu knapp Dreivierteln gefüllt mit einem Publikum, dass dem Michl, dem Gaudi-Bua von inzwischen 47 Jahren, wirklich zugetan scheint. Dabei sind die Lacher lange eher freundlich denn begeistert, braucht es schlicht etwas, bis Mittermeier warm läuft. Selbst ein eigentlich todsicherer Bierzeltkalauer, wie der über Frau Merkels inzwischen berühmte Handhaltung ("Das ist keine Raute und erst recht kein Herz, das ist das, wo die Männer bei der Frau rein wollen") zündet nur bedingt. Sein Publikum verliert Mittermeier dennoch nicht: Die Leipziger im Saal sind willig, haben Geduld. Für eine ganze Weile wirkt es allerdings, als lachten sie weniger über Mittermeiers Witze, als vielmehr ihm zu: Nur Mut, Michl, das wird schon!

Und tatsächlich - es wird. Das Bräsige verflüchtigt sich, Mittermeier kommt in Tritt, und bald zeigt sich, dass dieses Programm eines ist, das clever gebaut ist, in der Art, wie es zwischen doof und deftig und scharfsinnig und sarkastisch hin und her schwankt, gleich dem Oktoberfest-Bajuwaren nach einem halben Dutzend Maß.

Wie Mittermeier Themen platziert, Stichworte im Raum stehen lässt und sie über die Länge des Abends in immer neuen Varianten anreißt, hat schon seine Qualität. Etwa wenn er sich im ersten Viertel der Show noch in mitunter lustvoll unappetitlichen Details (inklusive eines herrlich fies greinenden Landjungen-Exkurses zur Kastration von Ferkeln) dem Gammel- und Pferdefleischskandal widmet und die eigentliche Pointe zum Thema erst gut 90 Minuten später kommt - wenn Mittermeier bei den Griechen und der "Ilias" und der einschlägigen Rolle, die ein Pferd darin spielt, gelandet ist: Was das heißt, wenn ein Pferd drin ist, darüber habe Homer ja schon sein Lied gesungen.

Als Pointe vielleicht kein Knaller, zeigt das dennoch, wie und dass Mittermeiers Konzept funktioniert: "Wir fangen ganz unten an und arbeiten uns hoch" formuliert er selbst zu Beginn der Show deren Bewegungsrichtung. Und hält sich daran. Schlägt seine Assoziationsbögen - und es sind genau diese, die Spaß bereiten, selbst wenn die finale Pointe dann so hoch doch nicht hängt.

Lustig ist es schon, wie Mittermeiers Erinnerung an Szenen aus der Zombie-Serie "Walk of the Dead" mit dem Erscheinungsbild angetrunkener Engländer unter südlicher Sonne, oder dem Andrea Bergs auf der Showtreppe harmonieren. Den Hang zu Zoten und macht das wett. Und etwas Melancholie zieht ein, wenn er Erinnerungen an Jugendsünden auffrischt. Das Erscheinungsbild des kleinen Michl in protziger Lederjacke am Autoscooter zur Dorfkirmes, man hat es deutlich vor Augen, trotz grauer Haare und Charakterfalten. Steffen Georgi

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.11.2013

Steffen Georgi

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