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Facettenreiches Spiel: „Seine Braut war das Meer und sie umschlang ihn“ im Lofft

Premiere Facettenreiches Spiel: „Seine Braut war das Meer und sie umschlang ihn“ im Lofft

Vielfältige Nuancen des Selbst, enttäuschter Liebe, Lust und Ernüchterung – für Darstellerin Sina Martens bietet das Werkstattmacher-Stück „Seine Braut war das Meer und sie umschlang ihn“ die Möglichkeit zu einem facettenreichen Schauspiel. Am Montagabend hat im Lofft die Premiere der Inszenierung Laura Schullers stattgefunden.

So nah und echt wie eine Freundin, die ihre Gefühle teilt: Schauspielerin Sina Martens im Lofft.

Quelle: Thomas Puschmann

Leipzig. Auf der Bühne steht ein Kanister. Eine große Regentonne fängt Tropfen auf, die von einer der eigentlich leeren Wasserflaschen an der Decke hängt. Ein paar Dutzend Plastikbecher am anderen Ende der Bühne erledigen den selben Zweck. Mehrere geflickte Stofftücher bilden eine Leinwand. Auf dieser sehen wir einen Film, mit Meer und Felsen. Im Publikum beginnt eine junge Frau zu schluchzen. Zart, mit einer blonden Perücke, einem hellen Kleid und darüber einem roten, geblümten Kimono. An den Füßen glitzernde High Heels, in der Hand eine weiße Rose. Sie beendet die Filmvorführung, tritt auf die Bühne und beginnt von ihrem Mann zu erzählen, dessen Todestag sie heute begeht.

Am Montag hatte das Stück „Seine Braut war das Meer und sie umschlang ihn“ von Andreas Marber Premiere auf der Werkstattbühne im Lofft. Unter der Regie von Laura Schuller spielt Sina Martens in diesem Stück vielfältige Nuancen des Selbst, enttäuschter Liebe, Lust und Ernüchterung aus. Die Frau des Kapitäns erzählt voller Pathos von dieser unglaublichen Liebe, der großen Liebe ihres Lebens. Dabei scheint die Kapitänsfrau den Text für ihre eigenen Liebesbekundungen teilweise zu vergessen – eine Situationskomik, die beim Publikum gut ankommt, es wird viel gelacht.

Spannend ist der Wechsel zwischen euphorischer Liebespoesie und Alltagssprache. Bald schon wird klar: Der Kapitän mochte die Frauen, und die Frauen mochten ihn. Die Bühnenfigur wird es nicht leid zu betonen, wie sehr lüsterne Frauen den Verblichenen verfolgten. Die Kapitänsfrau erzählt von einer Geliebten, die immer wieder Reisen buchte, um ihm nahe zu sein.

Seelisch wie körperlich fallen die Hüllen

Sowohl die Geschichte als auch die Protagonistin geraten ins Taumeln, und schon bald sitzt vor dem Publikum die Geliebte, die von schweißnassen Laken und leidenschaftlicher Liebe erzählt, die nüchtern vom körperlichen Sehnsuchtsschmerz berichtet, um dann wütend ihren Frust über die ewigen Liebeleien ihres Kapitäns in den Raum zu schreien, die sie weibliche Hygieneartikel nennt. Weibliches Verlangen wird erfrischend direkt beschrieben. Seelisch wie körperlich fallen die Hüllen. Die Perücke liegt in einer Ecke, die Schuhe auf dem Boden.

Man merkt, wie gut die Lofft-Bühne für dieses Stück funktioniert. Die physische Nähe der Zuschauer zu Martens, die überdies stets lebendig und authentisch spielt, gibt der Vorstellung etwas Intimes. Oft wirkt sie so nah und echt wie eine Freundin, die ihre Gefühle teilt. Der kleine Raum und das relativ minimalistische Bühnenbild lassen volle Konzentration auf die Frau auf der Bühne zu.

Aber verkörpert Martens nun eine Vielzahl unterschiedlicher Rollen, deren Geschichten alle ineinander greifen? Sehen wir hier, wie das Selbst dekonstruiert wird und Grenzen verschwinden? Oder spinnt die junge Dame kräftig Seemannsgarn? Was auch immer es ist, es hält die Premierengäste in Atem. Nach einer Stunde der Selbstauflösung scheinen alle Schichten entfernt, und eine junge Frau sitzt im Publikum, nur noch in einem hellen Kleid. Sie erzählt von der Kreuzfahrt, die sie nie antrat, von dem Mann, den sie nie kennengelernte und verlässt den Raum.

„Seine Braut war das Meer und sie umschlang ihn“, weitere Vorstellungen Dienstag und Mittwoch, 20 Uhr, Lofft (Lindenauer Markt 21), Karten für 8/5 Euro: 0341 35595510, www.lofft.de

Von Miriam Heinbuch

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