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Festivals des Forums Zeitgenössischer Musik im Werk 2 eröffnet

„Altzeit Neu“ zum Jubiläum Festivals des Forums Zeitgenössischer Musik im Werk 2 eröffnet

Das Forum Zeitgenössischer Musik hat am Dienstagabend sein dreitägiges Festival „Altzeit NEU“ eröffnet, Anlass ist das 25-jährige Bestehen des Vereins. Zum Auftakt spielten Jan Gerdes und Fabrizio Nocci. Noch Mittwoch und Donnerstag stehen Veranstaltungen auf dem Plan.

Pianist Jan Gerdes am Dienstag im Werk 2.

Quelle: Kempner

Leipzig. Am Anfang stand das Schmunzeln, es folgten Virtuosität und Beats. Mit einer gut kuratierten Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Altzeit NEU“ feiert das Forum zeitgenössischer Musik Leipzig (FZML) seit Dienstag sein 25-jähriges Bestehen. Das Werk 2 öffnet dafür seine Halle D, gezeigt wird noch bis zum Donnerstag-Abend ein spannendes Programm mit einer Poetry Revue und dem Leipziger DJ Filburt.

Bereits vor der offiziellen Eröffnung am Dienstag hatte man geladenen Gästen neben einer ausgiebigen Dankes- und Grußrede sowie einem kleinen Exkurs in die Geschichte und Aufbaujahre des FZML ein kurzweiliges und eklektisches Programm rund um die Neue Musik geboten. Den Beginn machte hier eine Spoken Word Performance, basierend auf John Cages „Indeterminacy“, einer umfangreichen Aneinanderreihung von Begleittexten und Kurzgeschichten. Viel Anekdotisches aus dem Leben der wohl bekanntesten Lichtgestalt der Neuen Musik war da zu hören, meist zum Schmunzeln, oft zum Nachdenken.

In seiner Ansprache macht Leiter Thomas Christoph Heyde dann nochmals Standpunkte und Satzung des Forums deutlich. Mit der Arbeit des FZML gelte es einmal mehr den Wagemutigen und Klugen eine Plattform zu bieten, und sei es nötig, auch für diesen Raum zu streiten.

Der Hauptteil des Abends durfte als Klavierabend bezeichnet werden. Eingeladen hatte man den Berliner Tastenvirtuosen Jan Gerdes, der die Werke sechs unterschiedlicher Komponisten, von der Postmoderne bis zur Gegenwart, präsentierte. Gerdes, der sich sowohl in der Tradition als auch in der Avantgarde zuhause fühlt, bot ein intensives und spannungsgeladenes Spiel. Es ist ein Stückeln, ein Brechen, ein Neu-Aufreihen gewohnter Töne und Harmonien. Eine Collage aus Musik und Nichtmusik als Klang und Nichtklang, die sich zu einem umfassenden und ungezügelten Stück Tonkunst zusammenfügt.

Das wird auch im zweiten Teil des Abends fortgeführt, als Gerdes Unterstützung vom italienischen Komponisten und Technoproduzenten Fabrizio Nocci bekommt. Gemeinsam verstricken beide seit 2014 Elemente aus Clubkontext und Konzertsaal miteinander und untermauern improvisatorisches Klavierspiel mit mal klaren, mal ganz ungeraden Beats und Synthesizerflächen.

Es mag sein, dass sich der Gipfel der Spannungskurve eines Stücks der Neuen Musik vornehmlich auf kompositorischer denn auf performativer Ebene abzeichnet. Wer sich an diesem Abend jedoch dafür öffnet, sich frei macht und bereit ist, sich von erdachten Konventionen zu lösen, bekommt ein eklektisches und außergewöhnliches Programm geboten.

Abgelöst von einem gewöhnlich harmonischen Musik- und Melodieverständnis vermittelt das gezeigte eine ungeahnte emotionale Tiefe, schärft den Blick und weitet den Horizont wie kaum eine andere Spielart der Klaviermusik.

Mit Blick vor die Bühne bleibt für das Format Zeitgenössische Musik jedoch auch im Jahr 2016 festzuhalten: Die Idee ist gut. Doch die Welt noch nicht bereit dafür.

Mittwoch bei „Altzeit NEU“ im Werk 2: Wild Open Space, Geburtstagsperformance; Konzert mit Werken von Feiler, Lucier, Maierhof und »mash«, eine Video/Musik/Tanz-Performance von Mike Dietrich aka DJ Opossum; Donnerstag: Lesung und Poetry-Revue von heiteren wie nachdenklichen Texten, präsentiert von Christian Meyer. Es lesen Boris Flekler, Julia Berke, Ralph Grüneberger und Mark Daniel; DJ Filburt legt auf. Beginn 19 Uhr, Karten im Vorverkauf für 12/7,10 Euro. Mehr Informationen stehen auf www.fzml.de.

Von Stefan Kutschera

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