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Falco grinst auf der Wolke, Freddie Mercury feixt in der Hölle: Show im Oktober in Leipzig

Interview Falco grinst auf der Wolke, Freddie Mercury feixt in der Hölle: Show im Oktober in Leipzig

Die Idee ist absurd – und so erfolgreich, dass Axel Herrig und Sascha Lien schon zum zweiten Mal damit auf Tour gehen. Als Falco und Freddie Mercury, die sich zu Lebzeiten nie begegneten, geben die beiden mit Band ein erklärtermaßen himmlisches Konzert – im Oktober auch in Gera, Chemnitz, Halle, Leipzig und Erfurt.

Falco und Freddie Mercury auf Leipzig-Besuch: Axel Herrig (links), 53, war zwischen 2000 und 2006 Hauptdarsteller des Erfolgsmusicals „Falco meets Amadeus“; Sascha Lien, 45, trat von 2006 bis 2011 als Freddie Mercury in der deutschen Version des ebenso erfolgreichen Musicals „We Will Rock You“ auf.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  

Bis zu seinem Tod galt Falco als abgeschrieben. Jetzt erwacht er auf der Bühne zu neuem Leben. Zum wiederholten Mal. Was würde er dazu sagen?

Axel Herrig: Entweder er würde abkotzen oder er fände es ganz toll. Vermutlich schmeichelt es ihm aber schon. Da oben auf der Wolke sitzend.

Und Freddie Mercury, dessen postumer Ruhm immerhin weit weniger überrascht?

Sascha Lien: Freddie sitzt in der Hölle und freut sich. Da wollte er immer hin. Er hat gesagt, da trifft man bestimmt interessantere Menschen als im Himmel.

Allerdings sind Musicals wohl nicht die Sache eines jeden Rock- oder Popstars ...

Lien: Wir machen ja auch kein Musical mehr. Unsere Tournee vergangenes Jahr, als das Ganze noch „Falco meets Mercury“ hieß, war zwar in der Tat Musical-mäßig. Aber die Leute hatten gar keinen Bock auf die Story. Daher ist „Falco meets Queen“ jetzt eine Konzert-Show geworden. Ohne Handlung, dafür mit mehr Musik und mehr Showeffekten.

Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, Freddie Mercury und Falco zu verbinden? Das liegt alles andere als nah.

Lien: Eigentlich ist die Idee absurd, das stimmt. Aber umso neugieriger sind die Leute.

Herrig: Sascha und ich haben uns kennengelernt, weil wir immer wieder zu denselben Festivals und Galas engagiert wurden. Ich mit Highlights aus „Falco meets Amadeus“, er mit Auszügen aus „We Will Rock You“. So haben wir gemerkt, dass ein- und dasselbe Publikum beides mag. Wir haben uns privat angefreundet und uns irgendwann gesagt: Lass uns das doch verbinden und probieren, ob es funktionieren könnte.

Immerhin teilen sich Queens „We Will Rock You“ und Falcos „Rock Me Amadeus“ schon mal den Rhythmus. Ist bekannt, ob Falco, sagen wir, beeinflusst von Queen war?

Lien: Davon ist auszugehen. So wie Vanilla Ice bei „Ice Ice Baby“: Das ist im Prinzip auch Queens „Under Pressure“.

Herrig: „Rock Me Amadeus“ haben die Holländer Bolland & Bolland geschrieben. Ich denke, die haben auf dem internationalen Markt schon ihre Öhrchen mal dahin und mal dahin gehalten.

„Wir sind keine Doubles“

Ihr eigenes Album, Herr Lien, das im Herbst erscheint, hat dagegen kaum etwas mit Freddie Mercury zu tun und geht eher in Richtung Schlager. Auch, um sich von den Queen-Projekten abzugrenzen?

