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Feierpause im Leipziger „Institut für Zukunft“ - Stadt setzt Sperrstunde durch

Anwohner versus Clubkultur Feierpause im Leipziger „Institut für Zukunft“ - Stadt setzt Sperrstunde durch

Um 5 Uhr geht im „Institut für Zukunft“ die Musik aus, die Gäste werden vor die Tür geschickt . Die Stadt Leipzig setzt neuerdings eine Sperrstunde durch. Jetzt fürchten die IfZ-Macher um den Fortbestand der Szene.

Im Club IfZ im Kohlrabizirkus setzt die Stadt Leipzig neuerdings eine Sperrstunde durch.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Im Leipziger Szene-Club „Institut für Zukunft“ (IfZ) geht am Wochenende um 5 Uhr morgens die Musik aus, alle Gäste müssen vor die Tür. Eine Stunde warten die Feierwilligen vor dem Kohlrabizirkus, dann fährt die Sound-Anlage wieder hoch, die Besucher dürfen wieder hinein. Seit Anfang Juni geht das so, denn die Stadt Leipzig setzt gegenüber den Betreibern des Clubs eine Sperrstunde von 5 bis 6 Uhr durch.

Gegenüber LVZ.de erklärt das Ordnungsamt, es habe in der Vergangenheit Beschwerden wegen ruhestörenden Lärms gegeben. Das IfZ selbst weiß zumindest von einem Fall: „Eine Person beschwert sich regelmäßig“, so Alexander Loth, einer der Club-Betreiber. Regelmäßig erhielten sie von dem Anwohner aus der Tarostraße Beschwerden per SMS.

Die von der Behörde genannten Klagen wegen zu lauter Musik kann das IfZ nur zum Teil nachvollziehen. Aus seiner Sicht sei nicht geklärt, ob der nächtliche Sound nicht auch von illegalen Open-Airs im Umfeld kommen könnte.

Fest steht aber: Der Bass erzeugt auch außerhalb des Clubs noch ein leichtes Wummern. In Eigeninitiative haben die IfZ-Betreiber die Lautstärke in der Tarostraße gemessen. Diese liege bei 40 bis 42 Dezibel. Zum Vergleich: In einer ruhigen Wohnung herrschen etwa 45 Dezibel, Vögel zwitschern mit etwa 50 Dezibel. „Wir sind sensibel“, versichert Loth. „Wir haben immer wieder Umbauten im Club vorgenommen, um die Schall-Emissionen zu verringern.“ Besonders in den letzten sechs Monaten hätten die Betreiber viel umgebaut.

Zwangspause zur Unzeit

Die seit zwei Wochen durchgesetzte Sperrstunde stellt die Betreiber vor ein Problem. „Wir haben die Leute rausgeschickt. Einige sind geblieben, teilweise sind die Leute auch gegangen.“ Auf lange Sicht, befürchtet Loth, ist das für den Laden schädlich. Die Veranstaltungen beginnen Mitternacht. Ab 1 Uhr werde es voll. Am Freitag beziehungsweise Samstag schließt das IfZ gegen 7 bis 8 Uhr. Sonntags zwischen 9 und 10 Uhr. „Um 5 ist bei uns der Höhepunkt.“ Zu dem Zeitpunkt die Gäste vor die Tür setzen zu müssen, sei auf lange Sicht extrem geschäftsschädigend. Die Freunde des Clubs haben mittlerweile Ideen für die Freistunde gesammelt: Von Yoga über Speed-Dating oder gemeinsames Aufräumen im Umfeld reichen die Vorschläge.

Kulturausschuss involviert

Was den IfZ-Macher besonders sauer aufstößt, ist, dass die Stadt mit der jungen Szene und dem Nachtleben wirbt, ihnen dann aber aus ihrer Sicht Knüppel zwischen die Beine wirft. Bis vor wenigen Tagen hieß es noch auf der Internetseite der Stadt: „Und das Beste: Das Leipziger Nachtleben kennt keine Sperrstunde.“ Das zuständige Amt für Wirtschaftsförderung ließ wiederholte Nachfragen dazu unbeantwortet. Stattdessen verschwand der betreffenden Passus in aller Stille aus dem Internetauftritt der Stadt.

Bis vor kurzem fand sich auf der Internetseite der Stadt der Satz: "Und das Beste: Das Leipziger Nachtleben kennt keine Sperrstunde." (Screenshot vom 8. Juni 2017)

Bis vor kurzem fand sich auf der Internetseite der Stadt der Satz: "Und das Beste: Das Leipziger Nachtleben kennt keine Sperrstunde." (Screenshot vom 8. Juni 2017)

Quelle: Johannes Angermann/Sreenshot

Mittlerweile - so Linken-Stadträtin Mandy Gehrt - ist das Thema Sperrstunde im IfZ auch im Kultur-Ausschuss ein Thema. Fraktionskollegin Juliane Nagel hat bereits eine Anfrage an den Oberbürgermeister gestellt. Sie will wissen, ob die neue Sperrstunde auch in weiteren Clubs, zum Beispiel Distillery und Velvet, eingehalten werden muss. Die Fraktion fürchtet um die Vielfalt der Szene. Das IfZ zum Beispiel gilt über die Grenzen Leipzigs hinaus als Aushängeschild der elektronischen Musikszene.

Einladung an Nachbarn

Das Institut für Zukunft will sich nun mit dem Kulturamt der Stadt zusammensetzen. „Wir sind kein unwesentlicher kultureller Teil der Stadt“, ist Loth überzeugt. Um Konflikte aus dem Weg zu räumen, wollen sich die IfZ-Macher auch mit den Nachbarn treffen. „Wir wollen auf die Leute zugehen.“ Diese sollen eingeladen werden, sich den Club anzuschauen - nachmittags. „Wir wollen den Menschen zeigen, was wir hier machen. Und auch, was wir unternehmen, damit möglichst wenig Musik nach außen dringt.“

Von Johannes Angermann

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