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Eyk Henze gründet in Leipzig Verlag ed. cetera und veröffentlicht Roman-Debüt „XO“

Eyk Henze gründet in Leipzig Verlag ed. cetera und veröffentlicht Roman-Debüt „XO“

Der Verlag ist neu, das Buch ist neu, die Präsentation im Internet ist es irgendwie auch, und dennoch geht es um etwas eher altes: Francis Neniks Roman „XO", erstes Buch des Leipziger Verlags ed.

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Eyk Henze gründet in Leipzig den Verlag ed. cetera, um Francis Neniks Roman-Debüt „XO“ zu veröffentlichen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. cetera, erscheint schön gesetzt und aufwendig gedruckt, geliefert als Blätterstapel im Karton. Hinter allem steckt der Buchwissenschaftler Eyk Henze. Sein Prinzip ist: Kompromisslosigkeit.

Diesem Buch nähert man sich über eine rote Banderole. Sie gibt 853 Seiten frei. Die im Karton gelieferte Reihenfolge ist nur als Vorschlag zu verstehen. Mit jedem Kapitel beginnt die Seitenzählung von vorn, ein Abschnitt kann eine Seite lang sein, 13 oder 40. Manchmal ist es nur ein Satz: „Dass keiner durchblickt, ist die Grundlage des Ganzen." Gewiss sind 8 Zentimeter Höhe, 16 Zentimeter Breite, 26 Zentimeter Länge und ein Gewicht von 1,6 Kilogramm.

Ungewiss ist, wie „XO" ankommt. Denn Verleger Eyk Henze vertreibt es überwiegend über seine Internetseite, kaum über den Buchhandel. Aus Kostengründen. Die Auflage ist klein, und die Buchhandelsrabatte kann er nicht gewähren, damit wäre das Buch bereits im Minus. „Wir machen das nicht gegen den Buchhandel, wir können nicht anders. Andernfalls müsste - bei Buchhandelsrabatten bis zu 50 Prozent - ein Exemplar des Buches über 50 Euro kosten", sagt Henze. Das habe mit den Besonderheiten von „XO" zu tun, bei kommenden Büchern solle das anders werden, baut er Kritik vor. Denn „XO" steht kostenlos im Netz. Dort geht allerdings etwas ganz Wesentliches verloren: die Annäherung an einen Stapel loser Seiten und einen Text, der eine Sammlung vieler Texte ist wie auch unterschiedlicher Textformen.

„So geht das: Eine Mischung aus Briefroman, Comic und durcheinanderzentriertem Gefabel", steht auf dem Karton. Henze sagt, der Roman zeige, dass Geschichte nicht in großen Ereignissen gemessen wird, sondern dass diesen Ereignissen stets etwas vorausging. „Es ist wie Nudelwasserkochen: Irgendwann blubbert es, aber das meiste passiert vorher." Weil die Welt „überkomplex ist, ist nicht mehr fassbar, was passiert." Das O im Titel stehe für eine in sich geschlossene Welt, das X für das Auseinanderstreben von dem Punkt aus, der alles verbindet, so der Verleger, der hier quasi als Sprecher des Autors fungiert, Francis Nenik ist ein Pseudonym. Der schreibt: „Vielleicht halten wir ja nichts als lose Enden in unseren Fingern, ohne es zu bemerken, immer nur lose Enden, weil die Schnüre zu lang und zu verworren sind, als dass wir sie zurückverfolgen könnten. Vielleicht besteht unsere ganze Aufgabe ja auf ewig darin, alles zu lösen und neu zu verbinden."

Figuren verschwinden und tauchen wieder auf. Es gibt Fußnoten, zweispaltig gesetzte Parallelhandlungen, es gibt Seiten mit Korrekturen an den Rändern und welche mit geschwärzten Passagen ... Dieses Buch ist ein Puzzle, ein Spiel. Kapitel lassen sich herausnehmen, mischen. „Nur keine falsche Ehrfurcht", ermuntert Henze und nennt das Projekt einen „ganz normalen Roman, der eben von der Ausstattung her anders funktioniert". Letztendlich geht es um den Text, „nicht darum, dass wir experimentelle Literatur machen".

Dennoch verweist er stolz auf das chamoise-farbene, teure Papier, die Gestaltung durch die Grafikerin Katja Eichfeld. „Drucktechnik und Text korrespondieren miteinander." Da findet er den Preis von 33,90 Euro „absolut angemessen". Weil er aber nicht wollte, dass er Leute davon abhält, den Roman zu lesen, und weil es auch darum geht zu schauen, ob und wie freie Lizenzen auf dem Literaturmarkt funktionieren, steht er kostenlos im Netz. Nur als PDF-Datei, die E-Book-Formatierer waren „überfordert" vom Layout. Davor seien auch einige interessierte Verlage zurückgeschreckt. Darum hat Henze seinen eigenen gegründet. Er nennt es Kompromisslosigkeit.

„Jemand, der das Haptische genießen will, kauft das Buch auch, wenn er es im Netz schon gelesen hat", glaubt er. Paulo Coelho etwa habe es in Russland erst zu Erfolg gebracht, nachdem seine Romane im Netz verbreitet wurden. Auch Cory Doctorow biete seine Werke kostenlos an. Henze zitiert einen Spruch aus den 50ern, demnach die Hälfte, die für Werbung ausgegeben wird, verschwendet ist. „Aber wir wissen nicht welche."

Für den 30-jährigen Studenten der Buchwissenschaft hat die Idee irgendwie nahegelegen. Er nennt es Unternehmung, nicht Unternehmen. 1981 in Bernburg geboren kam er 2001 nach Leipzig, um Kommunikations-, Medien-, Kultur- und Buchwissenschaften zu studieren. Fest stand: „Ich wollte was mit Büchern machen." Ein Projekt, von dem er auf andere Weise zehrt, ist das Poesiefestival Berlin, für das er nebenbei arbeitet. Für ihn ein Praxistest - und ein gutes Netzwerk.

Derzeit promoviert Eyk Henze über das „Verlegen von Lyrik in der DDR" und plant für den Herbst einen Shortstory-Band. „Wir werden sehen, ob und wie das wächst. Den Lebensunterhalt damit verdienen zu wollen, könnte eher schiefgehen." Er sei aber realistisch und visionär genug, es zu probieren. Das erste Buch ist ein Testballon, mal sehen, wie hoch und weit er fliegt, auch bei Gegenwind. „Es ist gemacht worden. Darauf kommt es an."

Francis Nenik: XO. Roman. 853 Seiten, 33,90 Euro, zu kaufen über www.ed-cetera.de

Janina Fleischer

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