Lien: Das ist nicht der Hauptgrund. Aber ich möchte schon zeigen, dass ich nicht nur auf Freddie Mercury herumreiten kann. Es ist einfach Sascha Lien, so wie ich gern Musik mache. „Falco meets Queen“ hingegen ist zwar eine Herzensangelegenheit, aber soll kein Stempel fürs Leben werden. Ich habe ja gar nicht so die Riesenähnlichkeit mit Freddie, nur vielleicht die große Gosch (lacht). Ich singe auch nicht wie er und versuch das gar nicht. Das wäre anmaßend. Wir sind keine Doubles, sondern steigen auf der Bühne immer wieder aus den Rollen aus und reden über die beiden in der dritten Person.

Herrig: Wir versuchen, die Musik und die Show so perfekt und so nah am Original wie möglich darzubieten. Aber wir wollen keine Lookalikes oder Imitatoren sein. Er ist Sascha, und ich bin Axel.

Zu Beginn Ihrer Musikkarriere, Herr Lien, vor 15 Jahren, haben Sie eine Mischung aus Musik und Magie ausprobiert. Ziehen Sie die Idee wieder aus der Schublade?

Lien: Das sollte mal mein Markenzeichen werden, ja. 2001 hatte ich meinen ersten Plattenvertrag und entwarf zu meinen Liedern, damals noch in Englisch, Illusionen. Aber das ging leider nach hinten los. Die Leute haben nur auf die Zauberei geguckt. Die Musik ist irgendwie verpufft. Darum habe ich das jetzt wieder getrennt.

Herrig: Du wolltest doch in unserer Show einen Hasen aus einem Zylinder ziehen, oder? War das nicht so?

Lien: Ja, aber das gelang mir doch nicht bei den Proben. Und jetzt hab ich den Hasen genommen im Frack.

(Beide lachen).

War denn die Figur des Falco, Herr Herrig, für Sie als gebürtiger Rheinländer die Eintrittskarte nach Wien, wo Sie längst regelmäßig Opern und Operetten singen?

Herrig: „Falco meets Amadeus“ war in der Tat ein großer Karrieresprung für mich. Ein paar Leute aus der Wiener Volksoper hatten mich in Berlin im Theater gesehen und engagierten mich. Für mich bedeutete das den Sprung in die Champions League. Die Volksoper ist ein ganz tolles Haus. Jetzt bin ich auch mit einer Österreicherin verheiratet. Ich bin aber nicht als Falco in Österreich. Oder versuche zumindest, das zu vermeiden. Wir haben da zwar gastiert, aber dort bin ich ansonsten eher seriöser Künstler.

Lien: Aha? (Beide lachen).

„Brian May hatte alles total auf dem Schirm“

Ging der große Erfolg in den Musicals aber nicht schon allein zeitlich auf Kosten einer eigenständigen Musikkarriere?

Lien: Als Künstler musst du es nehmen, wie’s kommt. Ich hatte nie vor, fünf Jahre lang „We Will Rock You“ zu machen. Eigentlich war ich da nur hingegangen, weil ich Brian May kennenlernen wollte. Ich bin kein studierter Musical-Darsteller, aber sie haben mir die Rolle dann trotzdem gegeben. Man kann gut davon leben, also bleibt man dabei. Aber im Hintergrund habe ich weiter auch eigene Musik gemacht. Klar, wenn man in einem Musical arbeitet, lassen die einen nicht so einfach raus. Man ist gut eingespannt. Doch jetzt versuche ich, das anders zu ordnen. Ich verstricke mich nicht mehr in so viele Projekte gleichzeitig. Nur noch diese Show und meine eigene Musik.

Haben Sie es denn geschafft, Queen- Gitarrist Brian May kennenzulernen?

