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Faszinierend: Wanda-Konzert in Leipzig

Österreichische Band im ausverkauften Täubchenthal Faszinierend: Wanda-Konzert in Leipzig

Die schwer angesagte Band Wanda bedient nicht nur auf Tonträger alle Erwartungen. Beim Konzert der Österreicher im ausverkauften Täubchenthal lassen sich die Fans mitreißen. Und das, obwohl Wanda auf ein großes Brimborium verzichten. Vielleicht aber ist die Besinnung aufs Pure der Grund für die Euphorie...

Riesenstimmung im Täubchenthal: Wanda sind da.
 

Quelle: Kempner

Leipzig. Geradezu wie elektrisiert ist die Atmosphäre im Täubchenthal am Samstag; im gesamten Saal knistert es nervös bis in die letzte ausverkaufte Reihe vor gespannter Erwartungen. Die kommen an diesem Abend nicht von ungefähr, steigen hier immerhin gleich Wanda auf die Bühne. Seit 2014 ihr erstes Album „Amore“ erschien, haben sich die Wiener in die Herzen von Millionen Menschen mit offenen Ohren gespielt und scheinen noch lange nicht auf den Zenit ihres Erfolges zuzusteuern. Ein erstaunliches Phänomen, das sind sie – und wie die Show zeigen wird, eines, das man unbedingt einmal gesehen haben sollte.

Simpel ist es im Grunde, was die fünf Männer – angeführt vom charismatischen Sänger Marco Michael Wanda – präsentieren. Dem lustvollem Pop verschrieben, strotzen ihre Lieder vor kecken Melodien, rockigen Anleihen und der alles abrundenden Prise Schlager-Pathos, das zum Glück eher an Ilja Richter als an Carmen Nebel denken lässt. Darin liegt klar der Trumpf ihrer Stücke: Was Wanda spielen, brennt sich in Hirn und Seele. Und wenn sie es spielen, bleibt kein Bein ruhig.

Die schwer angesagte Band Wanda bedient nicht nur auf Tonträger alle Erwartungen. Auch beim Konzert der Österreicher im ausverkauften Leipziger Täubchenthal am Sonnabend (05.12.2015) ließen sich die Fans mitreißen. Fotos: André Kempner

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Oder auch kein Mund zu: Kaum umschließt Wanda das Mikrofon so beherzt wie ein Untergehender den letzten Rettungsring in stürmischer See und summt den ersten Song mit seiner kratzigen, an Rio Reiser erinnernden Stimme an, versucht das Publikum, sich im forschen Mitgrölen desselbigen zu übertrumpfen. Es wird von Leben und Tod gesungen, dem Alkohol und natürlich der Liebe. Im Kosmos von Wanda ist entweder alles das einmalige, vom Sex beseelte Hoch des eigenen Daseins oder eine Tragödie sondergleichen, die auf die Knie vor der nächstgelegenen Bar zwingt.

Dass man sich darin so schnell verliert, liegt insbesondere daran, dass sich all das nicht hinter unnötigen Metaphern versteckt, sondern geradeheraus formuliert wird. Das ist mal Kaffeeklatsch-schlau, mal „Ich liebe dich bedingungslos“-schmalzig. Aber immer so treffend, dass fescher Ersti und gestandener Rentner ebenso in dieser Nacht in Glückseligkeit vereint nebeneinander schunkeln können, während sie mit geschlossenen Augen „Amore!“ gegen die Decke schreien. Wer darin Hedonismus oder gar Sexismus finden mag, überschätzt mit großer Sicherheit das Konzept der Band Wanda. Vom Kummer geplagt, trinkt beinahe jeder mal einen über den Durst. Und selbst wenn Marco Michael Wanda sein bestes Teil besingt, ist das zuweilen um einiges poetischer als so manche Tinder-Nachricht dieser Tage.

Also Schluss mit der ganzen Interpretation dieser Truppe und lieber Augen auf. Denn wer beständig versucht, Wanda im Kopf zu Tode zu analysieren und endlich zu verstehen, verpasst eine momentan beispiellose Kombo, deren Energie auf der Bühne derartig berauschend ist, dass sogar die Selfie-Queens das Telefon lieber in der Tasche lassen, um nichts davon zu verpassen.

Es braucht keine großen Leinwände, keine besondere Lichteinlagen oder gar einen verwegenen Hüftschwung des Frauenschwarms Wanda höchstpersönlich – obwohl der Po dafür eindeutig in seiner abgeranzten Hose steckt –, um eine grandiose Show zu liefern. Wanda müssen einfach auf der Bühne stehen und ihre Lieder spielen. Das reicht vollkommen aus. Warum? Weil da Männer wirken, die tatsächlich just in dieser Sekunde an diesem Ort an ihren Instrumenten stehen und den Leuten vor ihnen Spaß bereiten wollen. Das spürt das Publikum, und so schaukelt man sich gegenseitig in Euphorie und Ekstase, derer man nicht müde wird. Würden Wanda plötzlich ihr Konzert von vorn beginnen, es gäbe keinerlei Beschwerden darüber.

Geladen ist das Täubchenthal nach diesem imposanten Konzert im Übrigen auch weiterhin, doch ist die Anspannung jetzt absoluter Freude gewichen. Aus dem Knistern wird ein eifriges freudvolles Plappern, das sich langsam in Richtung Ausgang bewegt. Was bleibt, ist der dünne Dunst von Schnaps, Wein sowie Schweiß. Und natürlich Amore. Ganz viel Amore.

Von Anne-Sophie Kretschmer

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