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Farin Urlaub hat Freude am Unfug in Leipzig

Ärzte-Sänger auf Solo-Tour Farin Urlaub hat Freude am Unfug in Leipzig

Farin Urlaub ist offenbar nicht nur Antialkoholiker, Nichtraucher und Pescetarier, sondern auch: Frühaufsteher beziehungsweise -beginner. Wer bei seinem Auftritt am Freitagabend in der ausverkauften Arena Leipzig mit dem üblichen Vorgeplänkel aus Anheizband und Warterei gerechnet hatte und sich Zeit ließ, wurde schwer enttäuscht.

Mit 51 Jahren die gleiche Rampensau wie eh und je: Farin Urlaub in der Arena Leipzig.

Quelle: André Kempner

Punkt 20 Uhr begann das eine Ärzte-Drittel seinen ersten Solo-Gig hier seit fast sieben Jahren, viele Zuspätkommer verpassten die ersten Songs, unter anderem den Auftaktsong "Was die Welt jetzt braucht" vom neuen Album "Faszination Weltraum". Doch es blieben noch weitere knapp zweieinhalb Stunden, um sich der Faszination Farin Urlaub hinzugeben.

 Denn der Rockveteran bleibt mit 51 Jahren die gleiche Rampensau wie eh und je. Zwar geht ihm ohne die Interaktion mit seinen kongenialen Kameraden Bela B. und Rod etwas die Anarcho-Improvisation ab, das elfköpfige Racing-Team (FURT) gleicht dies aber mit seinem musikalischem Abwechslungs- reichtum mehr als aus.

 Immer wieder lässt Farin Urlaub die vier männlichen Bläser ihr Können zelebrieren. Auch die vier Backgroundsängerinnen bekommen gelegentliche A-cappella-Parts zugestanden, bei denen die von den drei restlichen FURT-Frauen geführten beiden Gitarren sowie das Schlagzeug schweigen.

 Und dann und wann blitzt die doch mal durch, die Urlaubsche Wonne am Unfug. Nach dem "Ziemlich okayen Popsong" fragt er etwa in Richtung des vollbesetzten Parketts vor ihm: "Kennt ihr den Text des nächsten Liedes?" Affirmatives Jubeln ist die Folge, worauf Farin Urlaub erwidert: "Das ist ein japanisches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert."

 Später, bei "Alle dasselbe", macht sich Jan Ulrich Max Vetter, wie Urlaub bürgerlich heißt, einen Spaß daraus, das Publikum Textzeilen des Liedes gestisch und stimmlich darstellen zu lassen. Beim Auftauchen von "Krähen" sollen die Zuschauer mit den Händen flattern, ein "Lachen" wird zum Ausruf "Schmunzel" fürs Parkett und "Kicher" für die Tribüne.

 Jenseits von infantilem Geblödel entstehen bei den vielen nachdenklichen Stücken jedoch auch melancholische Momente, etwa wenn es in der ersten Zugabe in zwei Liedern um die schwierige Selbstfindung des modernen Menschen geht oder wenn "Das Traurigste" schon im Titel das Sujet des Songs andeutet: die unerfüllte Liebe natürlich. Die wie immer komplett in schwarz gehaltenen Kluften des Racing Teams sowie das dezente Bühnenbild - nur der sporadisch Schriftzug "FURT" - unterstreichen diese Augenblicke des Seelenschmerzes.

 Die zweite Zugabe ("Weil ihr heute Abend so lieb wart") ist dann noch einmal den fröhlichen Seiten des Lebens vorbehalten. Sogar fast antike B-Seiten wie der "Pudelsong" kommen nun zu Ehren, "Wo ist das Problem" demonstriert mit seinen treibend vorgetragenen drei Akkorden gute alte Punk-Qualitäten, und bei der zweiten Aufführung des zum Dauerspringen animierenden "Zehn", diesmal doppelt so schnell, hält es auch auf der Tribüne so gut wie niemanden mehr auf den Stühlen.

 Fazit: Hoffentlich wartet Farin Urlaub nicht wieder sieben Jahre bis zu seiner nächsten Leipziger Solo-Visite.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.06.2015
Christian Dittmar

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