Lien: Er hat sich immer herausgenommen, die Hauptdarsteller und die Band persönlich zu casten, zumindest die Erstbesetzung. Nur als ich kam, war er komischerweise nicht da: Die leibhaftige Queen schlug ihn an dem Tag zum Ritter. Ihm wurden aber Bänder vom Casting geschickt. Erst später, bei der Wien-Premiere, bei der ich selbst nicht spielte, aber eingeladen war, hat man ein Treffen arrangiert. Das fand ich großartig. Und er zeigte seine menschliche Größe, als er um die Ecke gebogen kam und mich mit Namen begrüßte. Wir redeten ein bisschen über meine Audition: Er hatte das alles total auf dem Schirm. Das hat mich schwer beeindruckt.

2012 wurden Sie bei „The Voice of Germany“ von Nena ins Team geholt, schieden allerdings in der sogenannten Battle-Runde aus. Mund abwischen, weitermachen – oder wie lautet Ihr Fazit?

Lien: Ich bin ganz ehrlich: Ich wollte die Sendung nur ein bisschen für Werbung nutzen und gar nicht lange dabei sein. Sonst muss man da Verträge unterschreiben, die man als Künstler, der ein wenig Ahnung hat, einfach nicht unterschreiben kann. Du bist zum Beispiel für sieben Jahre exklusiv an ein Management gebunden. Das ist eine unfassbar lange, unüberschaubare Zeit.

Herrig: Wenn die dich nach einem Jahr fallen lassen, weil du nicht so zündest, wie die das wollen, dann bist du noch sechs Jahre gesperrt, oder?

Lien: Dann bist du noch sechs Jahre bei denen dabei. Bei jedem Auftritt, den du dir selber organisierst, darfst du Geld an die abführen. Es ist eine komische Masche. Vom Vertrag her hätte sie gegriffen, wenn ich die Live-Shows erreicht hätte. Ich war also auch nicht unbedingt der bequemste Kandidat. Aber Fernsehwerbung ist immer gut.

Herrig: Du schlaues Füchslein!

Lien: Ja! Aber im Vertrauen: Das sollen angeblich auch andere so machen ...

„Ich habe Freddie Mercury nie live gesehen“

Falco starb mit 40, Freddie Mercury mit 45. Hat sich der Blick auf Ihre Bühnenfiguren in dem Moment gewandelt, als Sie selbst deren Sterbealter erreichten?

Lien: Bei mir ist das gerade erst passiert. Als ich 45 wurde, musste ich tatsächlich darüber nachdenken. Ich hab mir alte Auftritte von ihm angeguckt: Er war ein Superstar in seiner Hochphase, so alt wie ich – und dann war er plötzlich erloschen. Da überlegt man, was man selber erreicht hat, wo die Reise noch hingehen mag, wie lange vor allem. Ja, das geht einem nahe.

Wie haben Sie die Nachricht von Freddie Mercurys Tod 1991 und Falcos tödlichem Unfall 1998 aufgenommen?

Herrig: Ich hab’s im Radio gehört, aber ich hatte nicht wirklich einen Bezug zu Falco. Ehrlich gesagt hat mich damals der Tod Frank Zappas oder der von Brian Connolly von The Sweet persönlich trauriger gemacht. Ich habe zu der Zeit halt Klassik studiert, und wenn ich Popmusik hörte, dann eher The Cure und weniger Falco. Das hat sich aber geändert.

Lien: Ich bereue zutiefst, dass ich Freddie Mercury nie live gesehen habe. Ich wollte immer mal zu einem Queen-Konzert. Aber es konnte ja auch keiner ahnen, dass es so schnell ging dann.

„Falco meets Queen – A Concert Made in Heaven“, unter anderem zu sehen am 14. Oktober im Kultur- und Kongresszentrum Gera, 15. Oktober Stadthalle Chemnitz, 19. Oktober Steintor-Varieté Halle, 20. Oktober Haus Auensee Leipzig, 22. Oktober Stadthalle Cottbus. Karten für 39,50 Euro bis 79,50 Euro gibt es beispielsweise im LVZ-Media Store (Höfe am Brühl), in den LVZ-Geschäftsstellen, bei der gebührenfreien Ticket-Hotline 0800 2181050 und www.lvz-ticket.de.

Von Mathias Wöbking

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